Unternehmenskultur Ein Plä­do­yer für den Fehler

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Zitat des französischen Dramatikers Jean Anouilh (1910- 1987)

Zitat des französischen Dramatikers Jean Anouilh (1910- 1987)

Fehler werden in vielen Firmen nach wie vor stigmatisiert. Unternehmerin Vanessa Weber hingegen sagt: Sie können auch Positives bewirken. Warum sie anderen Firmenchefs rät, die Wahrnehmung zu ändern.

30 Dollar nur für Süßigkeiten. „Darfst du das denn wirklich?“, fragte der Kramer den kleinen Richard mit kritischem Blick. „Ja!“, antwortete dieser und nickte eifrig. Aus der Familiensparbüchse hatte der Junge zuvor das Geld stibitzt und wollte es nun in bunte Leckereien investieren. Der Kramer kannte Richard – und seine Eltern: „Na, dann macht es ja nichts, wenn ich kurz deinen Vater anrufe und nachfrage.“ Wenig später erschien der Vater. „Wollen Sie behaupten, dass mein Sohn lügt?“, war das Einzige, was er sagte. Der Vater verließ mit dem Sohn – und den Süßigkeiten – den Laden und verlor kein weiteres Wort über den Vorfall. Der Junge rührte die Sparbüchse nie wieder an.

Richard – Nachname Branson, US-Unternehmer und mehrfacher Milliardär – hat sich dieses Erlebnis so sehr ins Gedächtnis eingebrannt, dass er noch heute, gut 50 Jahre später, davon bei Vorträgen erzählt. Für mich ist es ein Paradebeispiel für den Umgang mit Fehlern, an dem auch ich mir ein Beispiel nehme.

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Früher reagierte ich gegenüber Mitarbeitern aus der Situation heraus emotional: „Wie konnte das passieren?“, „Warum habt Ihr nur?“. Heute weiß ich, dass Fehler etwas Positives sein können und der offene Umgang mit ihnen nicht nur den Prozessen nutzt, sondern der gesamten Unternehmenskultur.

Aber wie schafft man diesen Wandel weg vom Vorwurf, hin zum konstruktiven Miteinander? Meiner Meinung nach dadurch, dass man bewusst etwas daran ändert, wie Fehler in der Firma wahrgenommen werden. Ein Patentrezept dafür habe ich leider nicht, aber ein paar Erfahrungen aus meinem Alltag:

 

MEINE TIPPS FÜR DEN UMGANG MIT FEHLERN

Informationsstand prüfen
Fehler resultieren oftmals aus dem Fehlen von Informationen. Läuft etwas schief, hinterfrage ich, welche Informationen nötig gewesen wären – und gebe sie an meine Mitarbeiter weiter.

Mit gutem Beispiel voran
Kein Unternehmer ist unfehlbar. Auch mir ist schon öfter ein Missgeschick passiert – und ich habe daraus gelernt. Genau das möchte ich meinem Team vermitteln.

Weg vom Perfektionismus
Machen Sie sich frei davon, dass alles nach Strich und Faden laufen muss. Das wird es sowieso nie tun. Überall, wo innovativ an Neuem gearbeitet wird, geht auch mal etwas daneben. Und die Geschichte zeigt, dass aus vermeintlichen Fehlern auch geniale Produkte entstehen können – denken Sie nur an Penicillin, das es heute nur gibt, weil 1928 ein Forscher versehentlich Bakterien in einer Petrischale vergessen hat.

Stellen Sie Ihre Mitarbeiter nicht bloß.
Passiert einem Mitarbeiter ein Fehler, nehme ich ihn in Ruhe beiseite. Gemeinsam besprechen wir dann, was wir in Zukunft besser machen können. Beim Gespräch frage ich nicht nach dem „Warum“ sondern nach dem „Wozu“. Also nicht „Warum hast du das denn falsch gemacht?“, sondern lieber „Wozu können wir den Fehler jetzt verwenden – was lernen wir daraus?“. Dadurch nimmt man Menschen die Angst, Fehlerquellen zu analysieren. Deshalb: Stellen Sie ihre Mitarbeiter niemals vor Publikum bloß.

„Verbesserung“ statt „Fehler“
Wie viele Unternehmen, sind wir auch nach DIN ISO 9001 zertifiziert. In der Norm gibt es die Verpflichtung Fehler zu dokumentieren. Wir nennen in unserer Firma diese Liste nicht mehr „Fehlerliste“, sondern „Verbesserungsliste“. In der Vergangenheit wurde die Liste oft als Pranger angesehen und Fehler wurden verschwiegen. Durch die veränderte Sichtweise werden Mitarbeiter nun motiviert Fehler offen zu legen. Im Nachgang wird alleine oder im Team nach konstruktiven Lösungsansätzen gesucht. Dies ist verbunden mit Belohnungen – und zwar dann, wenn die Verbesserung auch erfolgreich umgesetzt wurde. Denn meist mangelt es nicht an den Ideen, sondern an der Umsetzung.

Keine Fehler doppelt
Einen Fehler zu begehen ist menschlich. Das bedeutet aber nicht, dass man endlos einen „Kuschelkurs“ fahren muss. Haben Sie mit einem Mitarbeiter einen Fehler durchgesprochen, sagen Sie auch, dass Sie erwarten, dass er diesen Fehler kein zweites Mal begeht.

 

Zum Schluss habe ich noch ein Video für Sie, das zeigt, dass es sich lohnt, die Blickrichtung zu ändern. Sehen Sie selbst, wie man durch eine geänderte Wahrnehmung neue und positive Dinge entdeckt. Man kann in dem Video erkennen, dass das Meiste schon vorhanden ist. Man muss den Fokus nur auf die richtigen und wichtigen Punkte lenken.

Ich hoffe, ich konnte Sie etwas inspirieren, und wünsche Ihnen viel Erfolg beim Fehlermachen!

 

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