Management Flexible Arbeitszeit: So heben Sie die Leistung Ihres Teams

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Arbeiten nach der Stechuhr? Mit flexiblen Modellen können Chefs die Motivation der Mitarbeiter steigern.

Arbeiten nach der Stechuhr? Mit flexiblen Modellen können Chefs die Motivation der Mitarbeiter steigern.© dpa/impulse

Überstunden und Frust im Team? Oft liegt das nicht an vollen Auftragsbüchern - sondern an starren Arbeitszeiten. Mit weniger Kontrolle können Unternehmer bei ihren Mitarbeitern mehr Leistung erzielen. Und zugleich für junge Fachkräfte attraktiver werden.

lke Grauels Arbeitsplatz hinter der Wurst- und Fleischtheke ist zehn Meter lang und zwei Meter breit. Die Frau im weißen Kittel beugt sich vor, spießt Schnitzel auf die Gabel, geht vier Schritte nach rechts zum Aufschnitt, dann ­wieder zwei zurück zur Schneidemaschine. Schließlich ein Abstecher zum Fleisch. Bis zum Feierabend wird Grauel einige Kilometer gelaufen sein.

Sieben Stunden an der Theke hat sie schon hinter sich, zwei liegen noch vor ihr. Andere würden den Feierabend herbeisehnen. Aber die 45-jährige Fleischereifachverkäuferin s­agt: „Die Neun-Stunden-Schicht ist mein Happy Day.“

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Vier Stunden Mittagspause

Die blonde Frau macht es wie die Italiener. Sie teilt sich den Arbeitstag auf: vier Stunden morgens, fünf Stunden nachmittags – und dazwischen vier Stunden Mittagspause. Ihr Arbeitgeber aber ist typisch deutsch: Der Edeka-Markt des Ehepaars Manfred und Elke Habig im hessischen Steinau ist durchgehend von
7 bis 20 Uhr geöffnet. Dass Grauel trotzdem vier Stunden Mittagspause machen kann, verdankt sie dem neuen Arbeitszeitmodell.

Die Familie Habig hat im vergangenen Jahr die starren Früh- und Spätschichten in ihren drei Filialen im Main-Kinzig-Kreis mit je 30 Mitarbeitern abgeschafft. Die Verkäufer haben heute mehr Auswahl. Es gibt elf verschiedene Schichten mit vier bis neun Stunden. Einzige Bedingung: Es müssen genug Mitarbeiter im Laden sein, und sie müssen auf ihre Stunden kommen. Grauel arbeitet 30 pro Woche. Sie nimmt gern die zweigeteilte Schicht, die ihr Chef „Happy Day“ nennt.

Kleinbetriebe: wenig Freiraum und viele Überstunden

Beschäftigte, die sich Anfang, Ende und ­Länge ihres Arbeitstags aussuchen können, sind eine Minderheit in der deutschen Wirtschaft. Für etwa zwei Drittel gelten fest vorgegebene Zeiten. Einer vom Arbeitsministerium geförderten Studie zufolge sind es ausgerechnet die Kleinbetriebe mit unter 50 Beschäftigten, die ihren Mitarbeitern am wenigsten Freiraum lassen.

Happy Day: So nennt sich das Arbeitszeitmodell, das Edeka-Supermarkt-Inhaber Manfred Habig gemeinsam mit seiner Angestellten Elke Grauel ersonnen hat.

Happy Day: So nennt sich das Arbeitszeitmodell, das Edeka-Supermarkt-Inhaber Manfred Habig gemeinsam mit seiner Angestellten Elke Grauel ersonnen hat. © Vanja Vukovic© Vanja Vukovic

Und das ist nicht der einzige Spitzenplatz: Auch bei den Über­stunden liegt der kleine Mittelstand unangefochten vorn. „Neun von zehn ­Betrieben, in denen Überstunden ­gefahren werden, haben bis zu 49 ­Mitarbeiter“, heißt es in der Studie. Das Fazit der Forscher: „Überstunden­arbeit findet überwiegend in kleinen Betrieben statt.“

Oft ist das gar nicht mal böse Absicht. Viele Unternehmer wissen einfach nicht, wie sie die festgefahrenen Strukturen aufbrechen sollen. „Eigentlich gehen kleine Firmen sehr sorgsam mit ihren Mitarbeitern um“, sagt Arbeitszeitexpertin Simone Back vom RKW Hessen, einer Wirtschaftsförderung für kleine und mittelständische Betriebe. Ihnen fehle aber das nötige Wissen für eine gute Lösung jenseits der Stechuhr.

Überstunden kosten Motivation

Dabei wäre es die Mühe in jedem Fall wert. Überstunden kosten Geld, und ein Motivationsfresser sind sie obendrein. Mit kaum ­etwas lässt sich die Stimmung im Team so einfach heben wie mit flexiblen Arbeitszeiten. Es hilft schon, Angestellte zehn Minuten später anfangen zu lassen, wenn es mit dem Busfahrplan besser passt. Kleine Betriebe sollten das Experimentieren mit Funktionsarbeitszeit, Homeoffice oder Jahresarbeitszeitkonten keineswegs den Konzernen überlassen. Wer auf dem Land um Fachkräfte buhlt, kann sich mit familienfreundlichen Arbeitszeiten entscheidend von der Konkurrenz absetzen.

Doch wer den Wandel will, braucht als Allererstes: Geduld. Bis zu einem halben Jahr benötigen Unternehmer, wenn sie ihr Team auf flexible Arbeitszeitmodelle umstellen wollen. Es muss an vier Stellschrauben gedreht werden: Wann, wie viel und wo soll gearbeitet werden? Und auf welchen Zeitraum ist die Arbeit zu verteilen?

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impulse 7/2014Den gesamten Beitrag und eine Bauanleitung für ein Arbeitszeitmodell lesen Sie im impulse-Magazin 07/14

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