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13.07.2010

Hugh Hefner: Die Rebellion des "Playboy"-Rentners

Von: Thorsten Schröder
Playboy-Gründer Hugh Hefner
Zoom Playboy-Gründer Hugh Hefner
© AFP
Hugh Hefner kann den Niedergang seines Lebenswerks nicht mehr mit ansehen. Er will das "Playboy"-Imperium wieder voll kontrollieren - und es zurückkaufen. Doch es gibt noch andere Interessenten.

Man ist immer so jung, wie man sich fühlt. Das gilt für niemanden so sehr wie für Hugh Hefner. Der Gründer des Magazins "Playboy" ist 84 Jahre alt - doch Hefner hat noch lange nicht ausgespielt.

Im Gegenteil: Am Montag verkündete das "Playboy"-Unternehmen, dass Hefner an einem Rückkauf interessiert sei. Hefner, der knapp 70 Prozent der A-Aktien und weitere 28 Prozent der B-Aktien des Konzerns besitzt, hat dem Unternehmen ein Angebot für die restlichen Anteile gemacht. Auf seine alten Tage zeigt der Sohn puritanischer Eltern also Mut zum Risiko. Und den braucht er. Denn das Unternehmen steckt in einer tiefen Krise.

Hefner begann seine Karriere bei dem amerikanischen Männermagazin "Esquire", das er 1952 verließ, nachdem ihm eine Gehaltserhöhung verwehrt worden war. Nachdem im Dezember 1953 die erste Ausgabe des "Playboy" mit einer Auflage von 53.000 Heften erschien, wurde die Marke mit dem Häschen schnell zu einer der bekanntesten Marken weltweit - und Hefner revolutionierte die Sexualität des prüden Amerikas. Der "Playboy" wurde das Schlachtschiff der männlichen Kultur. Ende der 50er-Jahre gingen bereits über eine Million Hefte über den Ladentisch.

1971 ging das Unternehmen an die Börse. Nur ein Jahr später erreichte das Erotikblatt eine Auflage von sieben Millionen Exemplaren - Rekord. 1982 übergab Hefner die Geschäfte an seine Tochter Christie.

Zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen längst zu einem Erotikimperium herangewachsen, zu dem neben einem eigenen Fernsehsender auch Nachtklubs, Ferienresorts und Hotels gehörten. Zum Unternehmen gehörten überdies ein Verlag, Merchandising, eine Modelagentur, ein Limousinenservice.

Der Absturz

Dann kam der Absturz. Hefner verlor die große Linie, er vergrub sich in der Detailarbeit, die Auflage des "Playboy" brach ein, 1986 schlossen die meisten der 23 Klubs wieder. 200 der rund 780 Mitarbeiter mussten gehen. Heute macht das Unternehmen nur noch ein Drittel seines Umsatzes mit seinem einstigen Aushängeschild. 2008 verkaufte Hefner erstmals Eintrittskarten für seine legendären Partys, um die Finanzprobleme in den Griff zu bekommen.

Jetzt scheint der "Playboy"-Monarch die Dinge selbst regeln zu wollen. Mithilfe der Private-Equity-Firma Rizvi Traverse Management hat Hefner, der 2003 vom britischen Männermagazin "Arena" zu einem der "50 einflussreichsten Menschen der Pornoindustrie" gewählt wurde, angekündigt, die restlichen Anteile für 5,50 Dollar pro Aktie zurückzukaufen - deutlich über dem aktuellen Kurs von zuletzt 3,94 Dollar. Insgesamt liegt der Wert des Unternehmens, das nach Jahren des Verlusts 2010 erstmals wieder Gewinn einfahren will, damit bei 185 Millionen Dollar. Aber was sind schon 185 Millionen Dollar gegen das nackte Überleben, wird sich Hefner gefragt haben.

Kurz nach dieser Ankündigung teilte Friend Finder Network, Besitzer des rivalisierenden "Penthouse"-Magazins, mit, seinen Hut ebenfalls in den Ring zu werfen. Die Offerte Hefners entspreche bei weitem nicht dem wahren Wert von "Playboy". Das Unternehmen bereitet demnach ein Gegengebot vor, das am Montagabend vorgestellt werden sollte. Die Aktien von Playboy Enterprises, dem Unterhaltungskonzern rund um das berühmteste Männermagazin der Welt, schossen mehr als 40 Prozent in die Höhe.

© 2010 ftd.de

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