Management Geldwerter Vorteil

Kapitalnöte? Kreditklemme? Nicht bei Firmen, die ihre Finanzierungspartner regelmäßig und umfassend informieren. Ein ehrwürdiger Erfolg: Zum vierten Mal erhalten drei Mittelständler den Preis für die "Beste Finanzkommunikation im Mittelstand". impulse.de stellt die neun nominierten Unternehmen vor.

Am 4. Mai verleihen der Kreditversicherer Euler Hermes, die Commerzbank, das Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Financial Times Deutschland sowie impulse den Preis an die drei Gewinner in der Kölner Vulkanhalle. Die Auszeichnung erhalten Firmen aus drei Kategorien:

Kategorie I: Unternehmen bis fünf Millionen Euro Jahresumsatz

Acrolyne GmbH – So transparent wie Acryl

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Die Firma Acrolyne aus dem westfälischen Freudenberg zeigt was mit Acrylglas alles geht: Bilderrahmen, Stühle, Markenlogos. So transparent wie ihre Produkte ist auch die Firma selbst.

Hugo Boss hat sie. Douglas hat sie. Nike hat sie. Schwere Acrylglas-Blöcke mit dem Firmenlogo, gefertigt von Acrolyne. Der Mittelständler aus Freudenberg mit 31 festen Mitarbeitern produziert neben Plastiken für die Marken- und Produktpräsentation auch Raumteiler oder Einzelteile für die Weiterverarbeitung, etwa von Schiebetüren. Auch Tische für Rollstühle fertigt die Firma aus der Nähe von Siegen. Alles aus Acryl- und Plexiglas.

Eine gewinnträchtige Nische. Und doch geriet das Unternehmen im Zuge der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Der Umsatz fiel vergangenes Jahr um 30 Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Ein Gau für ein Unternehmen dieser Größe. Doch die 1991 gegründete Firma hatte vorgesorgt.
Trotz des Geschäftseinbruchs hielten die Banken zu dem Mittelständler. Eine ausgeweitete Kontokorrentkreditlinie zu reduziertem Zins brachten finanziellen Spielraum. So waren letztlich Investitionen in Mitten der Krise möglich. Die Freudenberger bestellten neue Maschinen, wie etwa ein Fräszentrum, und stellten neue Mitarbeiter ein.

Wie war das möglich? Seit Mai 2009 entwickelte Paul-Gerhardt Schmidt, kaufmännischer Leiter bei Acrolyne, ein System mit dem schlichten Namen „Finanzportal“. Dieses fütterte er mit Unternehmensdaten. Wie viele Aufträge sind eingegangen? Gibt es Neukunden? Wie steht´s um die Liquidität? Cash Flow? Reklamationskosten? Forderungen und Verbindlichkeiten? Solche Daten können die Hausbanken seither abrufen. Ursprünglich war das Konzept für interne Zwecke gedacht. „Eigentlich wollten wir nur Herr des eigenen Schiffes werden“, sagt Schmidt. Doch Acrolyne öffnete das Portal auch für die Hausbanken und Lieferanten. „Die Bank weiß, wie wir zu einem bestimmten Zeitpunkt dastehen“, sagt Schmidt. Und diese Transparenz führte zu zählbaren Vorteilen bei den Geldgebern. Die Kommunikation, so Schmidt, habe letztlich über Sein oder Nicht-Sein entschieden.

Bag Company GmbH – Tragende Rolle

In Prien am Chiemsee entwickelt die Bag Company Tragetaschen, ausschließlich für Markenhersteller. 15 Mitarbeiter beschäftigt der Mittelständler – doch die Finanzkommunikation gleicht eher der eines Konzerns.

Tragetaschen? Nein, keine Plastikbeutel mit denen Sie vielleicht Ihre Einkäufe vom Supermarkt nach Hause tragen. Nein, mit solchen „Tüten“ hat die Bag Company GmbH nichts zu tun. In Prien am Chiemsee entwickelt der kleine Mittelständler exklusive Tragetaschen. Das können Papiertüten sein, Folientaschen oder Leinenbeutel. Die meisten Taschen sind Spezialanfertigungen. Zum Kundenstamm gehören ausschließlich Markenhersteller wie etwa Jack Wolfskin.

