Management „Es wird sich was bewegen“: Deutsche Firmen in Indien hoffen wieder

Eine Straße in der indischen Hafenstadt Mumbai.

Eine Straße in der indischen Hafenstadt Mumbai.© Laetitia Seybold

Mit großen Versprechen hat Narendra Modi in Indien seinen Wahlsieg eingefahren. Der neue Premier will das Riesenland aus der Lethargie befreien. Viele deutsche Unternehmer sehen in ihm einen wirtschaftsfreundlichen Macher - und hoffen auf neuen Schwung im Geschäft mit dem Subkontinent.

Nach den Parlamentswahlen blicken deutsche Unternehmen in Indien optimistischer in die Zukunft. „Es wird sich was bewegen, davon bin ich überzeugt“, sagt Hubert Lienhard, Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (ASA).

Zuletzt war der Gemütszustand eher schlecht: Die Deutsch-Indische Handelskammer spricht in ihrer Umfrage zum gerade beendeten Wirtschaftsjahr von „schleppendem Umsatzwachstum und rückläufigen Gewinnen“. Zu den größten Problemen für deutsche Firmen, die in Indien aktiv sind, gehören demnach die schleppende Entwicklung der Infrastruktur, die überbordendende Bürokratie sowie die weit verbreitete Korruption.

Anzeige

Der frisch gekürte indische Premierminister Narendra Modi hat nun versprochen, die Inflation einzudämmen, das Wachstum wieder anzukurbeln, die Steuern zu vereinfachen und lange liegengebliebene Reformen anzugehen.

Hoffnung auf mehr Dynamik in der Wirtschaftspolitik

„Modi hat natürlich einen Vorteil: Er fängt tief an“, meint Lienhard, der auch Chef des Maschinenbauers Voith ist. In den vergangenen Jahren war die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens regelrecht in Lethargie versunken. Die Kongresspartei fällte kaum noch Entscheidungen, was das Wachstum abstürzen ließ. Die Regierung unter Manmohan Singh litt darunter, keine eigene Mehrheit zu haben, und auf die Zustimmung der oft eigenwillig agierenden Regionalparteien angewiesen zu sein.

Mit dem politischen Wandel sei nun die Hoffnung auf mehr Dynamik in der Wirtschaftspolitik verbunden, meint die Kammer. Viele Unternehmer sehen in Modi einen wirtschaftsfreundlichen Macher. „Er hat den Bundesstaat Gujarat, den er 13 Jahre lang regierte, wie ein CEO (Vorstandschef) geführt, und war sehr an Investitionen interessiert“, meint etwa Michael Thiemann, Indien-Chef des Stahlherstellers ThyssenKrupp. Er glaubt, dass Modi nun versuchen werde, die Landeswährung Rupie stabil zu halten und das – etwa im Vergleich zu China und südostasiatischen Staaten – schwache produzierende Gewerbe zu fördern.

Auch Sai Koneru, Mitgründer der deutsch-indischen Softwareentwicklungsfirma Inooga Solutions in Hyderabad, ist optimistisch. „Wenn ein Mann daran glaubt, dass ein Wandel eintreten kann, kann er auch tatsächlich geschehen.“ Derzeit fehlten ihm vor allem eine geplante Stadtentwicklung, gute Straßen und eine stabile Stromversorgung. „Zwei bis dreimal am Tag fällt hier der Strom aus, wir haben rund um die Uhr eine Notstromversorgung“, sagt Koneru.

„Modi kann uns Luft zum Atmen geben“

„Doch Veränderungen werden Zeit brauchen, in fünf Jahren ist das nicht zu schaffen“, meint M.A. Gaffar, Geschäftsführer von Weiss Technik in Indien. Bislang werden die Weiss-Anlagen zur Simulation von Umweltsituationen auf dem Subkontinent nur vertrieben, aber nicht hergestellt – und das laut Gaffar bei Zollgebühren von bis zu 46 Prozent. „Aber wenn die Produktion in China ausgelastet ist und die Rahmenbedingungen in Indien stimmen, dann werden wir auch fertigen.“

Modi könne keine Wunder vollbringen, aber Hindernisse beseitigen, sagt Prasad Rao, Geschäftsführer des Industrieventilatoren-Herstellers Reitz in Indien. „Er kann die Geschäfte vereinfachen und uns Luft zum Atmen geben.“ In den vergangenen drei Jahren seien kaum Häuser gebaut worden, deswegen stünden nun Millionen von Bauvorhaben an. „Es stecken so viele Projekte in der Pipeline. Wenn diese nun die benötigten Genehmigungen erhalten, dann bekommen wir in einem halben Jahr Aufträge.“

Außerdem, meint der ASA-Vorsitzende Lienhard, sei es nun sinnvoll, Leuchtturmprojekte wie die Einführung einer Mehrwertsteuer umzusetzen, an der Indien seit Jahrzehnten arbeitet. Auch eine Deregulierung des Bankensektors sei ratsam, damit die Unternehmen erkennen könnten: „Aha, jetzt bewegt sich was.“ Die deutsche Industrie ist laut Lienhard in Indien in allen Bereichen vertreten und gut aufgestellt. „Wir sind bereit, und können sofort loslegen, sobald positive Investitionssignale kommen.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.