Management Fünf Gründe, warum Mütter jede Firma bereichern

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Mütter einzustellen, sei ein wirtschaftliches Risiko, meinen viele Personalchefs. Unternehmerin und impulse-Bloggerin Béa Beste beschäftigt Mütter aus Überzeugung: Wer Kinder großzieht, bringt Fähigkeiten mit, die man in keinem Studium lernt. Ein Plädoyer für Working Moms.

Eine Studie, die das luxemburgische Unternehmen Regus unter 10.000 leitenden Angestellten in 78 Ländern zur Chancengleichheit im Berufsleben 2010/11 durchführte, förderte zutage, dass bei vielen Firmen große Bedenken bei der Beschäftigung von Müttern bestehen.

Sie fürchten, dass berufstätige Mütter möglicherweise weniger engagiert und flexibel als andere Mitarbeiter sind. Zudem haben Personalchefs die Sorge, dass Mütter kurze Zeit nach der Einarbeitung das Unternehmen wieder verlassen könnten, um ein weiteres Kind zu bekommen oder dass die Fähigkeiten von zurückkehrenden Frauen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen.

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Die gleiche Studie hat allerdings auch herausgefunden, dass über die Hälfte der Unternehmen überzeugt davon ist, dass berufstätige Mütter über Erfahrungen und Fähigkeiten verfügen, die nur schwer auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind.

Zugegeben, mein Unternehmen Tollabox.de hat als Zielgruppe junge Familien und Mütter sind daher für uns authentische Know-how Träger. In diesem Blogeintrag will ich aber die Eigenschaften hervorheben, die Mütter in jedes Unternehmen positiv einbringen können:

1. Mütter kennen positiv-intuitives Herangehen: Finger drauf – es wird schon

Gute Manager haben den Chancenblick: Das ist eine Haltung, die Chancen wahrnimmt anstatt Probleme. Sie wissen um die Schwierigkeiten, erkennen aber genau darin die Möglichkeiten. Mütter haben geniale Vorbilder – den eigenen Nachwuchs: Kleinkinder leisten den besten Beitrag zum Thema „digital literacy“, und die Touchscreen-Technologie macht es sichtbar. Während sich viele Menschen angesichts eines Computers ständig die Frage stellen, was sie falsch machen können, sind die Kleinsten unbelastet dabei, die Welt tapsend zu erobern.

Tipp einer Mutter zum Umgang mit iPhone und iPad: „Jedes Mal, wenn ich nicht weiter weiß, frage ich mich, was mein dreijähriger Sohn in diesem Fall machen würde.“ Ich habe es ausprobiert. Es funktioniert einwandfrei – vorausgesetzt, man ist noch fähig, wie ein Dreijähriger zu denken. Mütter von Dreijährigen sind da einfach näher dran. Und diese Haltung lässt sich auf mehr übertragen als nur die Technikwelt.

2. Mütter sind neugieriger: Tausend Fragen haben hunderttausend Antworten

Wer neugierig Dingen nachgeht, entwickelt sich weiter, ist gut informiert und bekommt viel Inspiration. Gute Manager erweitern ständig ihren Horizont. Gehirnforscher haben herausgefunden, dass neugierige Menschen eine größere Gehirnmasse entwickeln und sich dadurch besser gegen das Alzheimer-Risiko wappnen. Zudem sind sie glücklichere Menschen. Mütter sehen täglich die Welt durch Kinderaugen und gehen den Fragen zusammen mit dem Nachwuchs nach. Wer das tut, kann auch besser recherchieren. Und eines drauf gesetzt: Eine besorgte Mutter recherchiert besser als das FBI.

