Management Die Geschichte hinter dem Foto: Warum ein Obststand wie Amazon wirbt

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© Roman Kmenta

"Kunden die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch": Das Foto eines Obststandes mit Hinweisschildern in Amazon-Manier schlägt derzeit große Wellen. Wie es zu der ungewöhnlichen Idee kam, erklärte uns der Fotograf.

Herr Kmenta, in den sozialen Netzwerken macht derzeit ein Foto von Ihnen die Runde. Wie kam es dazu, dass Sie eine Obstverkäuferin mit Hinweisschildern fotografiert haben, die man eigentlich vom Onlineshopping-Riesen Amazon und Nachahmern aus der virtuellen Welt kennt?

Roman Kmenta: Vor einiger Zeit habe ich mal in englischsprachigen Medien einen Cartoon gesehen, der in eine ähnliche Richtung ging. Da habe ich mir gedacht: Das müsste man doch im realen Leben umsetzen.

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Und dann?

Bei mir in der Nähe ist ein Markt und auf dem gibt es diesen Obststand, der auf dem Foto zu sehen ist. Da dachte ich: Das wäre doch eine super Sache. Also habe ich die Verkäuferin angesprochen, ob sie mitmachen und die Schilder aufstellen würde – und sie war sofort begeistert.

Was hat Sie daran gereizt, eine Idee aus der digitalen Welt ins echte Leben zu übertragen?

Beruflich beschäftige ich mich als Vortragsredner unter anderem im Bereich Preispsychologie und Psychomathematik mit konträrem Denken im Wirtschaftsleben. Das Spannende dabei ist, dass Ideen in einer Branche etwas ganz normales sein können – und in einem anderen Bereich die Branche komplett revolutionieren.

Und Schilder mit „Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch“ sind die große Revolution für Obststände?

Ich habe da natürlich einen scharfen Kontrast gewählt. Es gibt sicherlich Branchen, in denen so etwas besser passt als an Obstständen. Hätte ich ein Foto von einem Onlineshop gemacht, dann wäre das nicht aufgefallen. Aber ich wollte die Idee und das branchenübergreifende, sinnvolle Kopieren von Ideen deutlich machen.

Was reizt Sie an der Grundidee, Kunden darauf aufmerksam zu machen, was andere gekauft haben?

Das Konzept, das dahinter steckt, nennt sich soziale Bewährtheit. Wir Menschen glauben immer, wir seien extrem rational – das stimmt aber nicht, wie viele verhaltenspsychologische Studien zeigen. Die soziale Bewährtheit besagt im Prinzip, dass das, was viele andere Menschen machen, nicht falsch sein kann – und dementsprechend nachahmenswert ist. Das kennt ja auch jeder aus dem Alltag: Zum Beispiel wenn man im Urlaub in ein Restaurant geht, in dem viele Menschen sitzen, anstatt sich für das leere Lokal nebenan zu entscheiden.

Und in welchen Branchen könnte man dieses Konzept sinnvoll anwenden?

Vielleicht ist der Obststand eine der letzten Bastionen, in denen das Konzept nicht zwangsläufig aufgeht. Aber selbst dort wäre es möglich – man muss es ja nicht so übertreiben, wie ich es bewusst gemacht habe. Möglicherweise reicht schon ein kleiner Hinweis auf das Produkt, das beispielsweise in der vergangenen Woche am häufigsten verkauft wurde. Und schon entsteht der Kreislauf der sozialen Bewährtheit.

Noch einmal zurück zu Ihrem Obststand-Foto: Weiß die Obstverkäuferin denn schon, das ihr Bild tausendfach im Netz geteilt wurde?

Ich bin heute bei ihr vorbei gefahren, um sie vorzuwarnen (lacht). Weil sie selbst nicht ständig online ist, hatte sie es selbst noch nicht gesehen – ein Nachbar hatte das Foto aber schon im Netz entdeckt. Sie fand das toll – und meinte auch, das sie die Schilder jetzt häufiger aufstellt.

 

romankmenta_120Zur Person:

Roman Kmenta ist Vortragsredner aus Bad Vöslau in Österreich. Für Unternehmen hält er etwa Vorträge zu den Themen Marketing, Vertrieb und Führung.
 

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