Generation "Y" Wollen sie iPad oder Dienstwagen?

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Läuft das Smartphone dem Dienstwagen mittlerweile den Rang ab?

Läuft das Smartphone dem Dienstwagen mittlerweile den Rang ab?© Tanusha - Fotolia.com

Immer, überall und mit allen Finessen? Die totale mobile Vernetzung ist für Berufseinsteiger von heute ebenso selbstverständlich wie die Ausstattung mit modernsten Geräten. Hinkt ein Unternehmen da hinterher, bleibt das nicht folgenlos.

In der einen Hand ein Smartphone, in der anderen ein Tablet: Die Angehörigen der Generation „Y“ werden nicht von ungefähr als „Digital Natives“ bezeichnet. Diese Generation ist die erste in der Geschichte der Menschheit, die sich von Kindesbeinen an im weltweiten Netz bewegt hat – auf Du und Du mit ständig neuen technischen Standards.

„Die elektronische Kommunikation ist für diese Generation eine Selbstverständlichkeit“, sagt Per Breuer, Personalchef von der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. „Ein verändertes Kommunikationsverhalten und das Lebensgefühl, dass neue Medien zum Lebensgefühl dazugehören, sind Kennzeichen der Generation Y.“ Logisch, dass sie sich bei ihren Arbeitgebern nicht mit Altertümchen abgeben will.

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Auch Michael Francois aus Bitburg wünscht sich an seinem Arbeitsplatz taufrische Technik. Der 24-jährige Hochbautechniker hat Glück: Seine Firma – ein mittelständisches Ingenieursbüro – stellt seinen Mitarbeitern grundsätzlich modernste Geräte und Software zur Verfügung. Auf althergebrachte Statussymbole wie den Dienstwagen verzichtet Michael Francois dafür auch langfristig gerne: „Dann lieber eine gute technische Ausrüstung. Die brauche ich, sonst kann ich nicht arbeiten.“

Indirekte Auswirkungen auf die Arbeitgebermarke

Für Unternehmen, die diese Entwicklung verschlafen, gibt es unter Umständen ein böses Erwachen. Johannes Michel ist Experte für Technologie und Arbeitsorganisation bei Accenture. Er kennt das Problem vieler Unternehmen. „Gerade junge Menschen erleben die Ausstattung am Arbeitsplatz oft so, als führen sie privat Ferrari, in der Firma dagegen Pferdekutsche.“

Dabei zahlen Investitionen in adäquate Technik sich auf jeden Fall aus, so Michel. In einer Accenture-Studie von 2012 gaben 50 Prozent der befragten Angestellten in deutschen Unternehmen an, dass Mitarbeiter, die bei der technischen Ausstattung ein Wörtchen mitreden dürfen, zufriedener seien. Und nicht nur das, wie Per Breuer von der Unternehmensberatung Roland Berger, betont. Er glaubt zwar nicht, dass jemand seine Entscheidung für einen Arbeitsplatz letztendlich davon abhängig macht, ob er dort ein iPad oder ein neues Smartphone nutzen dürfe. „Aber dieses Thema nimmt diese Zielgruppe sicherlich wahr. Und damit wirkt sich die Ausstattung mit modernen Kommunikationsmitteln auch indirekt auf die Arbeitgebermarke und die Mitarbeitergewinnung aus.“

Hält der Arbeitgeber trotzdem an der Pferdekutsche fest, steigen mittlerweile viele Mitarbeiter selbstständig um – und bringen einfach ihre eigenen Geräte mit. Dieser neue Trend heißt „Bring your own device“ (BYOD). Die Mitarbeiter fackeln dabei nicht lange: Vielen Firmenangehörigen ist es laut Accenture-Studie egal, ob sie damit Vorschriften ihres Arbeitgebers unterlaufen oder nicht. Wer seinen Mitarbeitern die Nutzung privater Geräte ausdrücklich erlaubt, sollte das allerdings – so Johannes Michel – an bestimmte Bedingungen knüpfen. So solle sich der Arbeitgeber etwa zusichern lassen, im Bedarfsfall auf das private Gerät und die darauf befindlichen Firmendaten zugreifen zu dürfen. Oder die Daten per Fernlöschung entfernen zu dürfen, sollte das Gerät gestohlen werden.

Firmenausstattung auf Vordermann bringen

Mit solchen Absprachen ist es jedoch häufig nicht getan. „Das Gerät muss den Sicherheitsanforderungen entsprechen“, beschreibt Johannes Michel von Accenture das Datenschutzproblem. „Bei Unternehmen mit hohen Sicherheitsanforderungen ist es aufwändig, ein externes Gerät in den Unternehmensablauf zu integrieren.“ Hier stelle sich für Unternehmen die grundsätzliche Frage, ob solche Einzelmaßnahmen finanziell noch sinnvoll seien oder ob nicht lieber die Firmenausstattung auf Vordermann gebracht werden sollte.

Wenn ein Mitarbeiter mit seinen privaten Geräten arbeiten darf, sollte er aber nicht ständig eine SMS beantworten oder nachschauen, was es neues bei seinen Facebook-Freunden gibt. „Wenn ein Mitarbeiter mit seinen eigenen Geräten arbeitet, erfordert das eine höhere Selbstdisziplin. Die muss ein modernes Unternehmen von seinen Mitarbeitern verlangen dürfen“, so Michel. Dass die Geräte trotzdem ab und an privat während der Arbeitszeit genutzt werden, darf für Michel aber dennoch kein Grund gegen BYOD sein. Zu vergleichen sie dies mit dem privaten Schwätzchen an der Kaffeemaschine, was ja auch niemand verbiete.

Sollte ein Unternehmen dagegen auf die Idee kommen, aus Gründen der Kostenersparnis das Mitbringen privater Geräte sogar zu fordern, begibt es sich damit auf Glatteis. Denn Unternehmen müssen ihren Mitarbeiter grundsätzlich die Geräte zur Verfügung stellen, die sie zum Arbeiten benötigen. Johannes Michel formuliert das so: „Der Mitarbeiter kann seinen eigenen Bleistift mit zur Arbeit bringen. Das ändert aber nichts daran, dass der Arbeitgeber weiterhin für genügend Bleistifte am Arbeitsplatz sorgen muss.“

Übrigens: Wer jetzt glaubt, nur die jüngsten Mitarbeiter mit neuer Technik motivieren zu können, hat schon wieder den Anschluss verpasst. Denn inzwischen haben die Eruptionen der digitalen Revolution auch die älteren Semester in Bewegung versetzt. Damit die im schnell drehenden Technik-Karussell nicht den Überblick verlieren, bieten viele Unternehmen inzwischen spezielle IT-Schulungen und Weiterbildungen für ältere Mitarbeiter an.

 

Die Geburtsjahrgänge 1985-1990 kommen auf den Arbeitsmarkt – und über die „Millennials“, auch „Generation Y“ genannt, geistern verschiedene Vorurteile durch die Medien und Personalabteilungen. Doch sind die Y-Jahrgänge wirklich nicht mehr belastbar, besonders empfindlich, wenn es um Stress im Job geht – und lassen sie sich ständig von Facebook und ihrem Smartphone ablenken? In einer neuen Serie klären die auf, die es am besten wissen müssen: Nachwuchstalente der Kölner Journalistenschule, die selbst zur Generation „Y“ zählen. Zur Serienübersicht

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