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23.07.2010

François Jozic - ein Portrait: Die Rolle seines Lebens

Jozics Büro in der Noa-Zentrale in Düsseldorf signalisiert: Hier ist nichts so wie bei anderen Banken.
Zoom Jozics Büro in der Noa-Zentrale in Düsseldorf signalisiert: Hier ist nichts so wie bei anderen Banken.
© Peter Stumpf für impulse
Mitten in der Finanzkrise hat François Jozic die Noa Bank gegründet, die Finanzierungspartner für den Mittelstand sein will. Er ist charmant, charismatisch – und hat eine überraschende Vergangenheit.

Kurz reicht sie François Jozic die Hand, fast flüchtig. Lenah Strohmaier weiß nicht recht, was sie erwartet. Immerhin, der Eigentümer einer Bank trifft sich mit ihr. Im Tegel Terrace in Berlin, einem dieser unpersönlichen Flughafen-Bistros. Es ist nicht das erste Treffen. Im Februar hat der Bankchef Strohmaiers Tänzern von der Lissanga Dance Company beim Trainieren zugesehen und eine Spende seiner Noa Bank überreicht und kürzlich einen Kredit über 10.000 Euro gegeben. Wie läuft’s mit dem neuen ­Lissanga-Stück "Pass", das die Gruppe ­gerade probt? Jozic stützt den Kopf auf seine rechte Hand, nimmt seine Brille ab und hört aufmerksam zu, während ­Strohmaier spricht.

Sie wird lockerer, die Stimmung ist gelöst, als Jozic auf seine eigenen Pläne zu sprechen kommt. Was Strohmaier hört, gefällt ihr. Jozic spricht von gänzlich neuen Wegen, die er bei der Kulturfinanzierung gehen will. Davon, dass er dieses Terrain mit der Noa Bank erschließen ­möchte. Dazu brauche er Kontakte zu Künstlern, zu kulturellen Einrichtungen. Er, der Bankier, bittet sie, die Choreografin, um Hilfe. Sie könne ihm sicher ein paar Leute vorstellen. Jozic könne ja zur Uraufführung von "Pass" im August kommen, sagt Strohmaier, da gehe sicher was. Sie lächelt, verabschiedet ihn mit Küsschen links, Küsschen rechts, als Jozic nach 45 Minuten losmuss: der Flieger nach Düsseldorf. Auch er lächelt, entschuldigend.

Vom Berater zum Banker

Der Mann

Die Bank

François Jozic, geboren am 13. März 1973 im belgischen Lüttich, ist der ältere von zwei Söhnen eines Historikerpaars. Im Alter von 21 Jahren schmiss er sein Wirtschafts- und Jurastudium, um als selbstständiger Berater mittelständischer Firmen zu arbeiten. 2004 gründete Jozic gemeinsam mit seinem Studienfreund Frédéric Lodewyk die Factoringfirma Quorum in Düsseldorf. Im Jahr 2009 kauften die Geschäftspartner das Frankfurter Bankhaus Zwirn, um es in die Noa Bank umzuwandeln.

Transparenz und Verzicht auf Spekulation – mit diesen Grundsätzen trat die Noa Bank im vergangenen November an. Der Fokus soll auf der Finanzierung des Mittelstands liegen. Das Kapital hierfür geben Privatkunden, die ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto bei dem Geldhaus unterhalten. Sie können wählen, in welchen von vier Bereichen Noa ihr Geld als Kredit weiterreicht: Kultur, Leben, Planet, Region. Firmen, die einen Kredit aufnehmen, werden mit der geliehenen Summe und dem Verwendungszweck auf der Internetseite der Noa Bank aufgeführt. Aktuell betreibt die Bank mit gut 80 Mitarbeitern Niederlassungen in Düsseldorf und Frankfurt, weitere Filialen sollen folgen.

Als François Jozic geht, bleibt etwas: ein Hauch von Charme. Dabei wirft er nicht mit Komplimenten um sich, schmeichelt nicht mit Worten. Vielmehr vermittelt der 37-jährige Belgier das Gefühl, wichtig zu sein. Er nennt das: "Sie müssen Ihre Kunden fühlen."

So viel Gespür lassen die Köpfe der Großbanken vermissen. Josef Ackermann auf ewig mit seiner Victory-Geste verbunden. Dirk Jens Nonnenmacher ist zum Gesicht des Milliardendesasters der HSH Nordbank geworden. Und Georg Funke führte die Hypo Real Estate erst an den Rand der Pleite, um dann sein Gehalt bis 2013 einzuklagen. Keine Moral, stattdessen grenzenlose Gier. Das ist das Bild des Bankers im Jahr zwei nach Lehman.

Nichts wird sehnsüchtiger erwartet als ein Gegenentwurf – als François Jozic. Seine Bank zockt nicht an den Finanzmärkten mit dem Geld ihrer Kunden, sondern konzentriert sich auf das Kredit­geschäft für den Mittelstand. Seine Bank ist transparent und gibt ihren Kunden die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was das Institut mit ihrem Kapital macht. Das ist zumindest der Anspruch, als Jozic im Herbst 2009 mit seinem Geschäftspartner Frédéric Lodewyk das Frankfurter Bankhaus Zwirn kauft – eine leere Hülle, ohne Kunden und Kreditgeschäft, aber mit ­einer Lizenz. Jozic nennt sie Noa Bank.

Noa, wie der Noah mit der Arche, der letztlich das Gute auf der Welt rettete. ­Eine solche Bank kommt anders daher. Weder kleinbürgerlich-spießig wie Sparkassen und Volksbanken noch großspurig-arrogant wie Deutsche und Commerzbank. Nein, es geht bunt zu bei Noa, frech, lebendig und unangepasst.

"Wir nehmen das selbst in die Hand"

Das muss verkörpert werden, und damit kommt Jozic ins Spiel. Er verzichtet auf Dreiteiler und Krawatte, trägt eine Paul-Frank-Brille mit absurd großen Gläsern, das Hemd offen und dazu regelmäßig eines seiner elf Paar Turnschuhe. Jozic wohnt – hip! – in Barcelona, mit seiner ­Lebensgefährtin und ihren zwei Kindern. Sein ganzer Auftritt sagt: "Seht her! Ich schere mich nicht um Konventionen."

Vor drei Jahren scherte er sich noch. Fotos von damals zeigen ihn im dunklen Anzug, mit Krawatte und dezenter Brille. Das Klischee des seelenlosen Finanzprofis.

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