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Der Hamburger Feinkostladen Oliviers & Co. schickt Passanten im Umkreis Botschaften und Angebote aufs Handy, um sie so in den Laden zu locken.

Der Hamburger Feinkostladen Oliviers & Co. schickt Passanten im Umkreis Botschaften und Angebote aufs Handy, um sie so in den Laden zu locken.© Arnold Morascher für impulse

Mit Beacon-Sendern ködern Geschäfte vorbeieilende Smartphone-Nutzer - die Technik soll die Lücke zwischen Online und Offlinehandel schließen. Klappt das?

Viel Liebe steckt Matthias Riedel in die Auslagen vor seinem Laden. Diese Woche soll ein in rotes Krepppapier drapiertes Ensemble aus Olivenöl Extra Vergine mit Trüffelaroma, feinstem Balsamico, edlen Trüffelpralinen und handgeschnitztem Salatbesteck aus Olivenholz die Kundschaft zu Oliviers & Co. in der Hamburger Europa-Passage locken.

Die aufwendige Dekoration kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Riedels Laden in den vergangenen Jahren an Anziehungskraft verloren hat. Lange Zeit kamen die Stammkunden sogar aus dem Umland der Hansestadt an die Alster. Doch damit ist es fast vorbei. „Das Internet nimmt uns immer mehr Geschäft weg“, sagt Riedel, der sieben Mitarbeiter in seinem Laden beschäftigt. „2014 hatten wir deutlich weniger Kunden.“ Gemessen an der Zahl der Kassenbons sei die Frequenz um 8 Prozent eingebrochen. Der Feinkosthändler fürchtet, dass es dieses Jahr so weitergeht.

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Seit einigen Monaten versucht Riedel deshalb, dagegenzuhalten und auch jene Kunden anzusprechen, die sich beim Innenstadtbummel eher von ihrem Smartphone als von Schaufensterangeboten leiten lassen. Dafür hat der Unternehmer einen kleinen weißen Sender auf einem Ladenregal angebracht. Das Gerät ist ein sogenannter Beacon – englisch für: Leuchtturm. Es ist das Versprechen eines digitalen Leuchtfeuers: Beacon soll Riedel jene Laufkundschaft zurückbringen, die er in den Weiten des Internets an den Onlinehandel verloren hat. Permanent funkt das batteriebetriebene Kästchen in Riedels Shop Signale an Smartphone-Nutzer in der Umgebung, die eine App des Hamburger Start-ups Yoints auf ihrem Telefon installiert haben. Es versorgt sie mit Produktinformationen und animiert mit Bonuspunkten zum Besuch des Ladens. So sollen wieder mehr Kunden Riedels Geschäft betreten – und das eine oder andere edle Öl kaufen.

Wie genau funktioniert das Marketing per Beacon?

Beacons sind nur der neueste Versuch, dem Marketing per Smartphone zum Durchbruch zu verhelfen. Laut einer Erhebung des Hightech-Verbands Bitkom kauften 2013 in Deutschland 51 Millionen Menschen Waren im Internet, gut jeder vierte Onlineshopper orderte per Smartphone oder Tablet. Mobile Marketingtechnologien im stationären Handel – wie Riedels Beacons – versuchen nun, die entstandene Lücke zum Onlinehandel zu schließen. Kann das klappen? impulse durchleuchtet den Trend und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Nähert sich ein Kunde mit seinem Smartphone Riedels Laden in der Europa-Passage auf etwa 30 Meter, so erscheint eine Nachricht auf seinem Display: „Olivenöl vom Feinsten finden Sie bei Oliviers & Co. Kommen Sie doch mal vorbei!“ Möglich macht das der Funkstandard Bluetooth, der von vielen Handys unterstützt wird. Betritt der angesprochene Kunde den Laden, werden ihm 20 Bonuspunkte gutgeschrieben. Die digitale Punktewährung kann Riedel selbst steuern – und so zu umsatzschwachen Zeiten höhere Prämien ausloben. Weitere Punkte können für das Scannen ausgewählter Preisschilder und Handyfotos vom Kassenbon nach dem Kauf vergeben werden.

Als Lockmittel werden beim Beacon-Anbieter Yoints bislang lediglich Bonuspunkte eingesetzt: Hat ein Kunde genügend Punkte gesammelt, kann er eine Belohnung wählen. Für 450 Punkte gibt es ein Fläschchen Nagellack, für 3000 Punkte eine Armbanduhr, für 49 000 Punkte ein iPhone. Der Nachteil aus Sicht von Ladenbesitzern: Mit Prämien aus dem eigenen Produktsortiment können die Einzelhandelspartner den Besuch ihres Ladens bislang nicht belohnen. Dabei könnten die Bluetooth-Signale der Beacons das Smartphone des Kunden im Laden zentimetergenau orten und auf Angebote im Regal vor ihm aufmerksam machen.

Beacon-Dienste für kleine Einzelhändler

„Bei den großen Ketten löst sich die Unterscheidung zwischen realer und digitaler Welt immer weiter auf“, sagt Marketing-Experte Joachim Bader von der Digitalagentur SapientNitro. „Der Kunde will überall angesprochen werden – in der Einkaufspassage ebenso wie über das Smartphone oder über den Computer zu Hause.“ Mithilfe der Beacon-Dienste könnten nun auch kleine Einzelhändler die Logik des Shoppens im Netz auf das Einkaufen in der Stadt übertragen. Denn die Internethändler wie Amazon wissen dank der beim Onlineverkauf gesammelten Daten inzwischen genauer als die Geschäfte in Fußgängerzonen, was die Kunden wünschen.

In den USA wird die Smartphone-Werbung schon als Durchbruch des mobilen Marketings gefeiert: Waren es 2014 noch 8 Prozent der US-Einzelhändler, die die kleinen Sender einsetzten, prognostiziert der amerikanische Branchendienst BI Intelligence bereits für das nächste Jahr eine Beacon-Abdeckung von 85 Prozent in den dortigen Läden.

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impulse-Magazin Februar 2015Dies ist ein Auszug aus dem impulse-Artikel „Kauf!Jetzt!Hier!Ein! Den gesamten Artikel können Sie in der Februar-Ausgabe von impulse lesen – erhältlich in unserem Onlineshop.

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