Management Fit für die Zukunft: So bleibt das Unternehmen in der Familie

Fördern und fordern: Seinen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, kann dazu beitragen, die Zukunft des Familienunternehmens zu sichern.

Fördern und fordern: Seinen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, kann dazu beitragen, die Zukunft des Familienunternehmens zu sichern.© WavebreakMediaMicro / Fotolia.com

Wie macht man seine Kinder fit, in der Zukunft das Familienunternehmen zu leiten? Mit welchen Erziehungsprinzipien Sie Ihre Kinder motivieren und befähigen, die Nachfolge in der Firma anzutreten.

Viele Untersuchungen zeigen: Die Mehrheit der Familienoberhäupter, vor allem der Gründer-Generation, möchte ihr Unternehmen unbedingt an ihren Nachwuchs weitergeben. Im Folgenden ist beschrieben, wie ein Familienoberhaupt den Nachwuchs an die eigene Firma heranführen kann. Die exemplarisch auf Väter gemünzten Bemerkungen und Einschätzungen gelten selbstverständlich auch für weibliche Familienoberhäupter, auch wenn dies im Text nicht eigens hervorgehoben wird.

 

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Nehmen Sie sich Zeit für die Familie

Hier geht es nicht nur um gemeinsame Urlaubsreisen, Weihnachts- und Osterferien oder regelmäßige Wochenendausflüge. Nehmen Sie möglichst oft die täglichen Mahlzeiten gemeinsam ein – und zwar nicht nur, wenn die Kinder klein sind. Zusammen zu essen steht nicht zwangsläufig im Widerspruch zu den Arbeitszeiten: Nach dem gemeinsamen Mittag- oder Abendessen kann der Vater ja wieder zurück ins Büro gehen oder sich zu Hause in seine Akten stürzen.

Bei gemeinsamen Mahlzeiten kann man in kurzer Zeit viel über das Alltagsleben der anderen Familienmitglieder erfahren. Wie war es in der Schule? Wie kann man den Satz des Pythagoras beweisen? Hat die Jüngste Liebeskummer? Gleichzeitig bietet sich dem Vater die einmalige Möglichkeit, schon früh die Begeisterung für das eigene Unternehmen zu wecken – quasi ein Trainee-Programm am Familientisch!

 

Zeigen Sie Interesse

Wie hoch ist Ihre Umsatzrendite? Ihr Marktanteil im In- und Ausland? Welche Hobbys hat Ihre Tochter? Welches Buch liest Ihr Sohn gerade? Liest er überhaupt? Wenn Sie für Fragen 3 bis 5 mehr Zeit brauchen als für die ersten beiden oder, schlimmer noch, sie zum Teil gar nicht beantworten können – dann sollten Sie ihren Erziehungsstil ändern. Wer eines seiner Kinder als potenziellen Nachfolger aufbauen will, sollte seine Kinder und deren Umfeld mindestens so gut kennen wie das Unternehmen.

Kinder finden den Beruf des Vaters nur spannend, wenn dieser am ihrem Schicksal Anteil nimmt. Gehen Sie zu Elternabenden und Schulfesten. Zeigen Sie nicht nur Interesse, sondern teilen Sie auch Interessen. Mein Vater hat die eine oder andere Flaute bei Segeltörns dazu genutzt, uns klassische Zitate, aber auch Rechtsgrundsätze beizubringen. In der Oberstufe, erst recht im späteren Jurastudium hatte ich deswegen öfter „Aha-Effekte“.

 

Haben Sie ein gutes Gedächtnis

Für eine intensive und lebendige Vater-Kind-Beziehung ist es nicht förderlich, wenn Sie sich noch genau daran erinnern können, dass Ihre Tochter an Weihnachten vor sechs Jahren partout nicht „Oh du fröhliche“ mitsingen wollte – weswegen die Bescherung um einen Tag verschoben wurde.

Umso schöner ist es aber, mit den Kindern in deren (angenehmen) Kindheitserinnerungen zu schwelgen, alte Familienfilme anzusehen oder in Fotoalben zu blättern. So zeigen Sie Empathie und emotionale Zugewandtheit – und das wirkt auch in die umgekehrte Richtung.

 

Seien Sie den Kindern ein Vorbild

Kinder schauen sich von ihren Eltern auch schlechte Angewohnheiten ab. Das gilt nicht nur für Tischmanieren! Wenn Sie also ein bescheidenes, dankbares und wohlerzogenes Kind haben möchten, müssen Sie diese Werte selbst vorleben. Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind sparsam und sorgsam mit Geld umgeht, müssen Sie ihm klar machen, dass auch ein halber Euro wertvoll ist und es sich daher lohnt, von einem verschriebenen Umschlag die Briefmarke abzulösen.

