• Gründung im Alter

    Jeder zehnte Gründer in Deutschland ist über 50 Jahre alt. Ein Trend, der sich bei zunehmender Überalterung noch verstärken wird. Doch die Hürden für gründungswillige, ältere Menschen sind hoch. Dass sie nicht unüberwindbar sind, beweisen Beratungsagenturen wie Gründer50plus.

    Viele ältere Arbeitnehmer fallen nach einer Kündigung oder dem Verlust ihres Jobs in ein tiefes Loch. Gerade nach vielen Jahren im Angestelltenverhältnis ist die Sorge groß keinen Anschluss mehr zu finden. Die wenigsten von Ihnen kommen auf die Idee sich selbstständig. Dabei können Gründungen im Alter von Vorteil sein. Der Verlust der bisherigen Tätigkeit muss nicht das Ende des Arbeitslebens bedeuten. Dies beweisen Programme verschiedener Gründeragenturen und Initiativen, wie die Gründer50plus UG von Ralf Sange. Als Geschäftsführer der Agentur berät er Menschen, die auch in höherem Alter den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Daneben gibt es weitere Beratunge wie die Gründeragentur Köln oder Gründung 50 Plus. Hinzu kommen Angebote verschiedener IHK’s für ältere Gründer. Dabei ist die Beratung auf das Alter und die Lebenserfahrung der potentiellen Neuunternehmer angepasst.

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    „Hier sind individuellere Fragestellungen viel wichtiger als vordergründige Informationen zu Rechtsformwahl und Finanzierung. Diese Themen kommen später dran.“ sagt Sange. Auch das Bundeswirtschaftministerium hat auf diese Anforderungen reagiert und gibt auf seiner Homepage Hinweise für ältere Gründer. Die größten Vorteile für Gründer dieser Altersgruppe seien neben der Lebens- und Berufserfahrung ein gefestigtes Selbstvertrauen und die Fähigkeit Chancen besser abwägen zu können. Hinzu kommen Erfahrungen in den Bereichen Kommunikation, Teamfähigkeit und Arbeitsorganisation.

    Nicht jeder, der mit über 50 Jahren überlegt in die Selbstständigkeit zu gehen, ist sich seiner Chancen bewusst. Oftmals stehen zu Beginn viele Fragen und Fragezeichen, die sich ohne Beratung und Hilfe nicht so einfach klären lassen. „Bin ich fachlich geeignet? Wie viel Zeit bleibt mir noch im Berufsleben? Welche Chancen habe ich, welchen Risiken sehe ich mich gegenüber? Wie komme ich trotz meines Alters an Kapital.“

    Für genau diese Phase bieten Agenturen wie Gründung50plus einen ersten Orientierungsworkshop. „Informationsveranstaltungen und –seminare zur Selbständigkeit gibt es viele. Allerdings spielt die wesentliche Phase vor der Gründung, die für die Motivation und die Entscheidung der Gründer so wichtig ist, in diesen Kursen keine Rolle. Besonders die Gruppe der Berufserfahrenen über 50 will sich in der Regel nicht mit Standardprogrammen abspeisen lassen, die auf die individuellen Bedürfnisse nicht eingehen können und wollen“, sagt Sange.

    Aufbauend auf diesen Orientierungsworkshops gibt er Intensivkurse, die durch Einzelcoaching und mehrmonatige Begleitung speziell auf die Anforderungen der älteren Jungunternehmer eingehen. Aufgrund seines Engagements wurde Gründer50plus im November mit dem Preis der Europäischen Kommission für „Active Ageing and Solidarity between the Generations“ ausgezeichnet.

    Einen Nachteil bringt das höhere Alter jedoch mit sich. Besonders in der Beschaffung von Kapital haben Gründer über 50 oft geringere Chancen. Die Rechnung der Banken ist simpel. Je älter der Antragsteller desto weniger Zeit bleibt zur Tilgung des Kredits. In diesem Fall hilft nur ein erfolgversprechendes Konzept mit einem Rückzahlungsplan, der zeitlich genau aufgeschlüsselt ist.

    Ein Angestellter, der nach 30 Jahren entlassen wird, scheint im ersten Moment einen Großteil seines sozialen Umfeldes zu verlieren. Doch genau dieses vorerst verlorene geglaubte Netzwerk aus Kollegen kann hilfreich für die Neugründung sein. Wenn sich zum Beispiel andere Kollegen als Partner gewinnen lassen oder man auf das Knowhow seiner ehemaligen Kunden zurückgreifen kann. Das Netzwerk, das sich gerade ältere Gründer im Laufe ihres Berufslebens aufgebaut haben, kann in dieser Phase von unschätzbarem Wert sein und ist ein entscheidender Vorteil gegenüber jungen Gründern.

    Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft und die verbreitet Meinung das ältere Menschen nicht mehr so Leistungsfähig seien, sind große gesellschaftliche Probleme der nächsten Jahre. Dass dieser Wandel keine Stagnation bedeutet und die Probleme der Überalterung auch Chancen bieten, zeigen Projekte wie Gründer 50plus. Die Erfahrung älterer Menschen und der Wille diese weiterzugeben, schaffen neue Ideen. „Es sind unter den älteren Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung vorhanden, die man unter Jüngeren nicht finden kann“, sagte Sange kürzlich in einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema.

    Weitere Beratungsangebote finden Sie unter:

    http://www.existenzgruender.de/gruendungswerkstatt/index.http://www.gruender50plus.de

    • Quelle: impulse.de
    • Copyright: impulse.de
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