Management Die Nominierten für die Kategorie „Mittlerer Mittelstand“

Transparenz von Unternehmen schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft den Preis für die "Beste Finanzkommunikation im Mittelstand". Dies sind die drei Nominierten für die Kategorie "Mittlerer Mittelstand".

Die Euro-Krise ist noch nicht überstanden, die Konjunkturaussichten trüben sich ein – es herrscht Unsicherheit in Deutschlands Wirtschaft. Um in dieser Phase gute Konditionen bei Banken oder Versicherern zu bekommen, ist viel Vertrauen notwendig. Das erhalten Firmen leichter, wenn sie ihre Finanzierungspartner regelmäßig und umfangreich über den Gang ihrer Geschäfte informieren, wie Studien gezeigt haben.

Neun Unternehmen, die auf Dialog setzen, sind nun für den Preis für die „Beste Finanzkommunikation im Mittelstand“ nominiert, in drei Kategorien (Kleiner, mittlerer und großer Mittelstand). Den Fikomm-Award verleihen bereits zum sechsten Mal der Kreditversicherer Euler Hermes, die Commerzbank und GE Capital gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium, dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Financial Times Deutschland und impulse. Wissenschaftlich begleitet wird die Preisvergabe in der Jury von Stephan Paul, Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Die drei Gewinnerunternehmen erhalten ihre Auszeichnung im Rahmen einer großen Galaveranstaltung am 23. Oktober in Düsseldorf.

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Das sind die nominierten Unternehmen für die zweite Kategorie: „Mittlerer Mittelstand“.

Reinhard Krückemeyer GmbH & Co. KG

Als Jan Krückemeyer 2008 nach dem Tod seines Vaters Geschäftsführer der Reinhard Krückemeyer GmbH & Co. KG wurde, war es um die Finanzkommunikation des Unternehmens nicht gut bestellt. „Der Finanzierungsmix war einseitig, eine Neu-Strukturierung dringend nötig“, sagt er. Also krempelte er den Schleifmittel- und Klebebänderherstellers aus Wilnsdorf aus dem Siegerland (52 Mitarbeiter, 17,4 Millionen Euro Umsatz) um. Rat holte er sich bei einem ehemaligen Bankdirektor. Der brachte ihm bei, wie Banken denken und was sie von Unternehmen wissen wollen. Zusammen spielten sie Gespräche mit Bankberatern durch und sammelten Informationen. „Ich musste in Bankgesprächen dann einfach nur die Mappe aufschlagen und hatte alles vorbereitet“, sagt er. Seitdem ist viel passiert, mittlerweile ist die Finanzkommunikation fester Bestandteil im Qualitätsmanagement des Unternehmens. Mit seinem Banken-Coach trifft er sich nur noch ab und zu. „Meist geht es aber nur noch um einen lockeren Austausch“.

Die Finanzkommunikation des Familienunternehmens folgt festen Regeln. „Wir haben uns selbst verhaftet“, sagt Krückemeyer. Selbst in schlechten Zeiten müssen alle Kennzahlen pünktlich öffentlich gemacht werden, sonst leidet die ISO-Zertifizierung. Mittlerweile richtet sich die Finanzkommunikation auch an potentielle Finanzierungspartner. Auch Alternativbanken erhalten zum Beispiel regelmäßig die Geschäftszahlen. „Wenn dann doch mal ein Sondierungsgespräch ansteht gibt es schon eine Grundlage“, sagt Krückemeyer. Die aktuellen Banken können Wünsche äußern, wann sie welche Unterlagen haben wollen und in welcher Form. „Wir erfüllen auch Sonderwünsche“, sagt er. Ganz oben auf der Wunschliste stehen ein Bankenspiegel und Top-10 Listen zu Debitoren und Creditoren. Das sei zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden, meint Krückemeyer, aber es zahle sich aus.

