Die Generation "Y" Verlangen sie alle Büroloft, Kicker und Grill?

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Atmosphäre wie im Spielzeugladen: Das Google-Büro in Seoul, Südkorea.

Atmosphäre wie im Spielzeugladen: Das Google-Büro in Seoul, Südkorea.

Google macht es vor: Am Morgen über eine Rutsche ins Büro, in der Mittagspause Playstation spielen, ein Büro in einer Riesenrad-Kabine - so kann das Arbeitsleben heute aussehen. Doch ein exklusives Büro allein macht ein Unternehmen nicht zu einem attraktiven Arbeitgeber. Es kommt vor allem auf die Teamatmosphäre an.

Neulinge staunen nicht schlecht, wenn sie das Büro des Software-Entwicklers easySoft im Baden-Württembergischen Bretten zum ersten Mal betreten. In der Eingangshalle hängt ein Mitarbeiter an der sieben Meter hohen Kletterwand, ein Kollege sichert ihn mit einem Seil ab. Auf dem Weg zum Büro bietet sich die Möglichkeit einer Partie Billard oder Tischfußball. An der Theke gibt es kostenlose Getränke und täglich eine frische Auswahl von Äpfeln bis hin zu Südseefrüchten. In den hellen Büroräumen ist ausreichend Platz, die Wände sind bunt gestrichen.

„Der erste Eindruck zählt“, verrät Andreas Nau, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. „Und unsere Mitarbeiter schalten gern an der Kletterwand oder bei einem gemeinsamen Kickerspiel zwischendurch mal ab.“ Im letzten Jahr zählte easySoft zu den beliebtesten Arbeitgebern Deutschlands im compamedia-Wettbewerb Top 100. Besonders gelobt wurde die Firma mit ihren drei Geschäftsführern und den 26 Mitarbeitern in erster Linie aber nicht wegen der schicken Büros, sondern wegen ihres Teams.

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Vertrauensarbeitszeit ist Voraussetzung

Denn die Spielereien am Arbeitsplatz seien eigentlich nur ein netter Zusatz, so Nau. Vielmehr würden bei easySoft Teamgeist und Flexibilität großgeschrieben. So sei es überhaupt kein Problem, wenn die Mitarbeiter Lust auf gemeinsames Joggen hätten und mal für zwei Stunden statt der üblichen Stunde in die Mittagspause gingen. Die Geschäftszeiten des Software-Entwicklers dauern von 9 bis 17 Uhr. In dieser Zeit müssen Kunden die Firma erreichen können. „Das heißt aber nicht, dass um 9 Uhr alle Mitarbeiter an den Telefonen sitzen müssen“, sagt Nau.

Kletterwand bei easySoft.

Kletterwand bei easySoft.© easySoft

Bei easySoft gibt es keine Stechuhr, keine irritierten Blicke, wenn ein Mitarbeiter erst um 11 Uhr das Büro betritt. „Es geht darum, die Arbeit zu erledigen, Kunden zufrieden zu stellen und sich im Team wohl zu fühlen“, berichtet Nau. „Niemand wird gezwungen, seine Zeit im Büro abzusitzen. Kollegen können das untereinander ausmachen, Hauptsache es ist immer jemand da.“

Die Unternehmensberaterin Karina Albers beschäftigt sich in ihrer Beratungsagentur „Algeny“ hauptsächlich mit der Generation „Y“. Unternehmen können qualifizierte, junge Mitarbeiter nicht allein mit exklusiven Bürolofts anlocken, meint Albers. Die Arbeit von heute soll zwar Spaß machen. „Unter Spaß versteht die Generation Y aber in erster Linie kein unternehmenseigenes Fitnessstudio. Sie fordert vor allem einen entspannten und angenehmen Umgang im Team“, bestätigt Albers. Und die Möglichkeit, die Arbeit im Café in der Sonne sitzend zu erledigen.

Teambuilding durch gemeinsame Events

Ein modernes, kreatives Büro vermittelt zwar eine schönere Arbeitsatmosphäre als ein grauer Betonbau mit immer gleichen Bürozellen. Trotzdem nütze es Unternehmen recht wenig, eine Spielwiese zu bauen, wenn keiner sie nutzt und alle während fest einzuhaltenden Arbeitszeiten am Schreibtisch sitzen müssen.

Diese Meinung vertritt auch Christine Oertel, Personalchefin der in-tech GmbH. „Die meisten Bewerber, die wir fragen, warum sie sich gerade für uns entschieden haben, nennen die schöne Arbeitsatmosphäre.“ Für die sorgt neben Gleitarbeitszeit vor allem das Team. Um den Zusammenhalt zu fördern, wird beispielsweise jedem in-tech-Team einmal im Monat ein Budget zu Verfügung gestellt, um eine gemeinsame Veranstaltung zu machen. „Das geht vom Kartfahren über die Cocktailbar bis hin zum Canyoning“, erzählt Oertel. Schöne, geräumige Büroräume spielen auch hier eher eine Nebenrolle, auch wenn in-tech über großzügige Büroflächen und bunt gestrichene Wände verfügt. „Das macht unsere Arbeit hier natürlich noch angenehmer“, sagt Oertel.

 

Die Geburtsjahrgänge 1985-1990 kommen auf den Arbeitsmarkt – und über die „Millennials“, auch „Generation Y“ genannt, geistern verschiedene Vorurteile durch die Medien und Personalabteilungen. Doch sind die Y-Jahrgänge wirklich nicht mehr belastbar, besonders empfindlich, wenn es um Stress im Job geht – und lassen sie sich ständig von Facebook und ihrem Smartphone ablenken? In einer neuen Serie klären die auf, die es am besten wissen müssen: Nachwuchstalente der Kölner Journalistenschule, die selbst zur Generation „Y“ zählen. Zur Serienübersicht

1 Kommentar
  • Heinz 15. Februar 2014 18:53

    Mir fällt vor allem bei Coworking Spaces und Mietbüros auf, dass heutzutage ein großer Wert Auf eine angenehme, morderne Umgebung gelegt wird. bei http://www.virtuellesbuero.at und co merke ich auch an mir selbst, wie ich Wert auf diverse Extras lege. Eigentlich auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass man in vielen Branchen bei 40+ Wochenstunden die Arbeit als Lebensmittelpunkt hat. Und in den meisten größeren Städten ist die Konkurrenz bei Büroimmobilien auch recht groß, da muss man sich dann als Anbieter schon irgendwie abheben.

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