Management Extremist auf der Gehaltsliste? So wappnen sich Firmen gegen Terrorismus

Das Cyberabwehrzentrum von Hewlett Packard in Böblingen: Auch Unternehmen wappnen sich gegen Extremisten.

Das Cyberabwehrzentrum von Hewlett Packard in Böblingen: Auch Unternehmen wappnen sich gegen Extremisten.© dpa

Sitzt am Schreibtisch gegenüber ein Terrorist? So etwas können sich wohl die wenigsten Arbeitnehmer vorstellen. Zur Terrorbekämpfung schauen einige Unternehmen inzwischen aber ganz genau hin - nicht erst seit den Anschlägen in Paris.

Die blutigen Anschläge in Paris rücken es in den Fokus: das Thema Sicherheit. Im Kampf gegen den Terror treffen allerdings nicht nur Behörden oder Städte Vorkehrungen, um sich selbst und andere zu schützen. Auch Unternehmen wappnen sich gegen Extremisten – und nehmen die eigenen Mitarbeiter unter die Lupe.

Ein Beispiel ist der Autobauer Daimler, der kürzlich eigens eine Betriebsvereinbarung zur Terrorbekämpfung abschloss. Dabei geht es darum, wie und in welchem Umfang die Schwaben die Daten ihrer Mitarbeiter mit Anti-Terror-Listen der EU und der USA abgleichen. Der „Spiegel“ hatte berichtet, dass der Dax-Konzern jeden seiner 280.000 Beschäftigten künftig alle drei Monate durchleuchtet und dazu Name, Adresse und Geburtsdatum kontrolliert.

Anzeige

Eine entsprechende Betriebsvereinbarung hat auch Ford, wie der Autobauer der „Automobilwoche“ bestätigte. Die Belegschaft wird demnach einmal jährlich einem Terror-Check unterzogen, auch Neueinsteiger werden bei dem Datenabgleich überprüft.

Unternehmen können sich strafbar machen

Um einen Generalverdacht aus Terror-Angst handle es sich beim Vorgehen der Unternehmen aber mitnichten, betont Daimler. „Die EU sowie die USA haben zwingende Gesetze zur Terrorismusbekämpfung sowie entsprechende Sanktionslisten erlassen“, erklärt der Dax-Konzern. Der Abgleich der Namenslisten diene dazu, internationalen Regelungen Rechnung zu tragen.

Zentrale Verordnungen der EU stammen bereits aus den Jahren 2001 und 2002. Darin geht es vor allem darum, die Finanzierung terroristischer Aktivitäten zu verhindern. Sprich: Unternehmen, die Terroristen auf dem Gehaltszettel stehen haben – egal ob wissentlich oder nicht – können sich strafbar machen.

Genau das wollen Daimler & Co mit ihrem Mitarbeiter-Check verhindern. Für nötig halten den jedoch nicht alle Unternehmen: „Die Notwendigkeit sehen wir nicht“, sagt ein BMW-Sprecher. „Wir bezahlen alle Mitarbeiter per Banküberweisung.“ Die Banken seien ohnehin verpflichtet, den Kontoinhaber zu überprüfen.

Was Datenschützer kritisch sehen

Datenschützer sehen die Kontrollen durchaus zwiespältig. „Die Umsetzung der Verpflichtung geschieht sehr unterschiedlich“, sagt der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Jörg Klingbeil. Kritisch sieht er vor allem den Abgleich mit entsprechenden US-Listen. Hierbei sei es für Mitarbeiter im ungerechtfertigten Verdachtsfall wesentlich schwieriger zu prüfen, wie der eigene Name auf die Liste gelangt sei.

Beim Technikkonzern Bosch gibt man sich bei dem Thema zurückhaltend. Ein Sprecher betont lediglich, dass man sich bei der Terrorbekämpfung an geltendes Recht halte. Der Softwarekonzern SAP gibt wie BMW an, derzeit keine Namenslisten abzugleichen. Das nötige Programm, mit dem andere Unternehmen das tun können, hat SAP aber entwickelt.

Und was sagen die Arbeitnehmer? Beim Betriebsrat von Daimler sieht man die neue Vereinbarung positiv. Sie diene auch dazu, ungerechtfertigte Verdächtigungen etwa durch Namensgleichheit auszuschließen, erklärt eine Sprecherin der Arbeitnehmervertreter.

Daimler-Betriebsrat sieht Vereinbarung positiv

Auch von Datenschützern kommt Rückendeckung: „Man muss lobend erwähnen, dass Daimler diese Betriebsvereinbarung geschlossen hat“, räumt Klingbeil ein. „Es gibt auch Unternehmen, die machen das ohne.“

Gewerkschafter appellierten indes an Firmen, nach den Terroranschlägen in Paris keine Kluft zwischen Mitarbeitern unterschiedlicher Herkunft oder Religion entstehen zu lassen. „Wir sind alle Kolleginnen und Kollegen, überall“, erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB. „Wenn es den Mördern gelingt, uns zu spalten, haben sie gesiegt.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.