Seit Jahresbeginn haben die deutschen Exporte deutlich angezogen. Das ist zum Großteil China zu verdanken. Das Land zählt zu den größten Abnehmern deutscher Produkte, vor allem deutsche Technik ist in Fernost gefragt. China gehört zusammen mit anderen Schwellenländern wie Indien und Brasilien zu den wichtigsten Absatzmärkten der Zukunft, darüber sind sich Experten einig.
Diese Erkenntnis kommt auch bei deutschen Firmen an. Mehr als die Hälfte der 130 Industrieunternehmen, die von der Beratungsfirma A.T. Kearney für eine Studie befragt wurden, räumen Schwellenländern einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert ein. Wären die befragten Firmen im vergangenen Jahr in Schwellenländern genauso aktiv gewesen wie in den westlichen Industrieländern, hätten sie rund 120 Mrd. Euro mehr Umsatz erzielt. Die Botschaft der Studie ist klar: Wollen deutsche Unternehmen ihre Marktposition behalten, müssen sie die Schwellenländer als Absatzmärkte ins Auge fassen.
Insbesondere Mittelständler haben hier allerdings noch Nachholbedarf. "Großunternehmen sind längst in den Schwellenländern vertreten", sagt Oliver Schön, Experte für Wachstumsstrategien bei der Beratungsgesellschaft Capgemini: "Aber Mittelständler mit globalem Anspruch müssen aufholen." Längst nicht jedes Unternehmen kann indes ohne Hilfe von Experten in unbekannte Märkte expandieren. Für Unternehmensberater tut sich somit ein interessantes Geschäftsfeld auf.
Bisher haben deutsche Mittelständler vor allem die Probleme zu spüren bekommen, die dabei mitunter auftreten. Viele von ihnen haben in den vergangenen Jahren einen Teil ihrer Produktion in Schwellenländer verlegt, um Kosten zu senken - und mussten sich mit blutiger Nase zurückziehen. Prominentes Beispiel ist der Stofftierhersteller Steiff. Er lagerte 2004 die Teddybär-Produktion nach China aus und kam voriges Jahr reumütig nach Deutschland zurück: Qualitätsprobleme, hohe Mitarbeiterfluktuation, zu lange Transportzeiten.
"Vielen anderen Mittelständlern ging es in den vergangenen zehn Jahren ähnlich", sagt Schön. Das Abenteuer im fernen Osten sei oft schlecht geplant gewesen. "Die Firmen kannten die lokalen Gegebenheiten nicht, es mangelte ihnen an Erfahrung und sie hatten teils unrealistische Erwartungen." Die lokalen Marktpotenziale wollte längst nicht jeder für sich erschließen, im Vordergrund des Flirts mit Fernost stand die billige Produktion.
Genau das ist ein Fehler, davon ist Schön überzeugt. Lokale Hersteller entwickelten sich in Schwellenländern nämlich immer häufiger zu ernsthaften Konkurrenten für deutsche Unternehmen und könnten die Wachstumsmärkte schon in wenigen Jahren allein abdecken. "Da muss der deutsche Mittelstand aufpassen", sagt Schön.
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