15 Mitarbeiter suchen Kordel, Schlauch und Papier weltweit zusammen und entscheiden, wie die Tasche veredelt und gedruckt wird. 4,2 Millionen Euro erwirtschaftete die 2003 gegründete Firma vergangenes Jahr. Kopf und Gründer des Handelsunternehmens ist Roland Gartner. „Wir sind nur so gut wie unsere Lieferanten“, sagt der gelernte Handwerker. Auch um die Beziehung zu jenen zu verbessern, fokussierte der Unternehmer die Finanzkommunikation des Betriebes. Lieferanten wollen mit solventen Kunden zusammen arbeiten, so Gartner. „Und wenn die wissen, wie wir finanziell aufgestellt sind, vertrauen sie uns“, sagt er. Auch mit der Hausbank und Mitarbeitern kommuniziert Gartner die finanzielle Lage des Unternehmens.

20 Prozent seiner Arbeitszeit nutzt er, um mit der Buchhaltung die Daten zu sammeln, sie auszuwerten und zu verschicken. Ergebnis: Es gab günstigere Kredite von der Hausbank, weil das Rating besser ausfiel. Kern der Strategie sei der persönliche Kontakt. „Papier ist geduldig“, sagt Gartner doppeldeutig. Einmal im Jahr trifft sich der Unternehmer mit Kapitalgebern und spricht über die aktuelle Geschäftslage. Was haben wir erreicht? Wo stehen wir? Welche Konsequenzen haben getroffene Entscheidungen? Der Unternehmer versorgt die Gesprächspartner vor jedem Treffen mit Informationsmaterial. Auch mit den Mitarbeitern führt der Geschäftsführer einmal im Quartal, wie es Konzerne auf der Hauptversammlung tun, Gespräche zum Ist-Zustand. Die Firma flankiert die Kommunikation durch unaufgeforderte schriftliche Briefe an die Kapitalgeber.

Und das auch, wenn es mal nicht so gut läuft. Etwa in der Krise. Oder wenn die Preise für Rohstoffe, beispielsweise Papier, steigen. „Parameter, die das Geschäft beeinflussen, kommunizieren wir stets mit unseren Partnern. Das schafft Vertrauen“, sagt Gartner. Hinzu kommt, dass die Datenaufbereitung auch Gartners eigenen Blick auf die Geschäfte schärft. „Für interne Zwecke ist es vor allem ein Steuerungsinstrument“, erklärt er.

Dalog Mehrwertdienste GmbH – Live dabei

Stets wissen, wo eine Warensendung gerade ist, das ist das Kerngeschäft von Dalog Mehrwertdienste. Die Finanzkommunikation läuft zwar nicht in Echtzeit, aber dafür regelmäßig ab. Die Banken danken es mit günstigeren Kreditkonditionen.

„Finanzkommunikation ist keine Einbahnstraße“, heißt es bei dem Logistikdienstleister Dalog aus Weiterstadt. Es ist ein bisschen wie mit der Logistik. Auch hier – also im Kerngeschäft von Dalog – muss das Unternehmen stets vermitteln, etwa zwischen Lieferant und Käufer.
Die Firma verfolgt beispielsweise Lieferungen und berichtet Kunden wie Lieferanten, wenn es zu Verzögerungen kommt. „Sendungsverfolgung in Echtzeit“, nennt das Unternehmen diesen Dienst.

Der Autohersteller Ford gehört seit 1971 zu den Kunden des mittelständischen Unternehmens (45 Mitarbeiter; 2,7 Millionen Euro Umsatz). Die Finanzkommunikation der Firma richtet sich in erster Linie an Banken. Hier ist das Vertrauen für die Firma existenziell. Die Logistiker betreuen alle an der Transportkette beteiligten Unternehmen mit EDV-Dienstleistungen, kümmern sich also auch um den elektronischen Datenaustausch sowie um Rechnungen.

