Die Pleite des einst größten europäischen Möbelunternehmens Schieder zieht Anklagen der Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Chef und weitere ehemalige Verantwortliche nach sich. Firmengründer Rolf Demuth, 71, werden besonders schwerer Betrug, Beihilfe zur Bilanzfälschung und Kreditbetrug vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft Bielefeld am Dienstag mit.
Der Fall Schieder hebt sich von vielen anderen Wirtschaftsstrafsachen durch die lange Ermittlungszeit, den außergewöhnlich hohen Gesamtschaden und die Vielzahl weiterer Beschuldigter ab.
Die Staatsanwaltschaft hatte Demuth und den damaligen Beiratsvorsitzenden der Schieder-Gruppe, Heinrich Griem, Anfang Juni 2007 festgenommen. Seitdem vernahmen die Ermittler 237 Zeugen, durchsuchten 85 Objekte in mehreren Ländern, prüften 453 Geschäftsabschlüsse und legten 1300 Ordner an. Die Anklageschrift zählt nun über 300 Seiten.
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Demuth und drei weiteren ehemaligen Führungskräften vor, Bilanzen gefälscht zu haben, um an Kredite zu kommen. Der entstandene Gesamtschaden soll mindestens 234 Millionen Euro betragen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der hinreichende Verdacht, dass die Angeklagten mindestens ab dem Geschäftsjahr 2003/04, wahrscheinlich aber auch schon früher Konzernabschlüsse in der Schieder-Gruppe manipulierten, etwa in dem sie Lagerbestände überbewerteten. Dadurch sollte der Behörde zufolge aktuellen und potenziellen Kredit- und Kapitalgebern die bereits seit Jahren andauernde Verschlechterung der wirtschaftlichen Ergebnisse der Schieder-Gruppe verborgen bleiben.
Gegen insgesamt 43 weitere Beschuldigte laufen noch Ermittlungen, dabei handelt es sich teilweise um ehemalige Buchhalter, die von Führungskräften mit mutmaßlich illegalen Buchungsaktionen beauftragt wurden.
Demuth weiter in der Öffentlichkeit
Firmengründer Demuth droht im Fall einer Verurteilung eine lange Haftstrafe. Allein beim Tatbestand Betrug reicht der Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Bei der Bildung einer Gesamtstrafe verlängert sich der Strafrahmen auf bis zu 15 Jahre.
Demuths Rechtsanwalt Tido Park hat die Anklageschrift noch nicht vorliegen und gab am Dienstag deshalb keinen Kommentar. Demuth selber hat sich keineswegs aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er besucht weiter Möbelmessen, arbeitet dem Vernehmen nach für eine Firma seines Sohnes.
Demuth beschäftigte bis zu 11.000 Mitarbeiter. Ende 2006 gerieten die Kosten des unübersichtlichen Firmengeflechts aus über 100 Tochterfirmen außer Kontrolle. Im Sommer 2007 musste Insolvenz angemeldet werden. Demuth wurde im Frühjahr 2007 festgenommen. Ende November 2007 kam er gegen Zahlung einer Kaution von 400.000 Euro wieder auf freien Fuß.
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