Ein Jahr nichts tun. Jeden Tag ausschlafen, sich um die Familie kümmern, in den Tag hinein leben. Ein Traum. Für viele. Für Christoph Franz war dieser Traum eher ein Albtraum. Ein Jahr, in dem der Manager nicht wusste, wie und ob es weitergeht. "Das war keine einfache Zeit", erinnert er sich.
Franz ist 43, als er vor sieben Jahren bei der Deutschen Bahn gehen muss. Auslöser war die umstrittene Reform des Tarifsystems, die er als Vorstandsmitglied von DB Reise & Touristik mitentwickelt hatte. Plötzlich steht er da - ohne Job, ohne Perspektive.
Er ist jung, will weitermachen. Aber er weiß, dass er Geduld haben muss. Manchmal ist eine Firma interessiert, und dann "winkt der Aufsichtsrat doch ab, wenn er erfährt, dass der Kandidat bei der Deutschen Bahn rausgeflogen ist".
Erst nach zwölf Monaten wird Franz erlöst. Ein Personalberater stellt den Kontakt zur Schweizer Fluggesellschaft Swiss her. Er bringt das marode Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen. So etwas zahlt sich aus. 2009 unterschreibt er einen Vertrag bei der Lufthansa, Anfang 2011 übernimmt er den Chefposten. Der Gefallene ist wieder obenauf.
Hire and fire. Up or out. Der Stil, wie in Deutschland mit Führungskräften umgegangen wird, ähnelt immer mehr dem in der angelsächsischen Welt. Im vergangenen Jahr hat die Fluktuation in deutschen Chefetagen einen Rekordwert erreicht. Jeder fünfte Vorstandsvorsitzende musste laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Booz & Company seinen Posten räumen.
Zugleich bekommen die Manager immer weniger Zeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Vorstandsvorsitzenden, die in Deutschland, in Österreich und der Schweiz 2009 gehen mussten, durften ihren Job gerade einmal 6,7 Jahre machen. Und Personalberater erwarten, dass die Verweildauer in den kommenden Jahren weiter abnehmen wird.
![]() Christoph Franz: Anfang 2011 übernimmt er den Chefposten bei der Lufthansa |
Das große Stühlerücken bietet jedoch auch Chancen. Wo Leute rausfliegen, müssen andere folgen. Die Zahl talentierter Manager ist begrenzt, und so schaffen immer häufiger diejenigen den Sprung an die Spitze, die gerade anderswo gescheitert sind. "Der Damm ist gebrochen", sagt Personalberater Heiner Thorborg, "zweite Chancen gibt es immer häufiger."
Scheitern ist nichts mehr, das an einem klebt wie Kaugummi an der Sohle. Topmanager können auch nach einem Fehltritt wieder ganz nach oben kommen. Léo Apotheker wurde bei SAP nach nur neun Monaten vom Hof gejagt, am Montag tritt er seinen Chefposten bei Hewlett-Packard an, dem größten Computerhersteller der Welt.
Wolfgang Bernhard kehrte bei Daimler in die oberste Etage zurück - bei jenem Konzern, den er nach heftigem Streit vor sechs Jahren verlassen hatte. Margret Suckale stolperte bei der Bahn über die Datenaffäre, 2011 wird sie in den BASF-Vorstand einziehen. Klaus Kleinfeld scheiterte bei Siemens und führt jetzt Amerikas größten Aluminiumkonzern Alcoa.
Quelle: ftd.de
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