Nein, wirklich nicht. Einer, der seinen Job perfekt macht, muss nicht auch noch unterhaltsam und selbstdarstellerisch sein. Martin Smith. Schon der Name klingt so blass, wie der Mann daherkommt. Ein freundlicher, etwas überarbeitet und müde aussehender Brite um die 60. Kein großer Redner. Das weiß man im ersten Moment, wenn man ihm gegenübersteht.
Und es bestätigt sich spätestens, als er von dem Telefonat erzählt, das ihm den Posten als Chefdesigner bei Ford in Europa einbrachte. Ihn zum Retter von Ford machte, wie manche sagen. Zum derzeit vielleicht wichtigsten Autodesigner der Welt.
"Hi Martin, wie geht’s?"
"Ach, geht so."
"Was ist los?"
"Sie wollen mich nach Amerika schicken."
"Wenn du in Europa bleiben willst, komm zu uns."
Am anderen Ende der Leitung war sein bester Freund J Mays (der Mann nennt sich tatsächlich J wie Jay), der Designchef des Ford-Konzerns in Dearborn bei Detroit. Nicht viel anders verläuft das zweite Gespräch ein paar Wochen später, in dem die Sache klargemacht wird – bei einem Geheimtreffen mit dem damaligen Ford-Europa-Chef Lewis Booth im Kölner Hyatt.
"Drop-dead gorgeous cars." Todschicke Autos will Booth. "Autos, die ich streicheln kann. Kannst du das für uns machen?"
"Ich glaube schon."
Bescheidenheit und Understatement gehören zu Mr Smiths genetischem Programm. Er ist keiner, der sich produziert.
Unscheinbarer Star
Martin Smith |
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Schnittig, gefällig, nicht zu extravagant: Der 1949 in Sheffield geborene Designer lebt britisches Understatement in seinen Autos und im Auftreten. Privat mag er es rasanter: Smith liebt alte britische Sportwagen. Mit seinem roten 61er-Austin-Healey-3000 fährt er Classic Rallyes in ganz Europa. Seine Karriere begann er mit 23 Jahren bei Porsche, seit 2004 ist er nach Stationen bei Audi und Opel Chefdesigner bei Ford Europa. Smith lebt mit seiner Frau Laura in Köln. |
Martin Smith sitzt in seinem dunklen, etwas muffigen Büro im Kölner Ford-Entwicklungszentrum, Werk 54. Es sieht hier nach 60er-Jahre-Kreissparkasse aus, das ist ihm unangenehm. Er entschuldigt sich, er hatte repräsentativere Arbeitsplätze in seinem Leben, bei Porsche, bei Audi, bei Opel. "Ansonsten ist alles absolut super, bis auf dieses?…", er stockt kurz, "…?dieses Büro hier." Er lächelt schief.
Bei Opel war er als Designdirektor zuletzt nicht sehr glücklich mit seinem Job. Der große Carl-Peter Forster, damals noch Europachef von General Motors, hielt nicht mehr viel von ihm. Das erzählt Smith einfach so. Anderen wäre es sicher peinlich, abserviert worden zu sein, und man mag ihn für diese unbeschönigend-selbstbewusste So-ist-das-eben-Haltung. GM-Entwicklungschef Bob Lutz wollte ihn in die USA holen – entsorgen trifft es eher –, als Chef des Innenraumdesigns. Zweite Liga. Ein Jüngerer sollte seinen Job übernehmen.
Bei Ford dagegen schlägt Smith ein wie eine Bombe, Büro hin oder her. Er modernisiert die Fahrzeugflotte, macht den guten alten Mondeo schick, den Fiesta, den Focus, den Kuga, den Galaxy.
Mit Erfolg: Der Autokonzern kommt besser durch die Krise als die Konkurrenz. Seit Smiths Amtsantritt hat Ford in Europa stetig Marktanteile hinzugewonnen.
Als einziger US-Autobauer konnte es sich der Mutterkonzern leisten, Staatshilfen abzulehnen. Mehr noch: Mit einem Vorsteuergewinn von zwei Milliarden Dollar machte die Firma im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2010 den höchsten Profit seit Jahren.
Quelle: capital.de
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