Management Kulturelle Visitenkarte: So bringen Sie Ihrem Geschäftspartner Respekt entgegen

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Nachbildung einer Schiffskarte, die der Seefahrer Zheng He verwendete

Nachbildung einer Schiffskarte, die der Seefahrer Zheng He verwendete© dpa/picture-alliance

Neunmaster, 120 Meter lang und vier Mal so groß wie das Flaggschiff, mit dem Kolumbus die Ozeane durchquerte: Mit einer gigantischen Flotte eroberte der chinesische Seemann Zheng He um 1400 die Meere. Was das mit der Unternehmenswelt zu tun hat? Einiges, sagt impulse-Bloggerin Antje Hinz.

Wir Deutschen kommen schnell zur Sache. Meist zu schnell für ausländische Geschäftspartner und zu direkt. Vor der Anbahnung eines Projektes steht in anderen Ländern eine längere Zeit des Kennenlernens, nicht zuletzt beim gemeinsamen Essen.

Neben Tischmanieren und Umgangsformen gilt die Konversation als Prüfstein und Lackmustest für ein erfolgreiches Miteinander. Bei Geschäftsessen mit internationalen Partnern gilt es, nicht nur mit fachlichen Kompetenzen zu glänzen, die das eigentliche Business betreffen.

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Landeskunde als Türöffner

Überraschen Sie Ihren Geschäftspartner mit Wissen über die Geschichte und Kultur seines Landes. Bereiten Sie sich nicht nur mit nüchternen Zahlen vor. Informieren Sie sich über wichtige historische Daten, den Nationalfeiertag, die Nationalhymne. Der Stolz auf die eigene Nation hat in anderen Ländern bekanntlich einen weitaus höheren Stellenwert als in Deutschland. Recherchieren Sie über die großen Nationalhelden der Geschichte. Machen Sie sich mit zwei bis drei wichtigen Persönlichkeiten vertraut, die das Land Ihres Geschäftspartners geprägt haben, zum Beispiel ein Erfinder, ein Politiker, ein Maler oder Künstler, ein Schriftsteller oder ein Musiker.

Geschichten über Vordenker und Wegbereiter

Greifen Sie sich die Person oder die Episode heraus, die Sie bei der Vorbereitung wirklich berührt hat. Bei chinesischen Geschäftspartnern, in der Schifffahrts- beziehungsweise Logistikbranche trifft vielleicht der Seefahrer Zheng He auf Widerhall. Kaiser Yongle vertraute ihm um 1400 seine Schiffsflotte an. In riesigen Trockendocks bauten die Chinesen fast 1700 gigantische Hochseedschunken, Neunmaster, die flach im Wasser lagen. Sie waren 120 Meter lang, vier Mal so groß wie das Flaggschiff, mit dem Kolumbus 80 Jahre später die Ozeane durchquerte. Mit Zheng He an der Spitze der Flotte stieg China binnen weniger Jahre zur größten See- und Handelsmacht der Welt auf. Der Flottenadmiral kommandierte bald eine Besatzung von über 50.000 Mann und handelte zwischen Asien und Afrika mit exotischen Waren, mit Seide und Tee, Lackwaren und Papier, Jade und feinstem Ming-Porzellan.

Im 17. Jahrhundert wurden die Niederländer zu einer führenden Handels- und Erfindernation. Sie setzten Maßstäbe in Wissenschaft und Handwerk – mit geschärftem Blick: Die Niederländer bauten die ersten Mikroskope und Fernrohre. Sie druckten die meisten Bücher in Europa und malten mehr Bilder als jede andere Nation, das Bürgertum vergewisserte sich so seiner Taten und Leistungen. Viele gesellschaftliche Vordenker waren Niederländer: Hugo Grotius gilt als Vater des Völkerrechts. Erasmus von Rotterdam vertrat die Meinung, dass man das Leben weniger durch göttliche Gnade als durch Übernahme von Verantwortung meistern solle. Der Religionskritiker und Optiker Baruch de Spinoza sah den „Zweck des Staates“ darin, „die Freiheit aller zu garantieren“. Heinrich Heine schrieb folgerichtig: „Alle heutigen Philosophen sehen, vielleicht ohne es zu wissen, durch die Brillen, die Baruch de Spinoza geschliffen hat.“

Sie merken: Es bereitet großes Vergnügen, Geschichten über herausragende Personen und ihre kulturhistorischen Leistungen zu erzählen. So erscheint auch das von Ihnen geplante, zukünftige Projekt in einem positiven Licht und Umfeld, das mit Kompetenz und Leidenschaft verwirklicht werden will.

Persönliche Begeisterung nutzen

Stimmen Sie sich auf das Zusammentreffen mit Ihrem Geschäftspartner auch emotional ein: mit einer landestypischen Musik oder einem identitätsstiftenden Roman. Bereiten Sie eine kleine Geschichte vor und berichten Sie beim Essen, was Sie ganz konkret fasziniert und berührt hat. Ihre aufrichtige Sympathie wird sich Ihrem Gegenüber völlig anders vermitteln als zwanghaft auswendig gelernte Fakten. Wenn Sie Land und Leute bereits kennen, wird es Ihnen ohnehin leicht fallen, über schöne Erlebnisse, besuchte Sehenswürdigkeiten oder Landschaften zu sprechen.

Transfer: von der Kultur zum Geschäft

Zeigen Sie, dass Sie nicht nur auf das eigentliche Projekt fixiert sind, sondern ebenso interessiert an Ihrem Geschäftspartner, an seiner Kultur und der Geschichte seines Heimatlandes. Demonstrieren Sie, dass Sie ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben und auch im Rahmen einer späteren Zusammenarbeit ehrlich, gründlich und verlässlich sein werden.

Setzen Sie bewusst auf weiche Faktoren und hinterlassen Sie beherzt „eine kulturelle Visitenkarte“! So bringen Sie Ihrem Geschäftspartner Achtung und Respekt entgegen. Mit dem wunderbaren Nebeneffekt, dass Sie selbst etwas dazulernen, Ihren Horizont erweitern und Ihr eigenes Leben durch Wissen bereichern.

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