Management Manfred Roth: vom Handwerker zum Global Player

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Manfred Roth vor seiner Firmenzentrale in Dautphetal

Manfred Roth vor seiner Firmenzentrale in Dautphetal© Unternehmen

Vom kleinen Handwerksbetrieb zum internationalen Unternehmen mit 1100 Mitarbeitern: Wie gelingt solch ein Wachstum? Manfred Roth über Schlüsselentscheidungen - und schlaflose Nächte.

Herr Roth, als Sie 1961 im Handwerksbetrieb Ihres Vaters anfingen, begann ein spektaku­läres Wachstum. Nachdem der Jahresumsatz in den 1960ern von circa 200.000 Mark auf 8 Millionen Mark gestiegen war, verzehnfachten Sie ihn noch einmal bis zum Ende der nächsten Dekade. Heute beschäftigen Sie weltweit 1100 Mitarbeiter. Wie kam es dazu?

Ende der 1960er stellte sich heraus, dass Stahlheizöltanks große Korrosionsprobleme hatten. Sie rosteten zum Teil schon innerhalb eines Jahrzehnts durch. Ich musste entscheiden: Bleiben wir beim Stahl, oder wagen wir den großen Schritt in eine neue Technologie?

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Wie trafen Sie diese Schlüsselentscheidung?

Es bildeten sich verschiedene Verfahren heraus, die ich genau untersuchte. Damals standen die
Wickelmethode für Tanks aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die Rotation für Polyamid-Behälter und das Blasformverfahren für Polyethylen-Tanks zur Auswahl. Mir war klar: Wir können nur bestehen, wenn wir das rationellste Verfahren wählen.

Wie viel Geld mussten Sie investieren?

Alles eingerechnet circa 8 Millionen Mark.

Das entsprach etwa einem Jahresumsatz.

Ja, das war unser Umsatz in 1970, dem letzten Jahr unserer Stahltank-Ära. Die Finanzierung war äußerst schwierig. Aber wir hatten ein gutes Verhältnis zu Banken. Auch das Land Hessen war bereit, das Projekt zu unterstützen.

 

Roth Industries
Die Wurzeln des Mittelständlers aus dem hessischen Dautphetal reichen bis 1947 zurück. Heinrich Roth, Andreas und Christian Bögel gründeten einen Handwerksbetrieb, der Waschkesselöfen herstellte. In den 1960ern übernahm Familie Roth sämtliche ­Anteile. Nach dem Tod des Vaters Heinrich Roth 1969 schuf Sohn Manfred aus der Firma eine internationale Gruppe mit 1100 Mitarbeitern und einem Umsatz von aktuell circa 220 Millionen Euro. Schwerpunkt: Energie- und Sanitärsysteme, An­lagen- und Maschinenbau.Familienunternehmen

Die operative Führung hat Manfred Roth, 75, an einen externen Geschäftsführer und seine drei Kinder abgegeben, die wie er 25 Prozent der Firmenanteile halten.

 

Wie konnten Sie sicher sein, dass dies der richtige Schritt war?

Das zu entscheiden war mutig. Ich war gerade 30 Jahre alt geworden. Aber ich war hundertprozentig vom Erfolg überzeugt. Ich kannte ja die Probleme mit den Stahltanks. Wir hatten einen Marktanteil von weniger als 5 Prozent und produzierten circa 100 Stück am Tag, das waren etwa 20.000 Behälter im Jahr. Der Markt war aber deutlich größer, er lag allein in Deutschland bei etwa 600.000 Stück, ganz zu schweigen vom Ausland. Die erste Wirtschaftlichkeitsrechnung skizzierte ich auf einem Bierdeckel. Es ließ sich ja leicht ausrechnen, wann sich die Investition amortisieren würde. Die Zeit war reif für einen neuen Werkstoff.

Und das Risiko groß …

Ja, die Entscheidung fiel 1969 auf meiner Hochzeitsreise, als ich mir auf dem Weg in die Schweiz die Herstellung von Weintanks aus glasfaserverstärktem Kunststoff anschaute. Obwohl es sich um eine Serienfertigung handelte, war sie – wie auch die Rotation – der vollautomatischen Produktion von Polyethylen-Behältern weit unter­legen. Wir mussten das wagen, auch wenn es ein Kraftakt war: Schwierig war es auch, ein geeignetes Grundstück mit Ausdehnungsfläche zu finden. Wegen der Erbteilung in Hessen sind die Grundstücke sehr klein. Ich habe circa 30 Grundstücke gekauft, zum Teil verhandelte ich mit Bauern in Kuhställen. 1971 bauten wir hier in Buchenau unsere erste Halle. Auch Mitarbeiter anzuwerben war nicht leicht. Es herrschte ja Vollbeschäftigung.

Das ist mehr als 40 Jahre her. Was können Unternehmer davon heute noch lernen?

[…]

 

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