Management „Du musst es einfach tun!“

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Keiner meiner Freunde wäre jemals auf die Idee gekommen, etwas Ähnliches zu wagen, sagt Alisée de Tonnac auf dem 44. St. Gallen Symposium

Keiner meiner Freunde wäre jemals auf die Idee gekommen, etwas Ähnliches zu wagen, sagt Alisée de Tonnac auf dem 44. St. Gallen Symposium© Martin Mischkulnig für impulse

Nach zwei Jahren hielt Alisée de Tonnac es nicht mehr im Konzern aus. Sie kündigte. Ich will etwas Eigenes aufbauen und nicht von einer Rente leben, sagt die Jungunternehmerin. Jetzt kürt sie weltweit die besten Gründer: in Lagos, Baku, Cape Town oder Ho-Chi-Minh-Stadt.

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sich mein Leben mit einem Schlag veränderte. Zwei Jahre lang machte ich Marketing für L’Oréal, von Mailand aus half ich mit, ein Produkt auf dem italienischen Markt einzuführen. Da passierte es, in der Kantine. Die Kollegen – es gab Schnitzel milanese mit Reis – fingen plötzlich an, sich auszurechnen, wie lange sie noch bis zur Rente arbeiten müssten; dabei waren sie gerade einmal Ende 20! Ich konnte es nicht fassen!

Ich will erfolgreich sein, etwas Eigenes aufbauen und nicht von einer Rente leben! Viel zu lange war ich jedem Risiko aus dem Weg gegangen und hatte schmerzhaft erlebt, was es bedeutet, in einem Konzern zu arbeiten: Mitarbeiter lassen die Tage einfach so verstreichen oder spielen politische Spiele. Es herrscht eine große Ineffizienz, und jeder fürchtet, für etwas verantwortlich gemacht zu werden – weshalb bei Mails stets etliche Leute auf cc gesetzt werden. Vor allem aber fehlt die unternehmerische Erkenntnis, dass man einen größeren Wert schaffen muss, als man selbst kostet. Zwei Jahre im Konzern waren genug. Nichts wie raus, dachte ich, das halte ich nicht mehr aus.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Manchmal muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – so erging es mir. Drei Woche nach der Szene in der Kantine lernte ich in Genf Pierre-Alain Masson kennen, einen Unternehmer, der Lust auf ein neues Projekt hatte: Er wollte weltweit die besten Gründer aufspüren, sie in einem internationalen Start-up-Wettbewerb gegeneinander antreten lassen und so ein großes internationales Netzwerk aufbauen. „Kann ich da mitmachen?“, fragte ich spontan, er war einverstanden.

Ich kündigte meine Stelle, obwohl ich Pierre-Alain vorher nicht gekannt hatte und es zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als eine Idee gab. Ich hatte nach Menschen Ausschau gehalten, die so denken wie ich, und war fündig geworden. Bis heute habe ich die Entscheidung nicht bereut. Meine Freunde fanden den Schritt cool, aber kein Einziger von ihnen wäre jemals auf die Idee gekommen, etwas Ähnliches zu wagen. Heimweh hatte ich bei meinen monatelangen Reisen nie. Ich bin in Frankreich geboren, fühle mich aber als Europäerin: Meine gesamte Kindheit verbrachte ich in Singapur, dann lebte ich in Kalifornien, in der Schweiz, studierte und arbeitete schließlich in Mailand.

Mein neues Leben startete ich Anfang 2013 in Genf, wenige Tage, nachdem ich L’Oréal verlassen hatte. Wir besorgten uns zunächst die Tickets für unsere Reise, die uns in zehn Monaten durch 20 Länder führen sollte. Damals stand keineswegs fest, wie genau wir unsere Idee umsetzen würden. Aber uns war klar: Wenn wir auf den perfekten Plan warten, schaffen wir es nie.

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DIE SERIE
Deutschland zählt deutlich weniger Start-ups als andere Länder. Ein Nachteil, denn erfolgreiche Gründer beleben die gesamte Volkswirtschaft. Sie bringen neue Ideen, schaffen Jobs und inspirieren andere, es ihnen gleichzutun. impulse stellt in der Serie “Young Entrepreneurs” junge Unternehmer aus aller Welt vor, die Märkte und Branchen aufmischen.

 

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