Management impulse-Konferenz 2014: Drei Lektionen für den Weg aus der Krise

Auftragseinbruch oder Kunden, die einfach nicht zahlen: Was können Firmenchefs tun, wenn die Lage bedrohlich wird? Auf der impulse-Konferenz "Aus Fehlern lernen" sprachen Unternehmer über ihre Erfahrungen. Drei Lektionen aus dem Workshop "Restrukturierung".

„Und plötzlich drohte das Aus – wie Unternehmen in der Krise zurück in die Erfolgsspur finden“ lautete die Beschreibung des Workshops „Restrukturierung“ auf der impulse-Konferenz in Düsseldorf. Aus Sicht von Sanierungsexperten ist der Titel der Werkstatt nicht korrekt: Kaum eine Krise kommt plötzlich. Fast immer ist eine Schieflage die Folge von Fehlern, die in der Firma mitunter bereits vor Jahren gemacht wurden. Doch diese werden häufig nicht erkannt, oder die Unternehmensführung wollte diese Fehler lange nicht wahrhaben. Die Schwere der Krise wird dann häufig erst erkannt, wenn es (fast) zu spät ist. Was aber tun, wenn die Lage bedrohlich ist und nur noch wenig Zeit bleibt? Drei Lektionen aus der Werkstatt:

1. Nicht schweigen, reden!
Die Wende gelingt nie allein. Ob Solo-Selbstständiger oder Unternehmer mit vielen Mitarbeitern – eine Krise darf nie verschwiegen werden. Nur wer offen über die Schwierigkeiten informiert, kann vermeiden das Vertrauen aller Beteiligten zu verlieren. Wer aber die Probleme und das Zukunftspotenzial der Firma klar benennt, hat eine Chance, die notwendige Unterstützung zu bekommen.

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Diese Erfahrung machte Silvia Reschke als sie im Jahr 2005 die Geschäftsführung der familieneigenen Firma, Reschke Schweißtechnik, übernahm. Ihre Haupttätigkeit in den ersten Wochen und Monaten waren Gespräche mit vier Gruppen:

  • Mitarbeiter: Wer Personal hat, muss seine Angestellten von Beginn an informieren. Die Belegschaft darf auf keinen Fall erst von außen von der Krise erfahren. Das schürt unnötig Ängste. Die Leute wollen wissen, woran sie sind. Und: Je stärker die Mitarbeiter eingebunden werden, desto eher ziehen sie bei den Sanierungsmaßnahmen mit.
  • Finanzierungspartner: Banken und andere Kapitalgeber wollen wissen, ob sie Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Und sie wollen dieses Risiko einschätzen können. Das erfordert Transparenz und ein klares verständliches Zahlenwerk.
  • Lieferanten: Wer bestellte Ware nicht mehr bezahlen kann, muss unbedingt das Gespräch mit den Lieferanten suchen. Wer sie überzeugt, dass die Krise überwunden werden kann, erhält mitunter Hilfe. Gewähren die Lieferanten längere Zahlungsziele, verschafft das dringend benötigten finanziellen Spielraum. Und nur, wenn überhaupt weiterhin Ware geliefert wird, besteht die Möglichkeit, selbst Umsatz zu machen.
  • Kunden: Von Pleitekandidaten wenden sich Einkäufer schnell ab. Auch bei dieser Gruppe gilt: Wer die Krise erklärt und die Sanierungschancen aufzeigt, bindet Kunden.

 


Lektion: Suchen Sie im Krisenfall mit allen Beteiligten das Gespräch. Nur so gewinnen Sie das für eine Sanierung notwendige Vertrauen.


 

Offene Diskussion in der Werkstatt "Restrukturierung"

Offene Diskussion in der Werkstatt „Restrukturierung“© Daniel Ziegert

2. Konflikte austragen!
Ohne harte Entscheidungen ist eine Sanierung kaum möglich. Um nicht in akute Liquiditätsnot zu geraten, muss eine der ersten Maßnahmen immer sein, sämtliche Kostenblöcke zu überprüfen. Das heißt sämtliche Abläufe und Prozesse zu hinterfragen. Veränderungen werden auf Unverständnis und Unwille stoßen. Das müssen Unternehmer aushalten. Häufig führt auch kein Weg an Entlassungen vorbei. Kündigungen stoßen meist auf Widerspruch, mitunter auch auf Widerstand, etwa durch den Betriebsrat. Wer dann für den Betriebsfrieden Maßnahmen nicht ergreift oder zurück nimmt, gefährdet womöglich die gesamte Firma.

 


Lektion: Zeigen Sie im Streitfall Konsequenz und Härte! Ansonsten gefährden Sie den Erfolg der Sanierung.


 

3. Insolvenzverfahren erwägen!
Unternehmer müssen das gesamte Zahlenwerk der Firma sehr genau prüfen. Ist das Unternehmen bereits zahlungsunfähig oder überschuldet? Dann führt an der Beantragung eines Insolvenzverfahrens ohnehin kein Weg vorbei. Sonst macht sich die Geschäftsleitung strafbar. Wenn noch Liquidität vorhanden ist, ist eine Planinsolvenz im so genannten Schutzschirmverfahren womöglich eine attraktive Option. Firmen, denen die Zahlungsunfähigkeit droht, erhalten auf diesem Weg drei Monate Zeit, einen Insolvenzplan auszuarbeiten, der die Sanierung des Unternehmens zum Ziel hat. In dieser Zeit ist die Firma vor den Gläubigern geschützt. Und: Die Geschäftsführung kann die Restrukturierung, unterstützt von einem so genannten Sachwalter, in Eigenregie betreiben.

 


Lektion: Eine Sanierung im Rahmen eines (Plan-)Insolvenzverfahrens ist leichter und effektiver.


 

Die impulse-Konferenz „Aus Fehlern lernen“ in Bildern:

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