Management Fünf neue Geschäftsideen: Diese Start-ups haben Potenzial

Mit der Raumbrille von der Firma ImmerSight können Bauprojekte noch während der Planung virtuell betreten werden.

Mit der Raumbrille von der Firma ImmerSight können Bauprojekte noch während der Planung virtuell betreten werden. © ImmerSight

Ein Onlinedolmetscher, eine Wein-App und ein kluges System, das für Ärzte Spritzen bestellt: Diese fünf jungen Geschäftsideen sollten Sie kennen.

1. Bestellsystem für Arztpraxen
Sind genug Spritzen da? Ist das Medikament noch haltbar? Arztpraxen haben es schwer, ihre Materialien im Blick zu behalten – und rechtzeitig nachzubestellen. „Es gibt Systeme, die dabei helfen, aber keines ist für den Praxisalltag geeignet“, sagt Zahnarzt Simon Prieß. Gemeinsam mit Angelo Cardinale hat er 2012 ein Onlinewarenwirtschaftssystem entwickelt. Die „Wawibox“ besteht aus einem Datenkonto inklusive App zum Scannen der Produkte. Die Praxis zahlt monatlich 20 Euro und kann einen Etikettendrucker oder passende Smartphones für 299 Euro zukaufen. Per Lieferschein-Scan werden bestellte Produkte, Haltbarkeitsdatum und Charge in einer Cloud verbucht und auf ein Etikett gedruckt. Entnimmt man dem Lager etwas,reicht ein Scan des Etiketts – und der Bestand ist aktualisiert. Das System verwaltet nicht nur, sondern vergleicht auch Preise. „Über Provisionen verdienen wir derzeit am meisten“, erklärt Prieß. Die Zahnärzte können ihre Händler aber auch selbst ins System einpflegen, wenn diese keine Wawibox-Vertragspartner sind. Etwa 30 Kunden nutzen bisher das Produkt. Die Gründer scheuen sich noch, teure Werbung in Fachtiteln zu schalten. Ihr Heidelberger Start-up Caprimed siegte beim Elevator Pitch der Rhein-Neckar Technology Ventures.

2. Virtuelle Raumbrille
Sie planen ein neues Badezimmer, können sich aber noch nicht vorstellen, wie es aussehen könnte – und zögern deshalb, einen Experten zu engagieren? Dafür hat der Ulmer Elektrotechniker Fabian Weiss mit seinem ehemaligen Kommilitonen Simon Singler eine Raumbrille gebaut, die eine Umgebung virtuell begehbar macht, bevor diese existiert. Einrichtungsfachbetriebe oder Innenarchitekten können das Gerät zur Präsentation ihrer Raumplanung ebenso nutzen wie die Industrie – etwa beim Bau von Kraftwerken. Mit eingebauten Sensoren erfasst die dazugehörige Deckenkamera jede Bewegung und speist sie in den PC. Der eigens entwickelte Algorithmus verändert das Bild in Echtzeit, während der Nutzer umherläuft, sich dreht und bückt. So entsteht ein realistisches Raumgefühl. Auf der Cebit 2012 erhielt der Prototyp große Resonanz, daraufhin gründeten die Studienfreunde ihr Start-up Immersight. Für die Entwicklung an der Uni zahlten sie nichts. Bis Mitte 2014 verkaufte die zehnköpfige Firma bereits fünf Raumbrillen zu je 24 000 Euro. Bis Ende 2015 sollen es 30 sein.

3. Garderobe für Fahrräder
Typisch für Großveranstaltungen: Wild parkende Fahrräder, die Fluchtwege versperren, und kein Platz, sie sicher anzuschließen. Helen Schepers und Michael Kellenbenz, beide häufige Konzertbesucher und Radfahrer, kamen 2012 mit der „Fahrradgarderobe“ auf eine simple Idee: Die Räder werden wie bei einem Triathlon an einem Leichtmetallrohr fixiert, der Besucher erhält dafür eine Marke. Der Drahtesel wird nicht nur bewacht, sondern sogar versichert. „Den Preis für unseren Service zahlt in der Regel der Veranstalter“, erklärt Kellenbenz. „Falls nicht, kostet der Dienst maximal 2 Euro.“ Bis zu 500 Räder haben am Gerüst Platz, das zum Beispiel schon auf dem Hurricane Festival in Niedersachsen und dem Harburger Hafenfest montiert wurde. Ab Sommer sollen es mehr werden – Festivals und Stellplätze. Geld verdienen will das Hamburger Start-up KonzertKultour auch mit der Vermietung von Werbeflächen an den Bauzäunen, die den mobilen Fahrradparkplatz begrenzen. Die Idee brachte 2014 den Deutschen Fahrradpreis und ein Stipendium des Social Impact Labs.

4. Tragbarer Dolmetscher
Während ihres Studiums der Gehörlosenpädagogik überlegte Michaela Nachtrab, wie man Gehörlosen helfen kann, gesprochene Sprache zu verstehen – und das überall. Sie brachte 2011 VerbaVoice auf den Markt: eine Dolmetscherplattform, die via Smartphone oder Laptop erreicht werden kann. Hier kann das gesprochene Wort sowohl auf Deutsch als auch Englisch mithilfe online zugeschalteter Dolmetscher live verschriftlicht oder in Gebärdensprache kommuniziert werden. Der Sprechende braucht dazu nur ein drahtloses Mikro, verbunden mit dem Endgerät. Neben Veranstaltungen ist auch die direkte Kommunikation im (Berufs-)Alltag über Bildtelefone möglich, die von Verba-Voice mit der Technik ausgestattet werden. Die Kosten für diesen Dienst übernehmen Integrationsämter. Mittlerweile beschäftigt der KfWGründerchampion 2014 neben den freiberuflichen Dolmetschern über 40 Mitarbeiter.

5. Eine App als Weinkenner
Wer gern Wein trinkt, aber kein Kenner ist, steht im Supermarkt oft ratlos vor den Regalen. Anders mit der Winemeister-App: vor Ort den Barcode auf der Flasche scannen, und es ploppen Empfehlungen passend zu Geschmack, Anlass oder Gericht auf. Dafür haben drei Sommeliers mehr als 2000 Weinsorten aus rund 20 Supermärkten in Deutschland getestet. Hinzu kommen Tausende Verbraucherbewertungen – die kostenlose App wurde über 75 000-mal heruntergeladen. „Andere Plattformen empfehlen häufig Weine, die es nicht vor Ort gibt“, erklärt Mitgründer Jan Eike Thole. Für 60 bis 100 Euro monatlich können Geschäfte die Umkreissuche mit Angeboten füttern. Auf den Break-even hoffen die Gründer 2016.

 

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