Management Experten fordern lockere Vorschriften für Krankmeldungen

Arbeitnehmer müssen spätestens am vierten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen.

Arbeitnehmer müssen spätestens am vierten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen.© Marco Drux / Fotolia.com

Deutsche gehen durchschnittlich 17 Mal im Jahr zum Arzt, Norweger dagegen nur fünf Mal, haben Forscher herausgefunden. Eine Ursache dafür: die Attestpflicht ab dem vierten Krankheitstag. Mediziner der Universität Magdeburg fordern deshalb eine deutliche Lockerung der Vorschriften.

Mediziner der Universität Magdeburg plädieren dafür, die Regeln für die Krankschreibung von Beschäftigten zu lockern. „Ziel kann es sein, dass Beschäftigte sich für bis zu eine Woche selbst krank melden können“, sagte Wolfram Herrmann, Leiter eines Forscherteams der Hochschule der Zeitung „Welt am Sonntag“. Gemeinsam mit seinen Kollegen untersuchte er drei Jahre lang in einer Vergleichsstudie, wie oft Deutsche und Norweger zum Hausarzt gehen – und warum.

Eines der Ergebnisse: Deutsche gehen im Schnitt 17 Mal im Jahr zum Arzt, die Norweger dagegen nur fünf Mal. Als Ursache dafür sehen die Forscher die Pflicht der Arbeitnehmer, ab dem vierten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorzulegen. Eine Verlängerung dieser Frist würde Hausärzte entlasten, begründete Herrmann den Vorschlag seiner Forschungsgruppe. Sie hätten dann mehr Zeit, sich stärker um die Behandlung von Patienten mit langwierigeren Erkrankungen zu kümmern.

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Arbeitgeber sehen keinen Handlungsbedarf

In Norwegen gebe es sogar schon Projekte mit der Möglichkeit, sich bis zu 365 Tage selbst krank zu melden, sagte Herrmann der „Welt am Sonntag“. „So weit brauchen wir nicht zu gehen, aber in überschaubarem Rahmen von einer Woche Eigenmeldung denke ich: Wir sollten uns in Deutschland trauen, das auch in Pilotprojekten auszuprobieren.“ Weitere Einzelheiten aus der Studie wollen die Forscher an diesem Dienstag präsentieren.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn zeigte sich aufgeschlossen: „In Deutschland ist die Zahl der durchschnittlichen Arztbesuche auch deswegen so hoch, weil Patienten nur für Rezepte, Verlaufskontrollen oder auch Kurzzeitkrankschreibungen immer zum Arzt müssen“, sagte er der Zeitung. Arbeitgeber sehen dagegen keinen Handlungsbedarf. „Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt“, erklärte der Arbeitgeberverband BDA.

3 Kommentare
  • Hans Schüßler 18. Februar 2015 09:01

    Da lachen ja die Hühner,

    die Leute haben noch nie den Büroalltag erlebt.
    Wie weise ich den der Krankenkasse oder dem Arbeitsamt nach,
    dass der Mitarbeiter nicht gekommen ist.
    Da wird doch sofort wieder vermutet das der Arbeitgeber trickst,
    um an die entsprechenden Ersatzleistungen zu kommen.
    Frage ist nicht die Bürokratie,
    Frage ist das Misstrauen gegen über dem Arbeitgeber
    und somit auch gegenüber dem Mitarbeiter, ob alle Angaben stimmen.

    Hauptsache ein Zettel liegt auf dem Tisch!

    Hans Schüßler
    CEO HADI GmbH

  • NameA.Zoll 17. Februar 2015 08:17

    Bitte dann auch die Rahmenbedingungen in gleicher Weise und Höhe anpassen, bin gespannt ob die Begeisterung noch da ist.

  • Dr. Böhm 16. Februar 2015 13:52

    Einfach die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall streichen, dann hat sich das erledigt. Ein paar wirklich kranke hätten Pech, die große Masse der Betrüger würde nicht mehr subventioniert.

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