Dafür braucht die Firma häufig Vorfinanzierungen, die sie in den letzten Jahren nach eigenen Angaben auch erhalten hat. Noch bis ins Jahr 2013 seien die Finanzbeziehungen zu den Banken gesichert. Mehrfach konnte sich das Unternehmen in den letzten drei Jahren über Zinssenkungen erfreuen. Inhaber Wolfgang Sprunk investierte in der Regel zwei Stunden im Monat, um den Banken die monatliche Auftragsliste sowie die vierteljährliche Bilanz zu erstellen. „Vorbildliche Kommunikation; auch in Krisenzeiten sehr ausführlich“, teilt etwa die Dresdner Bank Darmstadt mit.

Kategorie II: Unternehmen mit bis zu 100 Millionen Euro Jahresumsatz

Aliseo GmbH – Das muss die Bank wissen

Die Aliseo GmbH aus Wolfach im Schwarzwald kommuniziert Unternehmenskennzahlen täglich mit den Mitarbeitern und Kapitalgebern. Daran musste sich nun auch die spanische Tochter gewöhnen.

Stimmt das Rating, dann zahlt die Bank. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Gewinn- und Verlustrechnung, Strategien, Marktchancen. Die Hausbank will Informationen. Viele Mittelständler sind da skeptisch. Muss die Bank das wirklich wissen? Ja, fand Jan Hellfritz.
2002 stieg er in den väterlichen Betrieb, Aliseo, ein. Seit 1985 entwickelt und vertreibt die Firma aus Wolfach im Schwarzwald Haartrockner und andere Accessoires für den Hotelbedarf in die ganze Welt. Spiegel, Handtuchhalter, Kaffeemaschinen. Heute sind es insgesamt über 500 verschiedene Artikel, die unter anderem im Luxushotel Burj al Arab in Dubai die Zimmer schmücken.

Als 2003 die Tourismusbranche in eine Krise taumelte tat Hellfritz junior etwas, das für einen Mittelständler ungewöhnlich war – und auch heute noch ist: Er forcierte die Finanzkommunikation. Begriffe wie Rating und Basel II zogen in den Firmenalltag ein. Hellfritz steigerte die Eigenkapitalquote von 2002 bis 2008 von 6,6 auf 45 Prozent. Zudem war der Hotelausstatter das erste mittelständische Unternehmen, das sich 2002 bewerten – neudeutsch raten – ließ. „Das ging natürlich nicht ohne Widerstände aus den eigenen Reihen. Veränderungen sind immer mit Unsicherheiten verbunden“, sagt Hellfritz. Das stabile Finanzfundament und die Offenheit gegenüber Kapitalgebern ist, so sieht es der Aliseo-Mann, ganz entscheidend für den Erfolg der Firma.

Banken, Kreditversicherer, Gesellschafter, Beiratsmitglieder sowie die Mitarbeiter haben über das Intranet Zugang zu den Finanzdaten. „Wir halten die Übersicht so unkompliziert wie möglich und beschränken uns auf die wichtigen Daten“, sagt Hellfritz. Dreimal täglich informiert das System über die Lage des Unternehmens: Liquidität, Bestandsübersicht, Aufträge, Umsatzentwicklung. Auch für einzelne Kunden oder Produkte erhält der Banker oder Mitarbeiter die Zahlen.

Neben den täglichen Informationen versendet die Geschäftsführung monatlich einen Brief, in dem sie die aktuellen Daten veröffentlicht. Halbjährlich verschicken die Schwarzwälder eine Umsatzanalyse, jährlich die Bilanzbesprechung mit der Hausbank. Auch in Krisenzeiten stoppt der Informationsfluss nicht. Etwa 2003 beim Einbruch in der Tourismusbranche oder in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. „Die Kapitalgeber sollen mit den Augen des Managements sehen“, sagt Hellfritz.

