Management Gescheiterte Unternehmer: Fehlschläge nur bedingt erlaubt

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Bei Unternehmern führen Fehlschläge nicht nur zu krummen Nägeln, sondern unter Umständen zum Scheitern der Firma.

Bei Unternehmern führen Fehlschläge nicht nur zu krummen Nägeln, sondern unter Umständen zum Scheitern der Firma.© Edler von Rabenstein / Fotolia.com

Sind die Deutschen bereit, gescheiterten Unternehmern eine zweite Chance zu geben? Die Antwort lautet: "Ja, aber", wie eine Studie zeigt. Auch die Gründe für den Misserfolg spielen eine Rolle.

Die Deutschen sind Misserfolgen gegenüber durchaus tolerant – allerdings nicht unbedingt bei unternehmerischen Fehlschlägen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Gute Fehler, schlechte Fehler – wie tolerant ist Deutschland im Umgang mit gescheiterten Unternehmern“ von Andreas Kuckertz, Professor für Entrepreneurship an der Universität Hohenheim, und seinen Mitarbeitern. Für die Studie wurden 2027 repräsentativ ausgewählte deutsche Bundesbürger im Alter von 18 bis 67 Jahren befragt.

Knapp 80 Prozent der Befragten erkennen ganz allgemein Misserfolge als potenzielle Chance zur Selbstreflexion und Rückbesinnung an. Sie glauben daran, dass Scheitern auf lange Sicht auch zu positiven Ergebnissen führen kann. Wenn Unternehmer scheitern, kann jedoch nur noch jeder zweite diesem Umstand etwas Positives abgewinnen.

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Eine zweite Chance für gescheiterte Unternehmer?

Mehr als drei Viertel der Deutschen sind der Auffassung, dass gescheiterte Unternehmer eine zweite Chance verdient haben. Insbesondere Selbstständige und Menschen, die in ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld jemanden kennen, der bereits unternehmerisch gescheitert ist, stehen dieser Frage positiv gegenüber.

Diese zweite Chance sollen ihnen aber lieber andere einräumen: Über 40 Prozent der Deutschen sagen, dass sie beim Bestellen von Waren Vorbehalte gegenüber bereits gescheiterten Unternehmern hätten. Größer ist die Bereitschaft, in neue Projekte eines gescheiterten Unternehmers zu investieren: Das können sich fast 40 Prozent der Befragten vorstellen.

Welche Gründe für unternehmerisches Scheitern akzeptiert werden

Die Gründe für unternehmerische Fehlschläge bewerten die Deutschen ganz unterschiedlich: Während die Befragten bei externen Ursachen viel Verständnis für Misserfolge aufbringen, betrachten sie selbst verschuldetes Scheitern kritisch.

So gelten Krankheit des Gründers, gefolgt von schlechter Wirtschaftslage und Auftragsrückgang, als verzeihlich. Fehlende Unternehmensvision oder ein nicht funktionierendes Geschäftskonzept halten die wenigsten Befragten für einen akzeptablen Grund fürs Scheitern.

Jüngere und Selbstständige haben weniger Vorbehalte

Gerade das Alter spielt bei der Bewertung von Fehlschlägen eine bedeutende Rolle. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren unternehmerische Fehler deutlich positiver bewerten als Deutsche zwischen 60 und 67 Jahren. „Dies könnte ein Indiz für einen anstehenden Kulturwandel und ein gesellschaftliches Umdenken sein“, sagt Kuckertz. Es gelte, diese positive Haltung der jungen Generation auch in Zukunft kontinuierlich am Leben zu halten.

Menschen mit einem Abschluss einer Fach- bzw. Berufsakademie oder einem Fachhochschul- oder Hochschulabschluss sind deutlich toleranter gegenüber unternehmerischen Fehlschlägen als Bürger mit einer abgeschlossenen Lehre bzw. Berufsausbildung oder ohne Abschluss.

Der Beruf spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Beurteilung von Scheitern. „Selbstständige sowie Schüler und Studenten zeigen das höchste Verständnis für unternehmerisches Scheitern“, erläutert Martin Allmendinger, Mitarbeiter am Lehrstuhl Entrepreneurship. Demgegenüber habe nur rund die Hälfte der Angestellten eine positive Grundhaltung zu unternehmerischen Misserfolgen. Jeder zehnte Angestellte ist gar überwiegend negativ eingestellt.

Wie man den Gründergeist stärken kann

Um den Gründergeist in der Bundesrepublik zu stärken, muss sich laut den Initiatoren der Studie die Sichtweise jedes Einzelnen ändern: vom Schwarz-Weiß-Denken hin zum umfassenden Verständnis unternehmerischen Handelns. Es gelte, Erfolg und Scheitern nicht als Gegensätze zu betrachten, sondern Ausprobieren, Versuchen, Wagen, Lernen, Testen zu akzeptieren.

Das könne vor allem gelingen, wenn insbesondere erfolgreiche Persönlichkeiten immer wieder in der Öffentlichkeit deutlich machen, wie viele vorangegangene Fehlschläge letztlich zu ihrem aktuellen Erfolg beigetragen haben.

 

Mehr Informationen über die Studie unter http://www.neue-unternehmerkultur.de

 

Wir wollen als Unternehmer-Netzwerk einen Beitrag für eine offenere Fehlerkultur für Unternehmer leisten – auf unserer zweiten Fehlerkonferenz in Düsseldorf. Mehr darüber erfahren Sie hier:

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