Working Mom 3

3. Mütter besitzen „Trial and Error“-Erfahrung: Scheitern, um zu lernen.

Bei den heute schnell wechselnden Wettbewerbern, Konjunkturlagen und Medieneinschätzungen müssen Führungskräfte mit einer guten Portion Frustrationstoleranz ausgestattet sein. Mütter bekommen ein Spezialtraining in dieser Disziplin – von ihren Kindern, den geborenen Unternehmern. Kinder fallen unzählige Male hin, bis sie laufen lernen. Mütter sind hervorragende Lernbegleiter und Motivatoren, für alle, die sie zu führen haben. Vergessen Sie nicht: Eine motivierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen, ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

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4. Mütter können Networking: „Willst Du mit mir spielen?“

Erfolgreiche Manager haben ein gut funktionierendes Netzwerk. Es besteht aus Gleichgesinnten, Komplementärgesinnten und Geschäftspartnern aus allen möglichen Bereichen. Wichtig ist, dieses Netzwerk ständig zu erweitern und zu pflegen. Mütter merken, dass die Unbeschwertheit, mit der die Kleinsten soziale Kontakte knüpfen, nur noch von amerikanischen Kongressteilnehmern getoppt werden kann.

Doch gerade in diesem Bereich haben alle gemeinsam zu lernen. Und genauso wie Kinder auf dem Spielplatz lernen, dass dies ein öffentlicher Raum ist, bei dem das Prüfen, wer alles mitspielen will, Sinn macht – so müssen auch Mütter im Netz lernen, welche sozialen Kontrollen und Einstellungen von Profilen notwendig sind, um sich nicht demjenigen auszuliefern, der nichts Gutes beabsichtigt. Würde man deswegen nicht auf den Spielplatz gehen? Eben nicht. Informiertheit und gute Fragen (s.o.) helfen viel.

5. Mütter können Multitasking: Nicht nur alle Bälle in der Luft, sondern auch alle Hände voll zu tun

Kein Beruf ist so sehr von der Gefahr der Verzettelung bedroht, wie der des Managers. Arbeitsforschungen haben ergeben, dass Managertätigkeiten häufig schon im Minutentakt wechseln. Und Coaches und Studien wechseln sich ständig in Theorien ab, was besser sei: absoluter Fokus oder sequenzielles Vorgehen. Die Mütter haben dagegen Praxis: Während mehrere wissenschaftliche Studien bewiesen haben, dass das menschliche Gehirn nicht in der Lage ist, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfassen und zu bewältigen, sind Mütter täglich mit der Notwendigkeit konfrontiert, es zu tun. Es gibt Dinge, die gleichzeitig passieren müssen und andere, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Das eine vom anderen zu unterscheiden, lernen sie Tag für Tag.

Die breite Palette an Verpflichtungen, die Mütter erledigen müssen, macht sowohl kreativ als auch effektiv. Meine Erfahrung mit arbeitenden Müttern ist, dass sie unglaublich effektive Planer und Abarbeiter sind. Denn sie wissen genau, dass die Zeit begrenzt ist und haben die Ergebnisse des Tages klar im Blick.

Fazit: Die Zeiten, in denen Mutterschaft gleich mit einem Rückzug aus dem spannenden und aktiven Berufsleben verbunden war, sind durch den Einzug der digitalen Medien vorbei. All das, was eine Mutter im Umgang mit den Kindern und dem Internet weiterlernt, gilt nicht für alle Mütter, aber für immer mehr – und dies unabhängig davon, ob sie noch berufstätig sind oder sich auf die Kinder allein fokussieren.

Die Anzahl der Lebenskonzepte ist hoch und die Varianten sind sehr unterschiedlich. Die Grenzen zwischen Privatleben und beruflichem Fortkommen schwinden sowieso. Und wer noch von Work-Life-Balance redet, bleibt in der Denke des vorigen Jahrtausends verhaftet. Denn Mütter betreiben oft das sogenannte „unternehmerische Blending“, das Ineinanderspielen von professionellen und privaten Interessen. Für Professor Birger P. Priddat von der Universität Witten/Herdecke sind die erwerbstätigen Mütter Unternehmerinnen per se. Für ihn sind die effektiven „new workers“, wie er sie bezeichnet, die Kompetenzgewinner der modernen Wirtschaft. Es wird Zeit, dass dies die Wirtschaft auch erkennt.

(Dieser Text enthält einige Auszüge aus einem ausführlicheren Autoren-Beitrag von mir im Buch: „Die Frauen und das Netz – Angebote und Nutzung aus Genderperspektive“ – Hrsg. Kampmann, B.; Keller, B.; Knippelmeyer, M.; Wagner, F. Hrsg., 2013erschienen im Springer-Gabler Verlag)

 

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