Generationswechsel im Familienunternehmen So vermeiden Sie Konflikte

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Vater und Sohn auf der Baustelle: Nur wenn die Verantwortlichkeiten klar definiert sind, kann der Generationswechsel in Familienunternehmengelingen.

Vater und Sohn auf der Baustelle: Nur wenn die Verantwortlichkeiten klar definiert sind, kann der Generationswechsel in Familienunternehmengelingen.© Photographee.eu / Fotolia.com

Generationswechsel in Familienunternehmen sind oft schwierig. Unsere vier Tipps verhelfen Nachfolgern zu einem reibungslosen Übergang, der sich sogar für Veränderungen nutzen lässt.

1. Stoßen Sie sich die Hörner ab!

Der erste Job ist für viele der schwerste. Wer bisher nur in Praktika oder Ferienjobs Berufserfahrung gesammelt hat, muss sich erst einmal in der Branche und im Vollzeit-Arbeitnehmer-Leben zurechtfinden. Unter den Augen der Eltern, die oft alles besser wissen, ist das nicht leicht.

Sinnvoll ist es deshalb, mindestens eine, vielleicht sogar mehrere Positionen außerhalb des Familienbetriebs innegehabt zu haben. „Mein Vater hat immer gesagt: Falls du eines Tages die Firma übernehmen willst, musst du vorher eine andere geleitet haben“, erzählt Unternehmerin Beatrice Rodenstock. „Für ihn war vollkommen klar, dass ich ihn nur beerben kann, wenn ich weiß, wie viel Verantwortung das bedeutet.“

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Wer ein anderes Unternehmen gut kennengelernt hat, bringt außerdem neue Ideen mit in den Familienbetrieb. Und er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit schon auf Probleme gestoßen, von denen er nun weiß, wie er sie selbst einmal vermeiden kann.

2. Fangen Sie klein an!

Auch wer schon in einem anderen Unternehmen Erfahrungen gesammelt hat, sollte sich im Familienunternehmen nicht gleich auf den Chefsessel setzen. „Suchen Sie sich erst mal ein eigenes Projekt“, rät Reinhard Prügl von der Zeppelin Universität. „Bauen Sie zum Beispiel einen neuen Standort auf, oder kümmern Sie sich um die Digitalisierungsstrategie.“ Auf diese Art kann man sich beweisen, ohne gleich für die ganze Firma verantwortlich zu sein.

Dazu kommt, dass die Art des Einstiegs auch bei den eigenen Mitarbeitern schneller Akzeptanz und Vertrauen schafft, als wenn ein für sie fremder Mensch wie aus dem Nichts heraus das ganze Unternehmen übernimmt. „Sohn oder Tochter des Chefs zu sein reicht als Qualifikation nicht aus“, sagt Julian von Möller, der als Geschäftsführer der Deutschen Juniorenakademie Unternehmen bei der Nachfolgeregelung unterstützt.

3. Binden Sie Ihre Eltern ein!

Sich nach der Übergabe komplett aus der Firma zurückzuziehen fällt den meisten Unternehmern schwer. Und das muss auch nicht unbedingt sein. Hat man als Tochter oder Sohn erst einmal auf dem Chefsessel Platz genommen, sind es nun die Eltern, die sich allein verantwortlich um ein Projekt oder einen Kunden kümmern können. „Auf diese Art werden Eltern langsam vom Unternehmer zum Begleiter“, sagt Beatrice Rodenstock.

Wichtig ist, die Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Als Nachfolger sollte man unbedingt für sich in Anspruch nehmen, dass alle Entscheidungen außerhalb dieses Projekts ab sofort in der eigenen Hand liegen. Natürlich spricht nichts dagegen, die Eltern hin und wieder um Rat zu fragen. „Insgesamt sollten der Übergabeprozess und die Abnabelung aus dem Unternehmen aber nicht länger als drei bis fünf Jahre dauern“, sagt Reinhard Prügl.

4. Sprechen Sie Probleme offen an!

Es klingt wie die einfachste Regel der Welt und ist in der Praxis die Hürde, an der die meisten scheitern: Reden Sie mit Ihren Eltern, wenn Ihnen etwas nicht passt. „Konflikte sind ja nicht immer schlecht“, sagt Julian von Möller. „Vereinbarungen zu den Streitpunkten treffen und festlegen, wie man künftig damit umgeht, kann man aber nur, wenn man darüber spricht.“

Beatrice Rodenstock weiß, dass der Generationswechsel sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern viel mit Angst zu tun hat: „Beide Seiten können nicht vorhersehen, wie es künftig weitergeht, und jeder wünscht sich, dass der andere sich so verhält, wie er es selbst vielleicht machen würde.“

Nachfolger haben zudem oft das Problem, dass sie sich von den Eltern nicht ernst genommen fühlen. Ist das Verhältnis bereits angespannt, kann es helfen, eine neutrale Person dazuzuholen, die die Gespräche moderiert.

 

impulse-Magazin Mai 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 05/15.

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