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03.09.2010

Investor und Unternehmer: Der rastlose Jacobs-Sohn

Von: Gregor Kessler
Andreas Jacobs geht den Weg, den ihm sein Vater vorgezeichnet hat, aber auf seine ganz eigene, zurückhaltende Art
Andreas Jacobs geht den Weg, den ihm sein Vater vorgezeichnet hat, aber auf seine ganz eigene, zurückhaltende Art
© Tanja Demarmels
Andreas Jacobs könnte sich ganz seiner Pferdezucht und seiner Familie widmen. Stattdessen jettet der Erbe der Bremer Kaffeedynastie um den Erdball. Der 47-Jährige kontrolliert die Familienholding bis ins Detail.

Das müsste ihm doch gefallen. Zehn Tage zwischen Pferden. Galopprennen anschauen. Mit Züchtern, Käufern, Jockeys reden. Doch wenn Andreas Jacobs, im Nebenberuf Pferdezüchter, erwähnt, dass er nun schon seit Beginn der Großen Woche hier in Iffezheim sei, dann schwebt eine Spur von Ungeduld durch seine norddeutsche Höflichkeit.

Er könne sich nicht genau erinnern, erzählt er einer Mitarbeiterin seiner Sportrechtefirma Infront, wann er zuletzt länger als eine Woche am Stück an einem Ort gewesen sei. Doch seit April hat Infront die Bahn gepachtet und den Rennbetrieb aus der Insolvenz geführt. Da muss Jacobs beim ersten Großevent unter neuer Führung erst mal Gesicht zeigen.

Das gefällt ihm gar nicht. Denn im Hauptberuf ist Jacobs Dauerreisender im Beteiligungsreich seiner Familie - und das ist ein großes Reich. Jacobs Krönung und Milka-Tafeln gehören zwar schon lange nicht mehr dazu: Bereits vor 20 Jahren hat Vater Klaus den Kaffee- und Schokobetrieb in Bremen verkauft, heute gehört er dem US-Konzern Kraft. Dafür hält die in Zürich ansässige Familienholding die Mehrheit am weltgrößten Schokoladenhersteller Barry Callebaut, ein Fünftel am milliardenschweren Zeitarbeitskonzern Adecco aus der Schweiz und knapp 60 Prozent an Infront - nach IMG die Nummer zwei unter den weltweiten Vermarktern von Sportrechten.

Bei allem, was in diesen Beteiligungen passiert, will der 47-jährige Jacobs informiert sein. Bei vielem will er mitentscheiden. Weswegen er nahezu permanent unterwegs ist. "Ich möchte in der Breite wissen, was in den Unternehmen los ist, das funktioniert nicht aus einem Holdingbüro heraus", rechtfertigt er sein Reisepensum.

Alle vier Monate jettet er um den Globus und besucht die Barry-Callebaut-Tochterunternehmen auf allen Kontinenten. Etwa jedes dritte Wochenende schaut er auf dem familieneigenen Gestüt bei Bremen vorbei. Infronts Sportevents führen ihn von Kanada bis China. Und dazwischen versucht er, bei seiner Familie in Hamburg zu sein.

Offiziell ist Jacobs Präsident des Verwaltungsrats, in der Schweiz weit mehr als ein deutscher Aufsichtsratschef. "Bei den strategischen Entscheidungen, bei Finanzierungsfragen, der Kundenpflege bin ich involviert." Jacobs spricht denn auch gerne von Strategien: Barry Callebaut werde das Geschäft mit Großkunden wie Hotels und der Gastronomie "stark ausbauen. Da wird es auch Zukäufe geben." Von den Überresten des Endkundengeschäfts mit Marken wie Sarotti werde man sich mittelfristig verabschieden.

Andreas Jacobs im impulse-Video-Interview

Bei Infront hat Jacobs schon umgebaut. Mit kräftigen Zukäufen bei Wintersportrechten konterte er den vormaligen Fußballschwerpunkt des Unternehmens, bei dem Ex-Fußballer Günter Netzer im Vorstand sitzt. Schritt für Schritt kaufte Infront alles hinzu, was man braucht, um große Sportevents eigenständig durchzuführen: von der Produktion von Fernsehbildern und Bildvermarktung über Ticketverkauf bis Catering. Die Eishockey-WM auf Schalke in diesem Jahr war das erste Beispiel, jetzt soll Iffezheim das zweite werden.

Wenn alles klappt, wird die Rennbahn im kommenden Jahr wieder Geld verdienen. Das würde dann auch das heimliche Ziel des Pferdezüchters Jacobs erreichbarer machen: "Wir wären schon ziemlich enttäuscht, wenn es in zehn Jahren nicht Liveübertragungen von den Rennen hier geben wird."

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