Ist so viel Durchsichtigkeit wirklich notwendig? „Die Hausbank greift eigentlich kaum auf die Zahlen zu“, sagt der Geschäftsleiter. Die Bank schätze jedoch die Offenheit. Als Vertrauensbeweis. Trotz eines Rückgangs bei Umsatz und Gewinn stand die Hausbank auch in der Krise hinter dem Unternehmen. Die Kreditfinanzierungskosten fielen um zwei Prozentpunkte, das Rating verbesserte sich. Zudem eröffnete das Familienunternehmen in China einen Ableger und kaufte in Spanien eine Tochter dazu. „Die müssen ihre Daten jetzt natürlich auch mit uns kommunizieren – anfangs waren die baff“, sagt Hellfritz.

Gerhard Rösch GmbH – Schwäbische Avantgarde

Der Textilhersteller aus Tübingen ging früh ungewöhnliche Wege. Schon 1971 eröffnete der Mittelständler einen eigenen Betriebskindergarten – und auch die Finanzkommunikation erfährt einen außergewöhnlich hohen Stellenwert.

Mehrfach zeichnete der Bund die 1949 gegründete Firma für ihre Familienfreundlichkeit aus. Schließlich gehören die Schwaben mit ihrem bereits 1971 eröffneten Betriebskindergarten zur Avantgarde. Doch das Familienunternehmen mit 616 Mitarbeitern ist auch in anderen Belangen eine Ausnahme unter Mittelständlern – etwa beim Thema Finanzkommunikation.

52 Millionen Euro Umsatz verbuchte der Textilhersteller vergangenes Jahr. Wie Rösch damit im Vergleich zu den vergangenen Jahren dasteht, teilt die Firma seinen Kapitalgebern, den Gesellschaftern, Mitarbeitern, Wirtschaftsprüfern und der Presse mit. Budgetvergleich sowie Fünfjahres-Trend kommunizieren die Schwaben regelmäßig – telefonisch, per Mail oder auf persönlichen Treffen. So etwa mit den Mitarbeitern. Die trifft der Geschäftsführer einmal wöchentlich, um zu verkünden, wie es dem Unternehmen geht. „Trotz des Rating-Nachteils für unsere Branche bekamen wir günstige Kredite“, teilt das Unternehmen mit. Um die Kommunikation so professionell wie möglich zu gestalten, hat die GmbH einen externen Berater engagiert.

Reinhard Krückemeyer GmbH und Co. KG – Und die Bank blieb treu

Das Familienunternehmen liefert Schleifmittel und Klebebänder an 5000 Kunden weltweit. Hauptabnehmer sind Industrieunternehmen. Die litten in der Krise. Und Krückemeyer mit.

Anfangs war es nur ein Gerücht. Ein Gerücht mit unangenehmen Folgen. Ein wichtiger Kunde sperrte die Firma Reinhard Krückemeyer als Lieferant und stornierte Aufträge. Er hatte gehört, dass der Großhändler für Klebebänder und Schleifmittel insolvent sei.

Es blieb nur ein Gerücht. Ärgerlich war es trotzdem. So ärgerlich, dass es nicht noch einmal passieren sollte. Das Familienunternehmen aus Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen entwickelte einen Zehn-Punkte-Katalog, der von nun an die mittelfristige Strategie der Firma (36 Mitarbeiter; rund 10 Millionen Euro Umsatz) vorgab. Wichtiger Punkt auf der Agenda: die Finanzkommunikation.

