Blogger ansprechen 12 Todsünden bei der Zusammenarbeit mit Bloggern

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Heiß begehrt: Unternehmen versprechen sich von Bloggern preiswerte PR. Aber wie kann man die Online-Schreiber ansprechen?

Heiß begehrt: Unternehmen versprechen sich von Bloggern preiswerte PR. Aber wie kann man die Online-Schreiber ansprechen?© bonninturina / Fotolia.com

Wie können Unternehmen Blogger für sich gewinnen? Unternehmerin Béa Beste hat sich bei denen umgehört, die es wissen müssen: den Bloggern selbst. Und zwölf Todsünden gesammelt, die man vermeiden sollte.

Zum PR- und Social-Media-Instrumentarium gehört auch die Blogger-Ansprache. Und genauso hölzern und unpersönlich, wie manche Unternehmen ihren Social-Media-Auftritt angehen, so ungelenk sprechen sie auch oft Blogger an. Doch während Kunden und Konsumenten die Steifheit und Gekünzeltheit manches Facebook-Posts oder Tweets in der Regel mit Gleichgültigkeit und Nichtbeachtung strafen, ist es bei Bloggern ganz anders: Liebe Kommunikationsmenschen in den Unternehmen, hier können Sie massiv in die Fettnäpfe stampfen! Denn Blogger sind meist solidarisch und sehr kommunikativ. Wer hier Mist baut, der erntet in den verschiedenen Austauschforen Spott und Häme …

An dieser Stelle haben sich einige befreundete Bloggerinnen bereit erklärt, einige Tipps zu geben, welche Fehler Unternehmen unbedingt vermeiden sollten. Die ersten sechs Todsünden stammen von Henriette Zwick.

Todsünde 1: Kein persönliches Anschreiben

„Blogger sind keine Redakteure in einem großen anonymen Presseverteiler! Wenn der Schreiber meinen Blog so gern liest, warum ist er nicht in der Lage, meinen Namen zu finden, der auf der Startseite steht?“

Todsünde 2: Annehmen, dass der Blogger das Thema dankbar aufgreift

„Schlimm sind reine Pressemitteilungen mit dem Hinweis: ‚Wir freuen uns schon auf den Link zum Beitrag.‘ Getreu dem Motto: Der Blogger schreibt sowieso, der freut sich über kostenlosen Input …“

Todsünde 3: Nicht zahlen

„Ein Blog ist die ideale Plattform, um Leser, die der Zielgruppe entsprechen, perfekt zu erreichen. Anhand der Klicks sehe ich sofort den Erfolg, im Gegensatz zu einer teuren Anzeige im Magazin ohne Feedback. Werbung sollte entlohnt werden. Und zwar angemessen! Nicht mit zwei T-Shirts. Oder bezahlt das Unternehmen so seine Miete?“

Todsünde 4: Den Blogger für doof verkaufen

„Auch Blogger müssen bezahlte Beiträge als Werbung kennzeichnen. Das sollte man als seriöses Unternehmen wissen und nicht darauf bestehen, dass Blogger die Werbung als ihren eigenen Inhalt ausgeben.“

Todsünde 5: Von Zahlen blenden lassen

„Nicht immer ist der Blogger mit den tollsten Zahlen derjenige, der am besten passt. Fans und Follower kann man sich leicht erkaufen.“

Todsünde 6: Auf seriöse Anfragen von Bloggern nicht reagieren

„Manche Unternehmen antworten zum Beispiel nach Erhalt der Media-Daten gar nicht mehr. Das ist unhöflich!“

Henriette Zwick, alias Super-Mom, bloggt über Familienthemen.

