Management Europa-Park: Das können Sie von der Inhaberfamilie lernen

Wie erschließt man sich neue Geschäftsfelder? Den Betreibern des Europa-Parks in Rust ist das schon mehrfach gelungen. Erfahren Sie hier, mit welchen Strategien die Unternehmerfamilie Mack erfolgreich ist.

Sich hinterfragen

Optimieren im Auftrag des Kunden um herauszufinden, woran es ihren Gästen fehlt, hinterfragen und beobachten die Macks ihren Betrieb sehr genau. Warum bildet sich an einem Fahrgeschäft an einem bestimmten Tag eine Schlange? Wie lässt sich die Wartezeit verkürzen oder zumindest erträglicher machen? Diese permanenten Qualitätsprüfungen sind es, die den Europa-Park vom Großteil seiner Konkurrenz unterscheiden. Ein Erfolgsfaktor ist auch, dass die Familie im Park wohnt. So fallen kleine Mängel direkt auf, zum Beispiel im Gespräch mit den Parkbesuchern. „Für mich gibt es nichts Inspirierenderes als meinen Gästen zuzuhören“, sagt Gesellschafter Michael Mack.

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Qualität statt Superlativ

Zuverlässigkeit schaffen 82 Prozent aller Gäste des Europa-Parks kommen wieder. Das erhöht den Innovationsdruck, die Kunden wollen Neues erleben. Alle drei bis vier Jahre wird daher eine neue Attraktion eingeweiht. Während viele Freizeitparks dabei dem Grundsatz höher, schneller, weiter folgen, orientieren sich die Macks auch hier an den Wünschen ihrer Kunden. „Als Familienunternehmen richten wir uns vor allem an andere Familien“, sagt Michael Mack. Und die schätzten Qualität, Zuverlässigkeit und Komfort mehr als den nächsten Superlativ. Für die Macks ist der Mix entscheidend: Wurde vor fünf Jahren die Loopingachterbahn „Blue Fire Megacoaster“ gebaut, die vor allem ein jugendliches Publikum ansprechen soll, eröffnete dieses Jahr das Familienfahrgeschäft „Arthur und die Minimoys“, in dem auch Kleinkinder mitfahren dürfen.

Werte bewahren

Zweifel ansprechen Eine Attraktion abgerissen haben die Macks noch nie. Als Wertehüter im Unternehmens gilt Europa-Park-Gründer Roland Mack. „Es gab Abrissvorschläge“, erinnert sich sein Sohn Michael. „Diese Mitarbeiter hatten dann erst mal ein längeres Gespräch mit meinem Vater.“ Auf teure VIP-Tickets, die Gäste an den Schlangen vorbeilassen, verzichtet die Familie, „das passt nicht zu unseren Werten“, sagt Michael Mack. „Bei uns sollen alle Gäste abschalten und sich nicht ärgern.“Alle drei Wochen tauschen sich die vier Gesellschafter über den Unternehmenskurs aus. Die Lebenspartner dürfen mitreden, halten aber keine Anteile am Unternehmen. Alle Besitzansprüche und Wertvorstellungen sind in einer Charta festgehalten, die nur die Familie kennt. Konflikte über diese Grundpfeiler werden im Familienkreis ausführlich diskutiert.

Lokal agieren

In Baden zu Hause Auch wenn die Achterbahn-Produktion andernorts günstiger wäre – „für uns ist es keine Option ins Ausland zu gehen“, versichert Michael Mack. Nur vor Ort habe die Familie die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen im Blick. Für internationale Kunden sei „Made in Waldkirch“ außerdem ein Kaufanreiz. Was nicht zum Kerngeschäft gehört, übernehmen dennoch andere: So kommen die Schaltanlagen in den Achterbahnen etwa von EMIS Electrics, einem Mittelständler. Alle Anfragen, den Namen Europa-Park als Lizenz abzugeben, haben die Macks abgelehnt. Ein zweiter eigener Vergnügungspark sei auch kein Thema. „Derzeit sind wir hier alle vollauf beschäftigt“, sagt Michael Mack. Auch für neue Gesellschafter gebe es durch das Wachstum genug Aufgaben in Rust.

 

impulse-Magazin Oktober 2014Mehr über den Europa-Park und die Entwicklung des Familienunternehmens – vom Kutschenfabrikanten zum Achterbahnhersteller – lesen Sie in der impulse-Ausgabe 11/14.

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