Management Diversity: Warum mehr Vielfalt gut fürs Geschäft ist

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Firmen sollten das Potenzial von Diversity mehr nutzen: Schon ein gemeinsames Essen der Mitarbeiter fördert das Kennenlernen und den Austausch unter den Kollegen.

Firmen sollten das Potenzial von Diversity mehr nutzen: Schon ein gemeinsames Essen der Mitarbeiter fördert das Kennenlernen und den Austausch unter den Kollegen.© kreus/fotolia

Das Potenzial von internationalen Teams bleibt in vielen Firmen ungenutzt, findet Unternehmerin Antje Hinz. Hier gibt die impulse-Bloggerin Tipps fürs multikulturelle Miteinander.

Möchten Sie für Ihre Firma Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen? Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Oder ist Ihr Unternehmen schon heute multikulturell und generationenübergreifend zusammengesetzt? Wie zeigen Sie dies nach außen und sorgen dafür, dass es so bleibt?

Ich habe kürzlich ein Symposium des Goethe-Instituts über „Fachkräftegewinnung aus dem Ausland“ besucht. Die als Redner geladenen Neubürger beklagten einhellig: Deutsche Unternehmen würden Mitarbeiter anderer Nationalitäten zu oft als Problem denn als Chance wahrnehmen. Vorrangig würden ihre Defizite thematisiert, wie zum Beispiel fehlende Sprachkenntnisse.

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Perspektivwechsel als Bereicherung nutzen

Erfahrungsgemäß gleichen aber gerade Fachkräfte solche vorübergehenden „Mängel“ innerhalb kürzester Zeit aus. Und das Spezialwissen von Mitarbeitern anderer Nationalitäten eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, zum Beispiel im Hinblick auf die Markterweiterung.

Der Personalchef eines deutschen Herstellers von Küchenbesteck berichtete beim Symposium über ein gelungenes Beispiel aus seinem Unternehmen. So bat er einen Praktikanten aus China, sich das Sortiment seiner Firma einmal mit „asiatischem Blick“ anzusehen. Begeistert über so viel entgegengebrachtes Vertrauen, verglich der Praktikant hoch motiviert die deutsche Produktpalette mit gängigen Küchenutensilien in China.

Der Vergleich führte zu einer wichtigen Erkenntnis: Die chinesische Küche hat weit mehr Spezialgeräte zu bieten als die deutsche. Dies gab schließlich den Anstoß, das Sortiment zu erweitern und das Design entsprechend anzupassen, um den Markt mit speziellem Koch- und Essbesteck auf China zu erweitern.

Integration nach Feierabend

Diskutiert wurde auch die Frage, warum es Neubürgern schwer fällt, hierzulande heimisch zu werden. Die Gastredner berichteten, dass die Probleme erst nach Feierabend beginnen: kein Austausch mit Deutschen, fehlende Integration. Dabei seien gerade Kontakte in der Freizeit wichtig, um Anschluss zu finden und die Sprache zu erlernen.

Diversity: Handlungstipps für Unternehmen

Was können Sie als Unternehmer tun? Wie können Sie in Ihrer Firma für engere Beziehungen zwischen deutschen und ausländischen Mitarbeitern sorgen? Starten Sie eine Umfrage in Ihrem Unternehmen: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter auf Kärtchen schreiben, wo sie zuletzt Urlaub gemacht haben. Vielleicht hat jemand im Heimatland des neuen Kollegen seine Ferien verbracht.

Bilden Sie aus beiden Mitarbeitern ein Tandem oder Kompetenzteam, das eine kleine gemeinsame Geschichte, ein Erlebnis oder eine Anekdote aus dem Land präsentiert – bei einer Betriebsfeier oder einem bunten Abend. Laden Sie auch Ehepartner oder Kinder ein, denn den mitgereisten Familienmitgliedern fällt der Anschluss besonders am Anfang schwer.

Fremde Kulturen kennen lernen

Falls Sie in einer größeren Stadt leben, bietet sich ein Ausflug ins Völkerkundemuseum an. Ihr neuer Mitarbeiter kann anhand von Museumsobjekten über seine Heimat erzählen. Vielleicht zeigt er auch Fotos seiner Familie oder seines Landes.

Bringen Sie den neuen Kollegen aufrichtiges Interesse entgegen, damit er sich in seiner neuen Umgebung wohlfühlt. Stellen Sie sich vor, wie es Ihnen in einem anderen Land gehen würde. Keiner trennt sich mit leichtem Herzen von seiner Heimat. Empfangen wir jeden mit offenen Armen und sorgen wir dafür, dass er sich willkommen fühlt.

Sich ohne Worte näher kommen

Regen Sie gemeinsame Aktivitäten an, bei denen die Sprache keine vorrangige Rolle spielt. Beim Sport stehen Teamgeist und gemeinsames Erleben im Vordergrund. Wenn Sie eine Betriebsküche haben, lässt sich vielleicht ein gemeinsames Kochen arrangieren. Oder Sie planen einen bunten Abend im Unternehmen, bei dem jeder seine Lieblingsmusik vorstellt. Über ein gemeinsames Thema finden sich rasch Anknüpfungspunkte.

Generationen verbinden

Ähnliche gemeinsame Aktionen bieten sich auch mit Kollegen unterschiedlicher Altersgruppen an. Diversity in den Firmenalltag zu integrieren, heißt nicht nur, verschiedene Kulturen willkommen zu heißen, sondern auch Menschen unterschiedlicher Generationen. Ältere Mitarbeiter bringen neben wertvollen Erfahrungen auch Gelassenheit mit. Sie können während der Ferienzeit einspringen und bei zeitlichen Engpässen Entlastung bieten.

Öffentlichkeit nutzen

„Warum sollte ein hoch qualifizierter Ausländer in ein Land gehen, in dem er sich ständig dafür rechtfertigen muss, dass er hier ist?“, stellte die Sozialforscherin Jutta Allmendinger im Jahr 2010 fest. Damit sich die Situation zum Positiven ändert, bietet der jährliche Diversity-Tag im Juni Gelegenheit, für mehr Vielfalt in der Gesellschaft zu werben. Wer Diversity konsequent umsetzt, für den zahlt sich Vielfalt auch aus! Öffnen Sie sich und Ihr Unternehmen der Stadt! Zeigen Sie an einem Tag der offenen Tür, wie bunt Ihre Firma bereits ist und dass Sie Vielfalt als Bereicherung empfinden.

Künstlerische Interventionen ausprobieren

Wenn Sie sich beim Thema Diversity Hilfe und Unterstützung wünschen, holen Sie sich einen Künstler in Ihr Unternehmen. Im Rahmen einer künstlerischen Intervention kann Vielfalt als unternehmerische Fragestellung in individuellen kreativen Workshops erprobt werden – ob mit einigen wenigen Mitarbeitern oder im ganzen Team, entscheiden Sie. Mit passenden künstlerischen Methoden, Spielarten oder Kunstsparten lässt sich Vielfalt hervorragend erkunden: beim Zeichnen, Filmen, Tanzen, Musikmachen, beim Fotografieren, Bauen und Designen, mit Pantomime und Theaterspiel, mit Klangaufnahmen und Interviews. Haben Sie Mut, Ihren „Weg der Vielfalt“ auf eigene und kreative Weise zu finden.

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