Wie verbessern wir unsere Bonität und damit das Rating? Wie machen wir uns chic für Finanzpartner? Und vor allem: wie verhindern wir solche Missverständnisse? Gesellschafter, Hausbanken, potenzielle Kapitalgeber, Mitarbeiter, Kunden, Wirtschaftsauskunfteien – sie alle hält das Handelshaus über die finanzielle Lage seitdem auf dem Laufenden. „Es ist ein bisschen wie bei wünsch dir was“, sagt Geschäftsführer Jan Krückemeyer. Jeder bekommt die Informationen, die er gerne haben möchte. Entweder persönlich, elektronisch , über die Homepage oder über Creditreform. Seit 2010 lässt das Unternehmen die Finanzkommunikation auch Iso zertifizieren. „So wollen wir uns laufend verbessern. Wir sehen das Ganze als Prozess“, sagt Krückemeyer, der als Geschäftsführer der Finanzkommunikation etwa acht Stunden im Monat widmet.

Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt. Die Firma steigerte die Bonität, heimste ein besseres Rating ein, gewann neue Kapitalgeber und bekam Kredite zu günstigeren Konditionen. Und das alles trotz Krise. Die wichtigsten Kunden von Krückemeyer sind Maschinenbauer und Industrieunternehmen, die von der Rezession besonders hart getroffen wurden. Also ging auch der Umsatz von Krückemeyer von 2008 auf 2009 um etwa 20 Prozent zurück.
Die Banken blieben dennoch treu, und es kamen sogar neue Finanzpartner dazu. Darüber hinaus passierte etwas, wovon andere Mittelständler träumen mögen: Die Geldgeber kamen von selbst auf die Firma zu.

Das Familienunternehmen beschafft sich notwendige Liquidität durch Factoring, also mit dem Verkauf von Forderungen. Diese Art der Kapitalbeschaffung soll auch weiterhin eine Säule der Unternehmensfinanzierung sein. „Auch deshalb müssen wir in Sachen Finanzkommunikation doppelte Apostel sein“, sagt Krückemeyer und meint damit, dass die Zahlen stets aktualisiert werden müssen, damit die Factoring-Häuser weiterhin bereit sind, Forderungen zu kaufen.

Kategorie III: Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz

Hirschvogel Holding

Der Finanzchef des Automobilzulieferers kam aus dem Geldgewerbe. 2003 trat er in den Familienbetrieb ein. Er kannte sich aus mit Basel II, er wusste, wie ein Rating funktioniert – von diesem Know-how profitiert Hirschvogel.

Als Josef X. Baumeister 2003 zu Hirschvogel kam, trat er in eine fremde Welt ein. Radträger, Pumpenkörper und Getriebewellen – von den Hirschvogel-Produkten hatte der Ex-Banker mitunter noch nie etwas gehört. Doch seine Zuständigkeit sind ja die die Finanzen des Automobilzulieferers. Er fing ganz von vorne an, führte eine systematische Finanzkommunikation ein. Die Hausbanken, stille Gesellschafter, Forderungsfinanziers, Kreditversicherer und externe Ratingpartner erhielten von nun an Quartals-, Halbjahres-, Jahres- sowie den Ratingreport. Der beinhaltet unter anderem eine Vorausschau für die kommenden drei Jahre. 94 Tage investiert das Management selbst in die Finanzkommunikation.

Das Unternehmen mit knapp 3000 Mitarbeitern erwirtschaftet etwa 390 Millionen Euro Jahresumsatz und verkaufte 2008 160.000 Tonnen Teile in die ganze Welt. Die Holding besteht aus acht Töchtern. In Deutschland gibt es drei Werke , etwa in Marksuhl, Eisenach, oder in Schongau. Daneben ist die Gruppe in den USA aktiv: In Columbus/Ohio fertigt die Hirschvogel Incorporated Warm- und Kaltfließpressteile sowie einbaufertige Komponenten für den amerikanischen Markt. Bei der Hirschvogel Automotive Components in Pinghu in der Nähe von Shanghai werden neben Umformteilen, Fertigteile für die chinesische Automobilindustrie hergestellt. Hinzu kommen mehrere Auslandsbeteiligungen, zum Beispiel in Brasilien und Indien.

WIV Wein International AG

Aus Österreich kam der Wein, der nicht rein war. Die Firma Pieroth verkaufte ihn und brachte sich damit in die Bredouille. Um das Vertrauen zur Bank zurück zu gewinnen, setzte das Unternehmen auf Finanzkommunikation.

