Ein bisschen Stress gehört zur Arbeit dazu. Wenn Anspannung und Überforderung jedoch zum Normalzustand werden, drohen Kreislauferkrankungen, Depressionen und Burnout. Um die längst zum Massenleiden avancierte Managerkrankheit frühzeitig zu erkennen, entwickeln Bert Anrich, Cornelia Setz und Gerhard Tröster vom Institut für Elektronik der ETH Zürich derzeit einen Apparat, der in der Lage ist, Stress zu messen und bei Überlastung Alarm zu schlagen.
Zur Bestimmung des Stresspegels werden verschiedene Indikatoren herangezogen. Die Hautleitfähigkeit an den Fingern gehört dazu, Puls und Atemfrequenz sowie die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel. Ergänzend registriert der Stress-Assistent Bewegungen von Armen, Beinen und Füßen sowie die Häufigkeit, mit der jemand seine Sitzposition verändert.
Für den nötigen Stress bei der ersten Versuchsreihe mit der experimentellen Technik sorgte eine fingierte Aufgabenstellung. 30 Probanten wurden zu einem einfachen Rechentest am Computer eingeladen, tatsächlich wurden ihnen jedoch Aufgaben gestellt, die sie zum Teil massiv überforderten. Ein Zeitlimit erhöhte den Stress zusätzlich, so dass keiner der Teilnehmer mehr als 50 Prozent der ihm gestellten Aufgaben lösen konnte.
Um den Druck weiter zu erhöhen, wurde den Testpersonen suggeriert, ihre Leistungen seien schwächer als die des Durchschnitts der Gruppe, was ihnen zudem von den Versuchsleitern auch verbal vorgehalten wurde. "Der hier simulierte Zustand kommt der Situation am Arbeitsplatz sehr nahe", sagt Roberto La Marce vom psychologischen Institut der Universität Zürich, mit dem die ETH-Forscher kooperierten.
Messung mehrerer Stressfaktoren notwendig
In 83 Prozent der Fälle erkannte der Assistent den gestiegenen Stresspegel der Probanden anhand stark zunehmender Absonderung von Fuß- und Handschweiß. Auch die Bewegungsintensität war ein guter Indikator. Bei 73 Prozent der Probanden wiesen vermehrte Signale der Drucksensoren auf dem Stuhl auf einen hohen Stresspegel hin. Bei einigen Teilnehmern war es jedoch genau umgekehrt, sie fielen in eine Art Stressstarre.
Die Forscher schließen daraus, dass in eine verlässliche Stressanalyse immer mehrere Indikatoren einfließen müssen, genauso wie der Ausschluss bestimmter Faktoren wie zum Beispiel körperliche Arbeit.
Für die präventive Überprüfung in Einzelfällen halten die Wissenschaftler ihre Methode bereits im jetzigen Stadium für praxistauglich. Bevor es zu einem breiteren Einsatz des Stresstests fürs Büro kommen kann, muss die Handhabung jedoch noch vereinfacht werden.
"Einige Sensoren sind derzeit noch zu unbequem", erläutert Bert Anrich. Doch man denke bereits über praxistaugliche Alternativen nach. So nimmt die Hautleitfähigkeit der Fußinnenseiten unter Stress ähnlich zu wie an den Handflächen. Sie könnte also auch mit speziellen Sensorsocken gemessen werden, so dass eine dauerhafte Messung des Stresspegels - ähnlich wie bei einem Langzeit-EKG - möglich wird.
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