Am Horizont ziehen im Morgenlicht die Achttausendergipfel des Himalaja vorbei wie Eisberge in einem grünen Grasmeer: Manaslu, Annapurna, Dhaulagiri. Michel Lacoste gähnt, setzt seine Olympus an. Dreht gleichgültig am Objektiv herum. Klick. Er gähnt noch einmal, schaut auf die Uhr, schließt die Augen. Um die halbe Welt ist er heute Nacht geflogen. Paris-Bahrain. Bahrain-Kathmandu. Und nun sitzt er in einer Propellerkiste von Buddha Air, die im südnepalesischen Bharatpur landen soll. Von da geht es in den Dschungel. Zu einem Krokodil.
Eigentlich müsste Lacoste vor Begeisterung jubeln. Immerhin ist er Chairman des berühmten Herstellers von Polohemden, der das Krokodil zu seinem Markenzeichen erhoben hat. "Alligator" haben sie seinen Vater in den 20er-Jahren genannt. René Lacoste, weltbester Tennisspieler seiner Zeit. So verbissen kämpfte er um jeden Ball, dass der Spitzname nahelag. Ein Mannschaftskamerad stickte ihm einen Alligator aufs weiße Sportsakko. Die Geburt eines Logos, das René Lacoste zum reichen Mann machen sollte. Er ließ das Maskottchen auf Hemden aus Baumwollpikee sticken und verkaufte sie erst an andere Sportler, dann an die ganze Welt. Die Chemise Lacoste. Ein Erfolg seit 77 Jahren, der auch den Sohn redlich nährt. Und was tut der? Er schläft.
Rettet die Wappentiere
Die Maschine sackt kurz durch. Lacoste wacht auf, schäkert mit der Fotografin in der Sitzreihe vor sich. Beide setzen ihre Kameras an, knipsen sich gegenseitig. Ein ganzer Tross folgt dem 66-Jährigen auf dem Weg in den Chitwan-Nationalpark, um seine Begegnung mit dem Reptil zu dokumentieren.
Lacoste ist die erste internationale Marke, die die Initiative "Save Your Logo" unterstützt. Jede Organisation, die 1,5 Millionen Euro über drei Jahre zum Erhalt ihres Wappentiers spendet, wird auf der Website des Vereins lobend erwähnt. Bislang beteiligen sich neben Lacoste die französische Versicherungsgruppe Maaf (Delfin), der Wintersportort Val d'Isère (Adler) und der Fußballclub Olympique Lyonnais (Löwe). Hinter der Artenschutzkampagne stehen unter anderem die Weltbank und die Global Environment Facility.
Drachenartigen Körper auf viel zu kurzen Beinchen
Save Your Logo will mit dem Geld von Lacoste diverse Krokodilprojekte finanzieren. Den Anfang macht eine Aufzuchtstation für Gaviale. In den Flüssen des Chitwan-Nationalparks an der Grenze zu Indien leben die letzten Vertreter ihrer Art. Gaviale bilden eine der drei Krokodilfamilien neben Echten Krokodilen und Alligatoren. Dass kaum jemand von den Urviechern gehört hat, verwundert nicht weiter. Vier von fünf Gavialarten sind ausgestorben, nur der Gangesgavial existiert noch. Er gilt als stark bedroht. In freier Wildbahn leben weniger als 100 Tiere.
Bizarre Wesen sind das. Wendig im Wasser, doch wenn sie es verlassen, hieven sie ihren drachenartigen Körper auf viel zu kurzen Beinchen ungelenk aufs Ufer. Wo bei anderen Krokodilen monströse Kiefer sitzen, haben Gaviale eine schmale Schnauze mit spitzen Zähnen und einem Gnubbel an der Spitze. In Nordindien kochen die Menschen mit einem Topf, an den dieser Gnubbel erinnert - dem Ghar. Und so nannten die Menschen die Gnubbelkrokodile eben "Gharial", was Zoologen aus dem Westen als "Gavial" missverstanden.
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