Hora

Eine offene Finanzkommunikation betrachtet Georg Bode, kaufmännischer Geschäftsführer des Familienunternehmens Hora (301 Mitarbeiter, 50 Mio. Umsatz) als Selbstverständlichkeit: „Wir fragen uns eher, warum das andere Unternehmen nicht so wie wir machen.“ In Schloß Holte-Stukenbrock stellt das Unternehmen Regelarmaturen und Ventile für die Industrie und für Kraftwerke her. Der jährliche Geschäftsbericht, den Bode zusammen mit Dieter Dresselhaus erstellt, dem Sohn des Unternehmensgründers, geht an fünf Banken, Gesellschafter, Führungskräfte und den Betriebsrat. Er ist viel ausführlicher als bei mittelständischen Unternehmen ähnlicher Größe und dient laut Bode auch der Auseinandersetzung mit dem eigenen Unternehmen. „Der Geschäftsbericht ist für uns ein kritischer Rückblick auf das Jahr“, sagt er. Und der werde dann auch schonungslos weitergegeben. Die kritische Reflexion der Unternehmensentwicklung sei genauso wichtig wie die Zukunft zu planen.

Auch die Mitarbeiter sollen bei Hora jederzeit wissen, wie es um das Unternehmen steht, sagt Bode. Die Kennzahlen erfahren sie aus der Firmenzeitschrift, auf Informationsveranstaltungen und der jährlichen Betriebsversammlung. Aktuelle Auftragseingänge und Umsatzentwicklungen können sie auf Aushängen nachlesen. „Wir möchten für unsere Mitarbeiter ein attraktives Unternehmen sein“, sagt er. Deshalb richtet sich die Finanzkommunikation auch an die Mitarbeiter.

Seit diesem Jahr berichtet das Unternehmen zusätzlich alle drei Monate über die Umsatzentwicklung. Zwar frage er sich wegen des zusätzlichen Aufwands am Ende des Quartals regelmäßig, warum er sich das angetan habe, meint Bode, „aber wenn man sich Geld leiht, geht man auch Verpflichtungen ein.“ Die Finanzierungspartner könnten sich nun darauf verlassen, dass alle drei Monate aktuelle Zahlen auf dem Tisch liegen. Der Erfolg der Bemühungen: „Das Vertrauen der Banken hat schon vieles vereinfacht.“

Kaimann

„Solche managementtauglichen Finanzberichte sehen wir bei Firmen Ihrer Größe nur selten.“ Dieses Lob hört Martin Eilerts, Geschäftsführer Finanzen des Dämm- und Isolierstoffherstellers Kaimann (Umsatz 2011: 84 Mio. Euro; 330 Mitarbiter) immer wieder von seiten seiner Finanzierungspartner, den Banken, den Leasinggesellschaften und den Kreditversicherern. Die erhalten von Eilerts monatlich einen 30-Seiten-Report mit Lagebericht, den wichtigsten Bilanzkennzahlen, der Liquiditätsplanung und einem so genannten Kennzahlen-Cockpit, das den Finanzstatus der Firma per Grafiken auf einen Blick veranschaulicht.

Um derart offen mit internen Zahlen umzugehen war bei Kaimann ein Wandel nötig. „Als ich hier vor fünf Jahren zum Geschäftsführer Finanzen berufen wurde, herrschte eine ausgesprochene Zurückhaltung im Umgang mit Unternehmensinformationen. Das hatte sowohl bei Finanzierungspartnern als auch bei Mitarbeitern zu einer spürbaren Unsicherheit geführt“, sagt Eilerts.

Mit der offenen Finanzkommunikation gelang es, diese Unsicherheiten zu beseitigen. Mit dem Antritt des Gründersohnes Georg Kaimann 2006 als Chef des Unternehmens und dem Eintritt von Eilerts änderte sich die Grundhaltung. Seitdem bekommen die Führungskräfte und die ausländischen Niederlassungen per „Weekly Flash“ regelmässig einen detaillierten Bericht über die Firmenlage. „Manche Mitarbeiter bezeichnen mich gern als Transparenzbeauftragten“, sagt Eilerts. Den Nutzen der Offenheit im Umgang mit den Finanzierungspartnern kann er handfest benennen. Die offene, aktive Kommunikation honorieren die Finanzierungspartner mit reduzierten Zinssätzen.

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