Da ist diese Zahl. Immer wieder taucht sie auf, bestimmt alles. 100 Millionen. Das ist Michael Rieses Maßstab für Erfolg. Immer wieder spricht er davon, seit Jahren arbeitet er darauf hin, und jetzt, mit seiner neuen Firma, schafft er es endlich. 100 Mio. Euro Umsatz - fast aus dem Stand.
Michael Riese hat in den vergangenen Monaten eine Holdinggesellschaft aufgebaut, Riese Media, hat darin zwölf Kommunikationsagenturen versammelt, die nun gemeinsam Deutschlands führendes Digitalnetzwerk bilden sollen. Es sind Firmen für digitale Werbekampagnen, für die Analyse von Einträgen in Onlinenetzwerken, für Suchmaschinenoptimierung und Performance-Marketing - für fast jede Spielart digitaler Markenführung. Zusammen kommen sie 2010 auf 103 Mio. Euro Umsatz, wie Riese vorrechnet. "Das haben wir vor einem Jahr angekündigt, und das Ziel ist erreicht. Bei hoher Profitabilität." Ein Erfolg.
Riese, so scheint es, ist nach all dem Ärger endlich angekommen. Er sitzt aufrecht hinter seinem Schreibtisch, braun gebrannt, die silbergrauen Haare akkurat nach hinten gegelt. Ein wenig erinnert der 49-Jährige an den Münchner Edelbar-Betreiber Charles Schumann - ohne dessen Attitüde des Lebemanns. Mehr als 100 Mio. Euro Umsatz, damit ist seine junge Firma voraussichtlich größer als die Telekom-Tochter T-Systems Multimedia Solutions, die in Branchenrankings als Marktführer genannt wird. Und, was Riese sofort hervorhebt, damit ist seine Gruppe dreimal so groß wie Pixelpark.
Jene Berliner Digitalagentur, die ihm seine größte Niederlage bescherte. Fünfeinhalb Jahre, von 2003 bis 2008, war er ihr Vorstandschef. Pixelpark war eine Ikone im Hype um den Neuen Markt. Doch als die Blase platzte, folgten auch dort Verluste und Entlassungen. Riese kam an Bord, als die Lage aussichtslos schien. "Es hat mich trotzdem gereizt", erinnert er sich.
Seine erste Firma POB, einen Dienstleister für IT-Netzwerke, hatte er 1998 mehrheitlich an die Lufthansa verkauft und dort die Führung der Netzwerksparte übernommen. Doch nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 konnte der Konzern nicht mehr wie erhofft expandieren. Rieses Karriere stagnierte. "Da hätte ich Rechenzentrumsleiter sein können", sagt Riese. "Aber es macht ja nur Spaß, wenn man wirklich eine Geschäftsentwicklung gestalten kann."
Wie beim Sanierungsfall Pixelpark. Riese setzte eine Entschuldung durch und änderte die Strategie: "Wir haben klar gesagt: Rein organisches Wachstum funktioniert nicht. Also machen wir eine Kapitalerhöhung, und davon kaufen wir was. Das haben wir konsequent weiterbetrieben."
© 2010 ftd.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück


















