Gesundheitsmanagement wird bei den Unternehmen mehr und mehr zum Trendthema. Viele empfehlen ihren Führungskräften deshalb, regelmäßig medizinische Check-ups zu absolvieren. Doch üblicherweise nimmt höchstens ein Drittel das Angebot an. Mediziner beobachten häufig eine Art ungesunden Fatalismus: Solange die Manager glauben, es sei gesundheitlich alles okay, verzichten sie gern auf Vorsorge und Prävention, frei nach dem Motto "Es wird schon gut gehen".
Drei Viertel weisen Risikofaktoren auf
Eigentlich steht es ganz gut um die Gesundheit der deutschen Chefs. Allerdings gibt es jede Menge Risikofaktoren - und die wenigsten kennen sie, so die Auswertung von mehr als 5000 Vorsorge-Untersuchungen durch das Diagnostik Zentrum Fleetinsel Hamburg zusammen mit der Asklepios Klinik. Jeder sechste Untersuchte litt zum Beispiel unter Bluthochdruck, drei Viertel der Betroffenen hatten keine Ahnung davon.
Der so genannte Präventions-Spiegel zeigt, dass 75 Prozent der Deutschen gefährdet sind, schwer zu erkranken. Jeder Zweite hat zu hohe Cholesterin-Werte, jeder Fünfte hat erhöhte Blutzuckerwerte und jeder Zehnte ist bedenklich übergewichtig. Mögliche Folgen sind schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Meist werden aber durch Check-ups die Risiken in einem Stadium aufgedeckt, in dem man noch was tun kann. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig", so der ärztliche Direktor des Diagnostik Zentrums Fleetinsel, Tomas Stein.
Mitarbeitergesundheit als Kostenfaktor
Viele Unternehmen haben den Wert von Gesundheits-Checks erkannt und fordern von ihren Führungskräften, sich auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Gesunde, fitte Mitarbeiter kosten schließlich weniger. Sie verursachen weniger Fehltage und sind leistungsfähiger - auch und gerade im Top-Management. Nur: Dafür muss ein wenig Zeit investiert werden. Nicht jede Führungskraft kann sich dazu aufraffen.
Olaf Tscharnezki, Leitender Betriebsarzt beim Konsumgüter-Riesen Unilever, greift deshalb manchmal gern zu Tricks. So verbündete er sich vor ein paar Jahren mit dem Deutschlandchef des Konzerns, der den hiesigen Führungskräften von seinem eigenen Check-up berichtete und ihnen gleiches empfahl. Ergebnis: 133 von 134 Leitungskräften meldeten sich in den folgenden Wochen zur Untersuchung. "Ansonsten greife ich gern humoristisch ein und verschreibe per Rezept auch mal ein paar Stunden Freizeit. Das bringt die meisten zum Lachen und vor allem zum Nachdenken, ob sie wirklich so fit sind, wie sie glauben. Mit vielen kommt man so ins Gespräch und kann sie später überzeugen, die eigene Verfassung einmal prüfen zu lassen", so Tscharnezki.
Was kann man tun?
So ein halbtägiger medizinischer Check-up zeigt mögliche Risikofaktoren auf. Eventuell wird dann eine Diagnose erstellt, eine Therapie ermittelt. Bei der großen Mehrheit der Untersuchten läuft es jedoch auf Empfehlungen hinaus: Wie kann man schwere Krankheiten vermeiden? Womit kann der Gesundheitszustand verbessert werden? Ernährungsberatung, Tipps für ein Sportprogramm, Empfehlungen für weitere präventive Untersuchungen inklusive.
"Typische" Managerleiden sind Kopfschmerzen, Magen- und Darmprobleme, Verspannungen und zu hoher Blutdruck. "Das liegt daran, dass viele einem hohen Druck und jeder Menge Stress ausgesetzt sind. Aber den meisten liegt ja die Action im Job. Erst wenn Führungskräfte den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr erkennen, wird der Körper zum Sprachrohr der Seele und meldet sich mit Beschwerden. Viele Risikofaktoren lassen sich jedoch gut beeinflussen", beruhigt Tscharnezki.
Der Kardiologe Stein, einer der Studienväter, zählt auch erhöhte Cholesterinwerte zu den weit verbreiteten Risikofaktoren. "Viele Führungskräfte ernähren sich halt nicht so bewusst. Wenn man ihnen aber deutlich macht, dass das Arteriosklerose zur Folge haben kann, horchen die meisten auf. Heute mag das Cholesterin noch kein Problem sein, auch morgen ist ein Herzinfarkt wenig wahrscheinlich, aber die meisten wollen auch in ein paar Jahren noch was vom Leben haben."
Quelle: ftd.de
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