Management Jobsharing: So können Unternehmen profitieren

Ein Schreibtisch, zwei Stühle: Beim Jobsharing  teilen sich zwei Mitarbeiter eine Stelle.

Ein Schreibtisch, zwei Stühle: Beim Jobsharing teilen sich zwei Mitarbeiter eine Stelle.© mtlapcevic / Fotolia.com

Jobsharing bietet Chancen für Arbeitgeber, die Umsetzung scheitert aber oft an passenden Kandidaten. Ein Onlineportal soll es nun einfacher machen, Pendants für geteilte Stellen zu finden.

Christina Kruft ist Chefin – aber nur zur Hälfte. So wie andere sich die Wohnung oder das Auto teilen, teilt Kruft sich ihren Job mit einer Kollegin. Zusammen leiten sie die Abteilung Compliance/Risikoanalyse bei der Deutschen Bahn in Berlin. Bevor die zwei Frauen vor knapp zwei Jahren mit dem Jobsharing begonnen haben, war die Stelle von einer Person als gewöhnliche Vollzeitstelle besetzt. Für Kruft und ihre Kollegin, damals beide frisch aus der Mutterzeit zurück, war Jobsharing die ideale Lösung: Beide arbeiten je 50 Prozent – aber trotzdem in einer Führungsposition.

Jobsharing kann große Vorteile für Arbeitgeber und Angestellte bringen, berichten die, die es ausprobiert haben. Doch der große Durchbruch dieses Modells steht aus – was auch an Nachteilen liegen könnte, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.

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Besetzt wie eine Vollzeitstelle – mit größerem Qualifikationsspektrum

Annette von Wedel, die sich im Personalbereich der Deutschen Bahn um das Thema Vielfalt kümmert, erklärt die Vorteile gegenüber Teilzeit: „Für den Arbeitgeber und das jeweilige Team ist immer jemand ansprechbar, der sich zu allen Themen auskennt. Die Partner koordinieren sich untereinander. Aus Arbeitgeber-Sicht ist solch eine Position meist wie eine Vollzeitstelle besetzt.“

Meistens werde die Arbeit beim Jobsharing nach Wochentagen aufgeteilt, erklärt von Wedel. Kruft und ihre Kollegin arbeiten zum Beispiel je vier Tage die Woche bis zum frühen Nachmittag. Kruft hat freitags frei, ihre Kollegin montags. In den gemeinsamen Bürozeiten erledigen sie Absprachen schnell über den Schreibtisch in dem Büro, das sie sich teilen.

Auch thematisch stimmen sich die Frauen ab. Kruft ist Sozialwissenschaftlerin, ihre Kollegin Juristin. „Beim Jobsharing können Arbeitgeber mit nur einer Stelle ein viel größeres Qualifikationsspektrum abdecken“, sagt Kruft. Das Modell bringe Arbeitgeber und Arbeitnehmer in eine Win-Win-Situation.

Eine Online-Plattform soll Interessenten helfen, Partner zu finden

Wie weit verbreitet Jobsharing ist, lässt sich aber nur schwer sagen. Weder das Statistische Bundesamt noch die Bundesagentur für Arbeit haben Zahlen dazu. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums und des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln boten 2012 etwa 11 Prozent der befragten Unternehmen Jobsharing an.

Das passende Pendant und ein dafür offenes Unternehmen zu finden, sei nicht leicht, meint Jana Tepe, eine junge Gründerin in Berlin. Um die Suche zu erleichtern, hat sie mit ihrer Geschäftspartnerin Anna Kaiser die Online-Plattform Tandemploy gegründet. Ein Algorithmus führt Nutzer zu geeigneten Partnern in der Datenbank. Unternehmen können Stellen ausschreiben und sich als besonders flexibel positionieren.

Zu den Kunden der Plattform zählen zum Beispiel der Nivea-Konzern Beiersdorf, das Air-Berlin-Vielfliegerprogramm Topbonus und die Uni Köln. Rund 3000 Arbeitnehmer haben sich nach Tepes Angaben bisher registriert.

Doppelte Kosten für die Einarbeitung

Auf Karriereportalen wie Xing haben sich Diskussionsforen für Jobsharing gebildet. Die Suche nach dem Schema von Tepe und Kaiser, bei dem Stellenangebot und Fähigkeiten des Interessenten abgeglichen und zueinander gebracht werden, ist bislang nicht die Regel.

Damit das Modell flächendeckend funktionieren kann, müsse sich jedoch noch einiges ändern, kritisiert der Ökonomie-Professor Michael Burda von der Humboldt-Universität. Burda fürchtet, dass Arbeitnehmer die Einschnitte unterschätzen, die Jobsharing für ihre Rentenansprüche bedeutet. Auch die höheren Kosten für Arbeitgeber, zum Beispiel durch doppelte Einarbeitung, sieht er als Hindernis.

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