Management „Der Druck ist erheblich“

Und Millionen gucken zu: Die Entscheidungen von Fifa-Schiedsrichter Felix Zwayer müssen sitzen

Und Millionen gucken zu: Die Entscheidungen von Fifa-Schiedsrichter Felix Zwayer müssen sitzen© Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

Der Fifa-Schiedsrichter Felix Zwayer muss während eines Spiels etwa 200 Entscheidungen treffen. Wie er sich darauf vorbereitet und warum der Schiedsrichter des Jahres 2013/14 in seinem Hauptberuf als selbstständiger Immobilienkaufmann davon profitiert, erzählt er im Interview

Seine Entscheidungen werden von einem Millionenpublikum kritisch hinterfragt. Felix Zwayer ist Schiedsrichter der 1. Fußball-Bundesliga und seit 2012 auch FIFA-Schiedsrichter für internationale Wettbewerbe. Seine Erfahrungen, unter Zeitdruck Urteile zu fällen, nutzt dem 33-Jährigen auch als Unternehmer. Zwayer ist Mitinhaber der Berliner Immobilienfirma 1 Berlin X.

impulse: Herr Zwayer, wie ist das, ständig innerhalb von Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen zu müssen?
Man muss sich mental besonders darauf vorbereiten. Es erfordert höchste Konzentration, ein besonderes Urteilsvermögen und dass man die bestmöglichen Voraussetzungen für die Entscheidungsfindung schafft.

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Weil es dann so schnell gehen muss?
In 90 Minuten Spielzeit werden oft mehr als 200 Entscheidungen getroffen. Die Anforderungen und der Druck sind erheblich, zumal die Entscheidungen eine große Tragweite haben können.

Ist es da ein Vor- oder Nachteil, dass Sie so unter Zeitdruck stehen?
Das Spiel ist sehr schnell und meist auch impulsiv und emotional. Den Zeitdruck empfinde ich allerdings kaum. Den würde ich nur empfinden, wenn ich nicht darauf vorbereitet wäre. Natürlich ist die Schnelligkeit der Entscheidung oft von besonderer Bedeutung. Auf der anderen Seite ist es aber auch die Aufgabe des Schiedsrichters, als ruhender Pol zu wirken und durch Entscheidungen Gelassenheit, Souveränität und Ruhe auszustrahlen, wenn die Umstände dies erfordern.

Spüren Sie, wenn Sie daneben lagen? Oder sind Sie manchmal hinterher selbst überrascht?
Wenn man innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen trifft, muss man sich natürlich voll und ganz auf seine Wahrnehmung und sein Urteilsvermögen verlassen. Insofern ist man von der Entscheidung, die man trifft, auch überzeugt. Allerdings weiß man aus Erfahrungen, dass hier auch mal Fehler passieren.

Wie gehen Sie damit um?
Ich mache eine umfangreiche und professionelle Analyse mit einem Coach und mit Hilfe von Videomaterial. Es ist eine entscheidende Kernkompetenz, getroffene Entscheidungen zu analysieren, aufzuarbeiten und zu hinterfragen. Und die richtigen Schlüsse für die Zukunft, also die nächste Spielleitung zu ziehen.

Hat man irgendwann das Gefühl, jede Entscheidung schon einmal getroffen zu haben?
Nein, man muss sich darüber im Klaren sein, dass niemals eine identische Szene zu beurteilen ist, sich also ein identische Entscheidung wiederholt. Dafür sind das Spiel, die Spieler, die Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren zu individuell und unterschiedlich. Aber es hilft natürlich, ähnliche Abläufe parat zu haben und die Einflüsse und somit die Entscheidung entsprechend anzupassen.

Sie treffen Ihre Entscheidungen ja nicht im stillen Kämmerlein, sondern vor tausenden kritischen Augen. Wie sehr beeinflusst Sie das?
Ich bin Schiedsrichter seit ich 13 Jahre alt bin. Ich habe Spiele ohne Zuschauer und welche vor 80.000 Zuschauern im Stadion und mehreren Millionen vor den Fernsehern erlebt. Ich konnte mich Schritt für Schritt an die vielen Menschen und Beobachter gewöhnen und schaffe es inzwischen ganz gut, sie auszublenden.

Sie sind ja während des Spiels nicht alleine. Wie wichtig sind Ihre Assistenten?
Sie bieten eine eigene Wahrnehmung an und haben eine weitere Perspektive auf Abläufe. Dies kann beim Treffen einer Entscheidung von großer Bedeutung sein. Es ist dabei sehr wichtig, dass man gegenseitige Erwartungen klar und präzise formuliert. Und jeder seine Rolle im Team kennt und ausfüllen kann. Letztlich entscheidet der Schiedsrichter, ob und in welchem Umfang er die Unterstützung und Hilfestellungen der Assistenten annimmt. Und dem entsprechend sollte er dann auch die Verantwortung dafür übernehmen.

Funktioniert das?
Es ist ein fester Bestandteil der Nachbereitung, dass sich ein Team kritisch mit dem Spiel und sich selbst auseinandersetzt. Wenn jeder seine Rolle verstanden hat, hat dies nichts mit einer Krise, sondern mit einer professionellen Auseinandersetzung und dem Streben nach Verbesserung zu tun. Es geht nicht darum einen Schuldigen auszumachen, sondern darum die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und das Spektrum zu erweitern.

Profitieren Sie davon auch in Ihrer Arbeit als selbstständiger Immobilienkaufmann?
Durchaus, ich weiß durch meinen Sport, wie gut es ist, sich untereinander intensiv auseinanderzusetzen. Wie wichtig es ist, sich auf Partner verlassen zu können und diese auch ernst zu nehmen. Und vor allem: Das Fehler zum Leben dazugehören.

 

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