Management Digitale Trends: So könnten wir in Zukunft einkaufen

Die Digitalisierung wird unser Einkaufsverhalten immer stärker beeinflussen. Werden Firmen bald wissen, wann der Zucker im Haushalt ausgeht - und automatisch nachliefern?

Die Digitalisierung wird unser Einkaufsverhalten immer stärker beeinflussen. Werden Firmen bald wissen, wann der Zucker im Haushalt ausgeht - und automatisch nachliefern?© sdecoret - Fotolia.com

Vom Selbstcheck-out im Ladengeschäft bis zum Internet der Dinge: E-Commerce-Experte Holger Schneider hat 5 Thesen aufgestellt, wie wir in Zukunft einkaufen werden.

Ob Flug, Mietwagen, Bücher oder Windeln: Der Online-Einkauf wird für viele Kunden immer selbstverständlicher. Doch die Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen. Die Digitalisierung dürfte das Einkaufsverhalten künftig noch weitaus stärker beeinflussen. Holger Schneider, E-Commerce-Professor an der Fachhochschule Wedel, sagt wohin die Zukunft des Einkaufens gehen könnte.

1. Einkaufen mit dem Zauberstab

„Es wird immer bequemer einzukaufen“, ist Schneider überzeugt. „Und die Kunden werden diese Möglichkeiten auch immer mehr in Anspruch nehmen.“ Zum Beispiel könne man sich schon heute in der Amazon-iPhone-App mit dem Touch-ID-Verfahren einloggen: Man scannt einfach, etwa mit dem Smartphone, seinen Fingerabdruck. Die Eingabe eines Passworts ist dann nicht mehr erforderlich. Zudem würden die Internethändler immer stärker in die Welt des stationären Handels eindringen. Zum Beispiel mit „Amazon Dash“, einer Art Zauberstab. Nimmt man etwa den letzten Joghurt aus dem Kühlschrank, dann scannt man mit dem Zauberstab den Barcode auf der Produktpackung und gibt per Sprachfunktion die Bestellung auf. Am nächsten Tag, so die Idee, steht ein Lieferwagen vor der Tür und bringt Nachschub.

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2. Der „No Click“-Einkauf

Schon jetzt gibt es „One-Click-Lösungen“: Sobald ein Kunde den Wunsch hat, ein Produkt zu kaufen, bekomme er die Möglichkeit mit einem einzigen Click die Bestellung aufzugeben. Das übliche Verschieben von Produkten in den Warenkorb entfällt, Konto- und Adressinformationen werden einmal hinterlegt und dann immer wieder verwendet. Alternativ können Kunden auch per Fingerabdruck oder Sprachbefehl ihre Order bestätigen. „Wenn es einfacher wird einzukaufen, werden die Kunden das auch in Anspruch nehmen“, sagt E-Commerce-Experte Schneider. In fünf bis zehn Jahren könnte es schon „No-Click“ geben – also eine völlig automatisierte Bestellung ohne konkreten Auftrag. Der Händler weiß dann, ob Zahnpasta im Haushalt ausgeht und sorgt frühzeitig dafür, dass der Kunde nachversorgt wird. „Ein bedarfsorientiertes Abo-Modell 2.0 sozusagen.“

3. Konkurrenzkampf der Einzelhändler über Mobiltelefone

Das Einkaufsverhalten könnte künftig viel stärker als heute von Smartphones beeinflusst werden. Einzelhändler können inzwischen gezielt Werbung schalten, um den Smartphone-Benutzer in den eigenen Laden zu lotsen. In Zukunft könnten die Kunden aber auch wieder von der Konkurrenz aus dem Laden herausgelockt werden. Zum Beispiel weil ihnen ein noch günstigeres Angebot zu den gerade ausprobierten Laufschuhen auf das Mobiltelefon geschickt wird, betont der E-Commerce-Experte. Ein Vorteil für die Kunden (denen der Datenschutz nicht so wichtig ist): Über die mit dem Mobiltelefon gesammelten Informationen könne eine zielgruppengenauere Werbung geschaltet werden. „Sie bekommen relevantere Werbung und weniger Spam“, so Schneider. „Wenn sogar der aktuelle Aufenthaltsort bekannt ist, wird es noch spannender.“

4. Identifizierung des Nutzers über alle Einkaufskanäle hinweg

Bei der zunehmenden Verschränkung von Online- und Offline-Vertriebskanälen gibt es laut Schneider eine große Herausforderung: Die muss den Einkäufer identifizieren können, egal, ob er in den nächsten Fahrradladen geht oder im Online-Shop surft. Cookies seien eine Möglichkeit, das Nutzerverhalten zu messen und die Vorlieben zu definieren. Cookies kann der Nutzer jedoch löschen. Kaum wehren kann er sich dagegen gegen das „Digital Fingerprinting“ – die Identifizierung des Internetnutzers und dessen Surfverhalten über seinen Browser. Beliebt sei auch der klassische Kundenlogin, so Schneider. Facebook und Co. könnten unser Verhalten darüber hinaus auch auf anderen Webseiten messen. „Zumindest sofern dort zum Beispiel ein „gefällt mir“ Button eingebunden ist.“

5. Internet der Dinge

Die mobile und permanente Erreichbarkeit gipfelt im Internet der Dinge, mit Smart Watches oder intelligenter Haussteuerung. Das altgediente Beispiel eines „intelligenten Kühlschranks“ sei inzwischen nicht mehr utopisch, so Schneider. „Alle dazu benötigten Technologien existieren bereits.“ Die „Vermessung des Lebens“ mit Sensoren und Apps wie „Runtastic“ werde zukünftig nicht nur für personalisierte Ernährungsvorschläge sorgen – auch Kaufempfehlungen werden sich daraus ableiten lassen. „Eine elektrische Zahnbürste mit Bluetooth-Kopplung ist bereits Realität“, sagt der Professor. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die erhobenen Daten für die Nachbestellung von Zahnbürstenköpfen oder Erinnerungen für Zahnarzt-Termine genutzt werden könnten.

 

 

Holger SchneiderProf. Dr. Holger Schneider (35) ist Leiter der E-Commerce Bachelor- und Master Studiengänge an der FH-Wedel. Zudem ist er Partner der Digitalberatung eTribes und berät Hersteller, Multi-Channel-Händler sowie Online-Pure-Plays in Fragen des digitalen Handels. Zuvor war er Leiter des Business Development New Media der Otto Group.

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