Management Kasachstan – „Der Mittelstand ist noch kaum entwickelt“

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Eine Filiale von Metro in Almaty, Kasachstan

Eine Filiale von Metro in Almaty, Kasachstan© Edda Schlager

Kasachstan will seine Wirtschaft breiter aufstellen - weg vom bisherigen Schwerpunkt auf Rohstoffexporten. Die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen für die verarbeitende Industrie ist hoch. impulse hat die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien gefragt, welche Chancen das Land bietet und wo kulturelle Unterschiede zum Problem werden können.

Welche Branchen sind bei Ihnen im Land im Aufschwung?

Edda Schlager, Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien: Da sind der Bergbau, die Petrochemische Industrie und die Chemische Industrie zu nennen, aber auch der Gesundheitssektor und die Landwirtschaft sowie allgemein die Lebensmittelindustrie. Auch die Bauwirtschaft und die Logistikbranche sind im Aufschwung, ebenso die kommunale Wasserwirtschaft und der Bereich Energieversorgung.

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Welche Produkte oder Dienstleistungen sind besonders gefragt?

Die Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und Ausrüstungen für nahezu alle Beriche der verarbeitenden Industrie ist hoch, denn Kasachstan steckt viel Energie in die Diversifizierung seiner Wirtschaft, um sich von der bisherigen Rohstoffexport-Lastigkeit zu lösen. Außerdem sind Pkw, Lkw und Schienenfahrzeuge gefragt. Auch die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen und pharmazeutischen Produkten sowie Medizintechnik ist gestiegen. Ebenfalls zu nennen sind elektrotechnische Anlagen für die Energieversorgung sowie Haus- und Versorgungstechnik. Weil Kasachstan trotz bester natürlicher Voraussetzungen noch immer unter einer ineffizienten Landwirtschaft und technisch veralteter Produktionsmethoden bis hin zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte leidet, ist es bisher auf den Import von Lebensmitteln angewiesen, zum Beispiel von Fleisch, Milchprodukten oder Gemüse. Bei den Dienstleistungen ist vor allem Consulting zum Aufbau der verarbeitenden Industrie gefragt.

Was sagt man bei Ihnen im Land über die Deutschen?

Da gibt es die klassischen Vorstellungen: Die Deutschen sind zuverlässig, fleißig, genau, ehrlich, sauber, ordentlich.
Negative Eigenschaften werden so gut wie nie mit Deutschen in Verbindung gebracht. Als Deutscher hat man heute geradezu einen Bonus, der kaum durch etwas zu erschüttern ist.

Welche kulturellen Unterschiede machen den Deutschen zu schaffen?

Das sind vor allem die Unverbindlichkeit und informelle Problemlösungen. Aber auch bei den grundsätzlichen Werten gibt es Unterschiede: In Kasachstan beschränkt sich soziale Verantwortung auf die Familie – da greift sie aber, bis hin zur Vetternwirtschaft. Ein konstruktiver Diskurs inklusive Kritik ist hierzulande eher unerwünscht, entsprechend der östlichen Mentalität des „Gesichtwahrens“. Und die positiven Aspekte von Eigenverantwortung werden gesellschaftlich nicht als solche erkannt.

Welche Hürden gibt es bei der Unternehmensgründung?

Es gibt unterschiedliche Erwartungen bei der Markterschließung durch deutsche Unternehmen: Deutsche sehen Kasachstan vor allem als Exportmarkt mit für Investitionen viel zu hohem Risiko. Kasachstan erwartet das Hinsetzen schlüsselfertiger Betriebe zum Aufbau der dringend notwendigen verarbeitenden Industrie. Der Mittelstand ist hierzulande kaum entwickelt, die Hauptakteure sind staatliche Konzerne als Monopolisten. Ein weiteres Problem ist die eingeschränkte Rechtssicherheit. Hinzu kommen Sprachprobleme – Russisch ist nach wie vor die wichtigste Verkehrssprache, verhandlungssicheres Englisch ist bisher wenig verbreitet.

Edda Schlager ist Leiterin für Marketing und wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien. Die Auslandshandelskammer hat ihren Sitz in Almaty in Kasachstan. Erreichbar ist sie über die Homepage http://zentralasien.ahk.de.

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