Management Firmennachfolge: Das schwere Erbe

Ein Problem bei der Firmennachfolge: Ab der dritten Generation lässt die Verbundenheit zum Familienbetrieb oft nach.

Ein Problem bei der Firmennachfolge: Ab der dritten Generation lässt die Verbundenheit zum Familienbetrieb oft nach.© dpa

Für die Firmennachfolge sind die nächsten Angehörigen sind nicht zwangsläufig die beste Lösung. Wichtig ist, die Modalitäten der Nachfolge klar zu definieren.

Die Firma vom Vater übernehmen? Für Markus Tress lange Zeit unvorstellbar. „Jeden Mittag, samstags, sonntags immer die Probleme“, sagt der heute 44-Jährige. „Ich wollte mein eigenes Ding machen.“ Der studierte Wirtschaftsingenieur heuerte bei Heidelberger Druckmaschinen an, arbeitete sich hoch – und folgte dann doch dem Ruf des Vaters. Seit 2012 ist er Geschäftsführender und Gesellschafter des schwäbischen Nudelherstellers, der den Familiennamen trägt.

Die Art und Weise, wie Tress in die Firma mit Sitz in Münsingen einstieg, ist eher ungewöhnlich. Er übernahm ein Gesellschafterdarlehen und kaufte seinen Vater aus dem Unternehmen heraus. Meist werden Firmen innerhalb der Familie vererbt oder verschenkt. Dadurch müssen die Angehörigen sich nicht – wie Markus Tress – verschulden, um die Nachfolge anzutreten. Außerdem hat es bislang Vorteile vor dem Fiskus: Werden Arbeitsplätze erhalten, können die Erben von der Steuer befreit werden.

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Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht

Wie das in Zukunft geregelt sein wird, ist Inhalt eines Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Von Dienstag an wird geklärt, ob Betriebsvermögen weiterhin von der Erbschaftssteuer verschont bleiben.

Etwa 135.000 Firmen stehen nach Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn bis 2018 zur Übergabe an – gut zwei Millionen Arbeitsplätze sind damit verbunden. Die Anzahl der Interessierten werde – rein rechnerisch – die Anzahl der übernahmewürdigen Unternehmen zwar größtenteils noch übersteigen. Das Nachfolgerpotenzial schrumpfe aber, heißt es in der Untersuchung.

Firmennachfolger Markus Tress

Firmennachfolger Markus Tress© dpa

Seit der Bundesfinanzhof (BFH) das geltende Erbschaftsteuerrecht 2012 als verfassungswidrig beanstandete, werden die Firmen teilweise panikartig und nicht gut durchdacht weitergegeben, stellt Peer-Robin Paulus vom Verband der Familienunternehmer fest. Die Sorge: Fällt der Steuervorteil weg, muss der Nachfolger unter Umständen sogar Teile der Firma verkaufen, um die Forderungen des Finanzamtes zu begleichen. Denn die Steuer würde auch auf Betriebsvermögen wie Maschinen oder Gebäude fällig.

Einfluss auf das Rating

„Man sucht in der Situation nach Lösungen – zum Beispiel, dass die Substanz schon auf den potenziellen Nachfolger übergeht, Erträge und Führung aber beim Senior bleiben“, erläutert der Stuttgarter Rechtsanwalt Heinrich Hübner, der Firmen bei Übergaben berät.

Der Druck wächst auch von anderer Seite – Ratings spielten inzwischen eine große Rolle, sagt Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, die Firmen bei der Nachfolgeregelung finanziell unter die Arme greift. „Das geht soweit, dass Firmen keine Finanzierung mehr bekommen, weil sie ihre Nachfolge noch nicht geregelt haben.“ Hinzu komme das mangelnde Interesse der jüngeren Generation, die sieht, wie sich Eltern oder Großeltern aufreiben: „Die Work-Life-Balance steht im Vordergrund.“

Im Falle der Firma Tress sollte ursprünglich Markus Tress‘ Bruder die Nachfolge des Vaters antreten. Während Markus Tress Karriere außerhalb der Firma machte, arbeitete sein Bruder jahrelang für den Nudelproduzenten, bis er sich entschied auszusteigen. Zu groß war die Dominanz des Vater, der alle Prozesse auf sich konzentriert hatte.

Ab der dritten Generation sinkt die Verbundenheit

Als Markus Tress um Hilfe gebeten wurde, war ihm klar, dass er nicht lange neben seinem Vater arbeiten wollte: Ursprünglich war nur ein Jahr geplant – daraus wurden acht Jahre, am Ende stand der Kauf der Firma, ein klarer Schnitt. Auch wenn der finanzielle Nachteile mit sich bringt: „Für die Mitarbeiter ist diese Lösung das im Endeffekt beste Signal“, sagt Tress.

„In der zweiten Generation ist es noch wahrscheinlicher, dass ein Nachfolger aus der Familie kommt“, ist die Erfahrung von Thomas Rinn, Partner der der Strategieberatung Roland Berger. Später lasse oft die Verbundenheit nach. „Die Wahrscheinlichkeit, extern einen passenderen Geschäftsführer zu finden, ist hoch.“ Eine Mischung aus Familienmitgliedern und Fremdmanagern ist einer Untersuchung von Roland Berger zufolge am erfolgversprechendsten.

Beim Nudelhersteller Tress wäre das nach Einschätzung von Markus Tress nicht möglich gewesen. Zu fest war das Unternehmen in der Hand seines Vaters. „Mein Vater hat das Unternehmen geführt, indem er alle Prozesse auf sich vereinigt hat“, sagt Markus Tress. Er will das Unternehmen aber ohnehin erst einmal nicht abgeben: „Mein Ziel ist es, die Familientradition zu erhalten.“

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