Management [Leseprobe] Geschenke und Lob – Wie Sie Mitarbeiter richtig motivieren

Sie erhalten nicht nur die Freundschaft. Hübsch verpackte Geschenke motivieren Mitarbeiter zu 30 Prozent mehr Leistung. Ähnlich kann ein Lob wirken. Eine Leseprobe aus der aktuellen impulse Wissen.

Bis kurz vor Mitternacht quälten sie sich mit Verfahrensbeschreibung Nummer 798. Seit Wochen bestand die Freizeit von Nicole Kobjoll und acht ihrer Mit­ arbeiter aus Prozessen, Normen, Kennzahlen – ISO­-Einführung. Ein anstrengender Prozess, manchmal dröge. Doch St. Moritz ließ sie weiter­ machen. Bald würden sie die schneebedeckten Hänge des Oberengadin hinabsausen. Diese Beloh­nung hatte das Team vorher verabredet: fünf Tage Snowboard-­Urlaub in der Schweiz, auf Rechnung der Firma.

Den Umweltstandard ISO 14001 einzuführen kos­tet ein Unternehmen in der Regel mehr als ein hal­bes Jahr Zeit. Es gilt, die hauseigene Umweltpolitik und konkrete Ziele festzulegen sowie ein entspre­chendes Managementsystem einzuführen. Der Schindlerhof, ein Tagungshotel am Stadtrand von Nürnberg, schaffte all das in nur zehn Wochen.

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Unternehmerin Kobjoll und ihre Mitarbeiter, die das Projekt umsetzten, ackerten ausschließlich in ihrer Freizeit. „St. Moritz war natürlich viel teurer, als wenn wir einfach die Stunden bezahlt hätten“, sagt Kobjoll. Aber auch viel wirksamer: In arbeits­reichen Nächten spornte der Gedanke an den Urlaub das Team an. Deutlich mehr als jede Sonderzahlung.

Gehalt kann nicht auf lange Sicht motivieren

Dass das Gehalt nicht geeignet ist, die Motivation auf lange Sicht zu steigern oder zumindest zu erhalten, ist bekannt. Ein geregeltes Einkommen kann höchstens demotivieren, wenn es zu niedrig ist. Dieses Phänomen beschrieb der US­-amerikani­sche Psychologe Frederick Herzberg bereits 1959 in seiner Zwei-­Faktoren­-Theorie. Das Gehalt sei demnach ein „Hygienefaktor“, der lediglich die Entstehung von Unzufriedenheit verhindern kön­ne.

Eine völlig andere Wirkung haben Geschenke. Die Wissenschaftler Sebastian Kube, Michel André Maréchal und Clemens Puppe vom Karlsruher Institut für Technologie haben in einer aktuellen Studie die Wirkung von Präsenten auf die Produk­tivität von Arbeitern untersucht. Sie gingen dabei einen neuen Weg, indem sie den Motivationseffekt von Geschenken genau quantifizierten.

Die Forscher heuerten Studenten an, um Biblio­theksbücher zu katalogisieren. Die Probanden wussten nichts von dem Versuch. Alle bekamen 12 Euro Stundenlohn, einige aber ein Schmankerl obendrauf: Eine Gruppe erhielt als Geschenk eine Lohnerhöhung von 7 Euro, eine andere eine Ther­moskanne von gleichem Wert, eine dritte Gruppe durfte zwischen beiden Optionen wählen.

Das Ergebnis: Die Thermoskanne – ein schlichtes Metallexemplar, gehüllt in Zellophan und mit gelb­blauem Geschenkband verziert – führte zu ei­ner Produktivitätssteigerung von 25 Prozent. Das Geld auch – aber nur in der Gruppe, die wählen durfte (und in der sich mehr als 80 Prozent der Teilnehmer gegen die Thermoskanne entschieden). Die simple Lohnerhöhung dagegen, obwohl von identischem Wert, brachte im Versuch keine nennenswerte Produktivitätssteigerung.

Mit Liebe geschenkt

Die Forscher folgern daraus, dass die Mühe zählt. Also die Zeit und der Aufwand, den der Arbeitgeber in das Geschenk investiert hat. So erklärt sich auch der Spitzenreiter im Karlsruher Experiment: das Moneten-Origami. 30 Prozent Produktivitätssteigerung rief es hervor. Die Arbeiter in dieser vierten Gruppe bekamen als Geschenk ebenfalls 7 Euro – aber zu einem Kunstwerk geformt: ein 5-Euro-Schein, gefaltet in Form eines Hemdes, darüber eine 2-Euro-Münze mit aufgemaltem Gesicht als Kopf.

Auf der einen Seite 7 Euro, die keine Mehrleistung hervorrufen, auf der anderen Seite 7 Euro, die 30 Prozent mehr Produktivität zaubern. Der Versuch beweist: Sich Gedanken über die Art von Mitarbeitergeschenken zu machen lohnt sich.Kleine Geschenke bis 40 Euro sind dabei in der Regel steuerfrei. Bei wertvollen Präsenten stellt sich die Situation schwieriger dar.

Die Chefs des Schindlerhofs etwa wollten einmal allen Mitarbeitern, die an der Bewerbung für den European Quality Award mitgearbeitet hatten – der höchsten Auszeichnung, die der Betrieb je gewonnen habe, sagt Kobjoll –, eine Uhr von Jaeger LeCoultre schenken. Die ist mehrere Tausend Euro teuer. Um den Mitarbeitern nicht zuzumuten, Lohnsteuer für das Geschenk abzuführen, musste der Uhrenüberlassungsverträge ausklügeln.

Heute gibt es keine solchen „Standardgeschenke“ mehr. Die rund 70 Mitarbeiter des Schindlerhofs bekommen seit etwa einem Jahr … [Leseprobe Ende]

 

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