Management Klappern und Plappern: Das unterschätzte Problem im Büro

Lärm im Büro sorgt für Stress und senkt die Produktivität

Lärm im Büro sorgt für Stress und senkt die Produktivität© Getty Images

Klappernde Tastaturen und plaudernde Kollegen: Arbeitsmediziner sehen darin nicht nur ein nervendes Übel in großen Büros, sondern ein ernstes Problem - auch für die Produktivität in Unternehmen. Abhilfe können schon kleine Maßnahmen schaffen.

Klappernde Tastaturen und plaudernde Kollegen – für viele Mediziner und Wissenschaftler ist „Bürolärm“ keine Lappalie. Seit Großraumbüros in Unternehmen immer beliebter werden, wächst das Problem. „Ich halte die Höhe des Schadens und den Grad der Belästigung für unterschätzt“, sagt der Mediziner und Psychologe Markus Meis, der für das Hörzentrum der Universität Oldenburg forscht. Die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern könne durch Bürolärm um fünf bis zehn Prozent sinken. Größter Störenfried seien Gespräche von Kollegen.

Ein Büro ist beim Thema Lärm zwar nicht mit einem Stahlwerk zu vergleichen. Dort seien Mitarbeiter Lautstärken ausgesetzt, die ohne Gehörschutz zu Hörschäden führten, sagt Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Lärm im Büro habe aber eine andere Dimension: „Das wirkt sich auf das vegetative Nervensystem aus.“

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Lärm ist demzufolge ein Stressfaktor. Der Blutdruck kann steigen, es kann zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen kommen, zu Muskelverspannungen, zu Empfindlichkeiten im Magen- und Darmbereich oder zu Schlafstörungen. Bis zum Burn-out gehe es aber nicht, versichert der Betriebsarzt.

Telefongeklingel können Menschen ausblenden – Gespräche nicht

Das Lärmempfinden ist dabei sehr individuell. Es sei aber durchaus messbar, sagt Meis. Der Mediziner hat erforscht, wie die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses am Schreibtisch nachlassen, wenn sich zwei Kollegen in unmittelbarer Nähe unterhalten. „Das sind bis zu zehn Prozent.“ Niemand könne sich wirksam gegen diese Störung schützen. „Unser Gehirn richtet sich ganz automatisch auf Sprachverarbeitung aus.“ An Telefongeklingel könnten sich Menschen gewöhnen und das Geräusch sogar ausblenden. Bei Sprache funktioniere das nicht. Sie habe immer Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit – und damit auch die Leistungskraft.

Auch andere Forscher sehen dadurch ein Problem für die Konzentrationsfähigkeit. In einem Großraumbüro sei es fast unmöglich, komplexe Texte zu schreiben oder Berechnungen anzustellen, sagt Georg Brockt von der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Er wolle solche Büros nicht verteufeln, weil sie im kommunikativen und sozialen Bereich sicher Pluspunkte brächten. „Aber akustisch sind sie nicht vorteilhaft“, betont er. Und von den 12 bis 15 Millionen Büroarbeitsplätzen in Deutschland seien schon über die Hälfte keine Einzelbüros mehr – Tendenz steigend.

Für das Lärmempfinden ist auch der Freiraum im Büro ein wichtiger Faktor. „Eine Verdoppelung des Abstands bedeutet eine Halbierung des Schalls“, stellt Arbeitsmediziner Panter fest. Je enger Schreibtische in Großraumbüros gestellt würden, desto größer werde zwangsläufig auch die Lärmbelästigung. Büroangestellten haben laut Panter heute einen rechtlichen Anspruch auf etwa 8 Quadratmeter Platz – früher waren es noch 12 Quadratmeter.

Wie der Bürolärm gedämpft werden kann

Wer seine Mitarbeiter eng setze, riskiere durch mehr Lärmstörungen aber nicht nur schlechtere Leistungen, sondern auch höhere Krankenstände, sagt Brockt. Dieser Zusammenhang sei für Großraumbüros belegt.

Für den medizinischen Psychologen Markus Meis liegen die Fehler schon in der Planung eines Großraumbüros. „Lärm ist zu wenig im Visier.“ Es gehe nicht nur um Beratung und Technik, sondern auch um die Einbeziehung der Mitarbeiter. „Wenn wir gerufen werden, ist es meist schon zu spät.“ Nachbesserungen seien oft teurer und hätten weniger Effekt.

Die Lärmbelästigung in Büros auf null zu bringen, hält Meis allerdings für illusorisch. Aber durch Kombilösungen aus schallschluckenden Teppichen, Decken, Wänden, Möbeln und Pflanzen lasse sie sich erheblich reduzieren. „Rechtzeitig mitbedacht kostet das auch nicht unbedingt mehr.“ Für Arbeitsmediziner Panter sind auch natürliches Licht, ein gute Optik, angenehme Farben und ausreichend Privatsphäre wichtig für ein Büro. Denn der Wohlfühlfaktor habe auch Einfluss auf den Stresspegel – und damit auf die Gesundheit.

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