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09.11.2010

Wolfgang Bernhards Comeback: Das ewige Talent der Autoindustrie

Von: Heimo Fischer
Lange hatte Wolfgang Bernhard nichts zu lachen
Zoom Lange hatte Wolfgang Bernhard nichts zu lachen
© ddp
Er galt als großer Aufräumer und inszenierte sich mit Lederjacke und markigen Sprüchen. Wolfgang Bernhard wähnte sich schon ganz oben. Doch erst flog er bei Daimler raus, dann bei VW. Jetzt ist er wieder da - ausgerechnet bei seinem alten Arbeitgeber.

Automesse Detroit im Jahr 2004: Elektropop dröhnt aus den Boxen, Neonblitze zucken, ein schwarzer Sportwagen rollt auf die Bühne. Ihm entsteigt ein Mann im Smoking: Wolfgang Bernhard, Vizechef der Daimler-Tochter Chrysler. Bernhard zeigt auf das Auto und ruft: "Ladies and gentlemen, the Chrysler ME Four-Twelve super sports car" - als kündige er einen Weltstar an.

Wolfgang Bernhard, weißes Hemd, schwarze Fliege, perfekt sitzende Frisur, reibt sich die Hände, redet von der Beschleunigung des Wagens - von null auf 100 in 2,9 Sekunden! - und fühlt sich dabei sichtlich wohl. Smart wirkt er, telegen. Die Amerikaner haben ihm den Spitznamen "James Benz" verpasst. Ganz sicher genießt er das, so wie er es genießt, im Rampenlicht zu stehen.

Damals ist dem Deutschen kein Auftritt zu spektakulär, keine Pose zu extrem. Einmal fährt er zu einem PR-Termin mit Lederjacke auf einem 500-PS-Motorrad vor. Bei Daimler pflegt er den Ruf des Kostenkillers mit klarer Ansage. "Es muss Blut fließen", lässt er seine Mitarbeiter wissen. Hier in den USA soll er mit Dieter Zetsche die Tochterfirma Chrysler sanieren. Nichts, so scheint es in diesen Tagen, kann Wolfgang Bernhard aufhalten.

Heute will er nur noch eins: den harten Hund von damals vergessen machen. Und es soll niemand sagen, er gebe sich dabei keine Mühe. Bernhard hat dem laut dröhnenden Auftritt abgeschworen, den frechen Reden, den öffentlichen Veranstaltungen, er hat sich gehäutet und erneuert, duckt sich, igelt sich ein, schweigt. Ja, Wolfgang Bernhard tut alles, um nicht aufzufallen. Damit sie ihm nicht wieder vorwerfen könne, er sei ein Heißsporn und Macho, wie damals, als er erst bei Daimler rausflog und dann bei Volkswagen.

Bei Daimler haben sie ihm jetzt eine zweite Chance gegeben. Seitdem gibt es Bernhard in der Lederjacke für die Öffentlichkeit nicht mehr. Wer verstehen will, warum, muss wissen, was Wolfgang Bernhard in den Jahren 2004 und 2007 widerfuhr.

Bis 2004 scheint für ihn alles möglich im Daimler-Konzern. Der promovierte Wirtschaftsingenieur berät erst als McKinsey-Mitarbeiter das Stuttgarter Unternehmen; dann wechselt er die Seiten und fängt regulär bei Daimler an.

Mit gerade mal 33 Jahren wird er zum Montageleiter im Werk Sindelfingen ernannt. Bernhard ist nun nicht nur für 4200 Mitarbeiter zuständig, sondern auch für die Produktion der neuen S-Klasse. In dieser Zeit, erzählt er später, sei er an drei Tagen im Monat nach Büroschluss nicht nach Hause gegangen, sondern habe sich ans Band gestellt. Er wollte "das Autobauen von Grund auf lernen." Bernhard beobachtet, wie sich Motoren mit Karosserien vereinigen, riecht frischen Lack auf gepresstem Stahl und hört das Pressluftächzen der Roboter. Es ist der Beginn einer großen Leidenschaft.

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Quelle: ftd.de
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