Es herrscht reger Andrang am Buffet. 16 Studenten drängen sich um Lachsbrötchen, Tomatensuppe und Süßes. Die Technische Universität Braunschweig und der Autobauer Volkswagen haben die Maschinenbau- und Designstudenten zu einem Workshop eingeladen. In einer Art Ideenwettbewerb sollen sie zusammen mit VW-Entwicklern über das Auto der Zukunft fachsimpeln - und ganz nebenbei Volkswagen kennenlernen.
Im Wettstreit um die klügsten Köpfe gehen mittlerweile viele Unternehmen in den Nahkampf und setzen, wie VW, auf Kooperationen mit den Universitäten. Ihre Mission: Die begabtesten Absolventen möglichst früh in den Hörsälen zu rekrutieren, bevor sie auf den Arbeitsmarkt kommen und von anderen umworben werden. Und weil die Universitäten keine Aufstellungen über die Leistungen ihrer Studenten herausgeben, versucht man die Ausnahmetalente in Praxisprojekten zu erspähen und an sich zu binden.
Talentscouting mit Kugelschreiber und Gummibärchen
Am zweiten Tag des Workshops an der TU Braunschweig wirbt der Autokonzern um die Talente. Eine junge Dame aus der Personalabteilung verteilt Kugelschreiber, Gummibärchen und Mappen mit VW-Logo. Sie erzählt den hoffnungsvollen Jungtalenten von Praktikumsprogrammen und Studentenjobs und zeigt ihnen Wege in den Konzern auf.
Nico Selle von der TU Braunschweig betreut das Projekt mit VW. Er sieht die Vorteile für beide Seiten: "Die Studenten treten in Kontakt zur Industrie und sammeln Erfahrungen. VW kann gleichzeitig Studenten kennenlernen, sich interessante Kandidaten näher angucken und sich überlegen, wer als Mitarbeiter in Frage käme." Solche Kooperationen, so Selle, sind nicht ungewöhnlich. Neu sei, dass so offensiv um die Studenten gebuhlt werde. "Sonst lag der Schwerpunkt eher auf dem fachlichen Projekt", sagt Selle.
Der Kampf um die frisch Graduierten wird wohl noch härter werden. In vielen Branchen können sich die Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht mehr aus einer großen Schar von Bewerbern aussuchen. Sondern sie müssen sich anpreisen und besonders um hoch qualifizierte Arbeitskräfte balzen. Vor allem Absolventen aus den Ingenieurdisziplinen befinden sich dabei in einer exzellenten Verhandlungsposition. Laut dem Verband Deutscher Ingenieure VDI blieben im Oktober über 40.000 Ingenieurstellen unbesetzt. Und die sogenannte Ingenieurlücke wird laut VDI-Prognosen noch größer werden.
Schnitzeljagd zur Erstanstellung
Für das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG geht Roman Dykta auf die Talentjagd. Er organisiert aufwendige Recruiting-events wie etwa das KPMG-Race, eine Art moderne Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer anhand von GPS-Koordinaten ihren Weg finden müssen. Acht vielversprechende Studenten will das Unternehmen so im nächsten Jahr quer durch die USA schicken. Ganz nebenbei können sich die Teilnehmer KPMG-Filialen ansehen und das Unternehmen kennenlernen. Wer mit darf, entscheidet sich in zwei Auswahlrunden im Vorfeld. Nur die Crème de la Crème der vielen Bewerber fliegt in die USA.
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