Eine Waschanlage, ein OBI, ein Media Markt, praktische Bürowürfel mit Alufassade und Wellblechdach, die alle aussehen, als wären sie an einem einzigen Tag zusammengetackert worden. Gewerbegebiet Heinenkamp nahe Wolfsburg, kurz vor der Autobahnzufahrt.
Hierhin hat es ihn also verschlagen. Mitten in dieser Industrietristesse arbeitet ein ehemaliger Ministerpräsident Deutschlands.
Dieter Althaus verspätet sich. Ein Erdrutsch auf der Autobahn, richtet eine Mitarbeiterin aus. Auf dem Flur vor seinem Büro steht eine schwarze Kunstledercouch, in einer Vitrine stapeln sich Zubehörteile für Autos, an den Wänden hängen Poster in Pastellfarben. Mit Geschmacksfragen hat sich hier keiner aufgehalten. Einzig das Schild an Dieter Althaus' Bürotür vermittelt Bedeutung: MAGNA INTERNATIONAL EUROPE, Vice President Sales VW Group, Dieter Althaus.
Da prescht er auch schon durch die Tür. "Kilometerlange Staus, nichts ging mehr!", ruft er entschuldigend. Dann bittet er herein. Sein Büro ist klein und schmucklos. Ein paar Miniaquarelle mit Stadtansichten von Erfurt und Weimar, zwei Topfpflanzen. Althaus wirft den Laptop an. Später steht eine "Telko" an - Telefonkonferenzen mit den Abteilungsleitern der verschiedenen VW-Marken in der ganzen Welt sind sein täglich Brot. Gerade war er in China, dort hat Magna 23 Werke.
Wenn man Althaus fragt, was genau er hier macht, sagt er: "Ich habe eine Global-Customer-Lead-Funktion". Später spricht er von "Reporting-Gesprächen", der Kunde heißt bei ihm nur noch "Customer", die Autozubehörteile werden in Interiors und Exteriors unterteilt. Dieter Althaus geht voll auf in der "Magna-Welt" - ein Begriff, den er gern und häufig verwendet.
Althaus spricht jetzt Managersprache. Wer es nicht besser weiß, könnte meinen, der 52-Jährige bringe schon sein halbes Leben lang Autoteile an den Mann. Achsen, Getriebe, Marktdurchdringung - all das geht ihm so leicht von den Lippen wie früher Investitionszulage Ost, Solidarpakt oder Aufbau Ost. Doch tatsächlich arbeitet er erst seit Anfang Mai für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna. Dort kümmert er sich um die weltweiten Produktionen für den Kunden VW.
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