Gerade starke Familienoberhäupter sollten ihren Kindern aber auch den nötigen Freiraum zur Selbstverwirklichung gewähren, ohne gleich mit der moralischen Keule zuzuschlagen. Die „next generation“ ist garantiert anders – aber ist sie deswegen schlechter? Und wurde diese Diskussion nicht in jeder Generation aufs Neue geführt?

 

 Fördern Sie, aber fordern Sie auch

Ein wichtiges Ziel ist es, ein Kind zum Durchhalten zu erziehen: Was man angefangen hat, sollte man auch zu Ende bringen! Das gilt für den Instrumentalunterricht ebenso wie für eine neue Sportart, eine Fremdsprache oder ein berufliches Praktikum.

Andererseits muss man auch bereit sein, offenkundige Fehlentscheidungen rechtzeitig zu korrigieren. Ein weises Familienoberhaupt sollte daher die (vorhandenen, nicht die unterbewusst erhofften!) Begabungen des Nachwuchses erkennen und fördern. Unterstützen Sie Freizeitaktivitäten, helfen Sie bei den Hausaufgaben, akzeptieren Sie aber auch, wenn Kinder sich für unorthodoxe Hobbys interessieren. Jede Begabung sollte gefördert werden!

Zum Fördern und Fordern gehört auch, seinem Kind früh Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und am eigenen Unternehmen zu vermitteln. Es gilt unter Heranwachsenden eher als „uncool“, sich Gedanken zu machen, woher der Wohlstand in der Familie kommt. Der Anreiz hierfür muss also vom Familienoberhaupt kommen.

 

Kämpfen Sie und zeigen Sie Zivilcourage

Kinder haben einen natürlichen Instinkt für „gut“ und „böse“ – verstoßen sie gegen Regeln, haben sie durchaus ein schlechtes Gewissen. Umso wichtiger ist es, gerade dann den Kindern zur Seite zu stehen, wenn einmal etwas daneben gegangen ist.

Dieses Zusammenstehen schafft Loyalität und tiefes Vertrauen. Und eben dieser unbedingte Zusammenhalt in der Familie in guten wie in schlechten Zeiten zeichnet vorbildliche Familienunternehmen aus.

Aber auch Zivilcourage zu zeigen, ist sehr wichtig. Insbesondere müssen Kinder angeleitet werden, sich für Schwächere oder (echte oder vermeintliche) Außenseiter einzusetzen und nicht den bequemsten Weg zu gehen. Mein Vater hat sich immer gegen Ungerechtigkeiten aufgelehnt. Als Kind war mir das gelegentlich ein wenig peinlich, heute bin ich sehr stolz darauf!

 

Lernen Sie loslassen

Sie haben alle sechs Grundregeln beherzigt? Haben stundenlang vorgelesen, sich mit dem Liebeskummer Ihrer Kinder auseinandergesetzt, Vokabeln abgefragt, Schul- und Studienarbeiten korrigiert, sich mit wechselnden Lebenspartnern arrangiert, haben Ihr Kind Zivilcourage gelehrt und ihm auch in der Not beigestanden – und jetzt will der bestens ausgebildete Nachfolger nicht Ihre Nachfolge antreten?

Trösten Sie sich: Vergebens war trotzdem nichts. Eine stabile, noch dazu gesunde Familie ist ein unbezahlbares Gut. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja eine fähige Schwiegertochter, einen talentierten Schwiegersohn oder einen tüchtigen Enkel.

Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass Sie auch einmal „loslassen“ können. Vermitteln Sie dem Filius oder der Tochter das Gefühl, sie müssten die Nachfolge nicht um jeden Preis antreten. Wer Freiheit gewährt und beispielsweise auf seine Enkel setzt, wird vielleicht am Ende doch noch von einem spätberufenen Heimkehrer überrascht.

Übrigens: Mein Vater hat bei mir und meinen vier jüngeren Geschwistern alles richtig gemacht! Dennoch bin ich nicht, wie es sein Herzenswunsch gewesen wäre, nach abgeschlossenem Jurastudium als Anwältin in seine Kanzlei gegangen, sondern mit meinem Mann in die Schweiz gezogen und Kinderärztin geworden. So ist eben das Leben!

 

Der vorliegende Artikel ist die gekürzte Fassung eines Textes, der 2014 in der Festschrift für Mark Binz zum 65. Geburtstag im Verlag C.H.Beck erschienen ist (Dauner-Lieb, Freudenberg, Werner [Hrsg.]: Familienunternehmen im Fokus von Wirtschaft und Wissenschaft). Binz‘ Tochter Rebecca Ramona Binz-Stichter schreibt über Erziehungsprinzipien, die Kinder einerseits motivieren, andererseits befähigen, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten. Inspiriert wurde sie von einem Artikel ihres Vaters mit dem Titel „Die sieben Todsünden der Unternehmensnachfolge“. Darin setzte sich der Anwalt unter anderem mit Fehlern patriarchalisch denkender Familienunternehmer auseinander, wenn es darum geht, ob und welches ihrer Kinder in ihre Fußstapfen treten soll.

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