Der Wein war nicht rein. Er war gepanscht. 1985 erschütterte der Glykol-Skandal die Weinwirtschaft. Auch das Unternehmen Pieroth, das heute unter WIV Wein International firmiert, war in den Skandal verstrickt. Die Familienfirma um die Brüder Kuno und Elmar Pieroth handelte mit österreichischem Wein, der unter Zusatz des Frostschutzmittels Glykol produziert worden war. In Österreich kam der Weinexport fast zum Erliegen. In Deutschland zogen die Behörden vier Millionen Liter aus dem Verkehr. Das Vertrauen zu den Kunden litt und das zu den Banken.

Um dieses wieder herzustellen, setzte das Unternehmen fortan auf den offenen Dialog mit den Hausbanken und Kapitalgebern. Geschäftsbericht, Quartals- und Halbjahresbericht, Pläne sowie die Entwicklung zentraler Kennzahlen wertet das Unternehmen – je nach Anlass – aus und kommuniziert die Zahlen mit der Hausbank sowie den Aktionären und damit Mitarbeitern sowie Inhaberfamilien. Am Jahresanfang erscheint zudem das Planbuch, in dem die mittelfristigen Ziele sowie die Jahresplanung festgezurrt werden.

Ziel sei die absolute Transparenz. Man will – die Metapher sei hier mal erlaubt – reinen Wein einschenken. 25 Jahre nach dem Skandal, der dem Unternehmen fast den Garaus machte, scheinen die Zahlen wieder zu stimmen.
63,5 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Direktvertrieb. Die Pieroths waren die ersten Weinhändler die dieses Vertriebsmodell einführten. Andere Kanäle sind der Groß- und Fachhandel, Einzelhandel sowie Service und Logistik.

2008 erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 462,7 Millionen Euro. Damit ist die Familienfirma der größte Weinvermarkter Deutschlands. 44,5 Prozent des Umsatzes erzielte die Firma in Deutschland, 55,5 Prozent im Ausland. Neben Deutschland und Frankreich sind Großbritannien, Japan, die USA und Italien die Hauptsabsatzmärkte.

ZEG Zentraleinkauf Holz + Kunststoff eG

Die Genossenschaft aus Stuttgart ist ein Zusammenschluss holzverarbeitender Betriebe. Die Finanzkommunikation forcierte das Kollektiv 2001 nach der Krise im Bauhandwerk. Heute veröffentlichen die Schwaben Geschäfts-, Banken- und Risikoberichte.

Die Krise im Bauhandwerk 2001 setzte der Genossenschaft aus Stuttgart arg zu. Das Unternehmen (795 Mitarbeiter; über 200 Millionen Euro Umsatz) stellte den Vertrieb und die Finanzierung um. Dazu gehörte auch eine neu strukturierte Finanzkommunikation: Offen, aktuell und verlässlich sollte sie sein.

Welche Wirkung die Kommunikationsoffensive hatte, weiß Bernd Oppenländer. Der Vorstandssprecher ist zusammen mit einem weiteren Mitglied des Vorstands sowie dem Leiter des Rechnungswesens zuständig für die Finanzkommunikation.

Kriselt es, dann bekommen Aufsichtsrat, die Mitglieder der Generalversammlung, Auskunfteien, Banken, potenzielle Finanziers sowie Versicherer und Factoring-Dienstleister den 40-Seiten-Risikobericht sofort. Gibt es keinen Anlass, erscheint der grundsätzlich einmal jährlich. Zudem verschickt der Holzhändler einmal im Quartal den Banken- sowie Geschäftsbericht. Jährlich veröffentlicht die Firma zudem ihre Bilanz.

Die Offenheit lohnt sich. Das Unternehmen bekam trotz der Krise weitere Kreditlinien und auch die Factoring-Partner sowie der Kreditversicherer verlängerten die Verträge.

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