Todsünde 7: Schlecht recherchieren

„So ziemlich jeder Blogger kann ein Lied von den schlechten Anschreiben singen. Mein persönliches Highlight ist stets ‚Hallo liebes Runzelfüßchen‘. Dann folgt der Absatz, wie lange und gern man meinen Blog denn schon lesen würde. Wenn, ja wenn dem so wäre, dann würden diese Damen und Herren wissen, dass ICH ganz sicher nicht das Runzelfüßchen bin. Sondern meine Tochter.“

Andrea Zschocher ist freie Journalistin und betreibt seit der Geburt ihrer Tochter den Blog Runzelfuesschen.

Todsünde 8: Schleimen

„Nervig finde ich Mailings ohne persönliches Anschreiben, Duzen ohne mich zu kennen oder mit so lapidaren Schein-Komplimenten wie ‚Dein Blog sieht schön aus!‘ Was soll das? Bin ich zwölf, oder was? Wenn der Blog wirklich gefällt, dann sagen Sie, was genau Sie gut finden. Es braucht keine schalen Komplimente, um mich milde zu stimmen.“

Auch Sonja Lehnert, Autorin und Betreiberin des  Mama notes Blogs, warnt davor, den ersten Eindruck gehörig zu vermasseln.

Todsünde 9: Schludrigkeit

„Es kam schon vor, dass ich mit komplett falschem Namen angeschrieben wurde. Wieso sollte ich darauf positiv oder überhaupt reagieren?“

Michelle Weber vom Blog Kamikazefliege.de empfiehlt etwas mehr Sorgfalt.

Todsünde 10: Blogger wahllos anschreiben

„Anfragen, die sich offensichtlich gar nicht mit meinem Inhalt beschäftigt haben, stoßen mir sauer auf. Dabei meine ich nicht: ‚Wir finden, dass Dosenfutter für Kaninchen zu Ihnen passt‘, sondern PRler oder Firmen, die leider nicht die Zeit hatten, um mal genauer hinter einen Blog zu schauen. Nur weil ich im Winter einmal übers Backen blogge, ist ein Fotobuch zum Thema Backrezepte bei mir keine gute Platzierung. Das merkt man schnell, wenn man Zeit hat, sich ein bisschen durchzuklicken. Wenn aber die PR-Firmen entweder keine Zeit für die Recherche haben, und / oder dafür nicht von ihren Auftraggebern bezahlt werden, dann verstopfen solche Mails bei mir nur den Posteingang.“

Katarina Fiebelkorn von Blogprinzessin.de findet, dass Unternehmen sich die Blogs wirklich anschauen sollten.

Todsünde 11: Unkonkrete, plumpe Anschreiben

„Wir haben einen Familienblog: Mann und Frau gemeinsam. Warum kriege ich dann so komische, unpersonalisierte Anfragen, die nichts mit meinem Thema zu tun haben? Lustige Anfragen, die mich direkt ansprechen, haben es auf jeden Fall leichter. Wichtig ist auch, dass man das Angebot gleich in den ersten Mailkontakt hineinschreiben sollte. Ich habe nicht immer Lust, mich in etlichen Nachfragen neu zu positionieren.“

Bloggerin Alu Kitzerow von Große Köpfe wünscht sich mehr Witz und Information.

Todsünde 12: Freche Angebote machen

„Ich habe eine Anfrage eines Verlages bekommen. Sie möchten gerne einen beliebten Beitrag von mir (Thema Upcycling) in einem Buch veröffentlichen. Zusammen mit 59 anderen Ideen von Bloggern. Man fühlt sich im ersten Moment sehr geschmeichelt. Bis es zu den Bedingungen kommt: Man soll den Text neu schreiben, ans Buch anpassen und druckfähige Bilder schicken. Als Aufwandsentschädigung bekommt man 50 Euro und natürlich das fertige Buch, das in drei Monaten erscheinen soll. Ich habe großes Verständnis für die Verlage, die an jeder Ecke sparen müssen. Aber im Gegenzug auf diese Art und Weise billig Content zu beschaffen, finde ich frech.“

Susanne Hausdorf von Ichlebejetzt.com beschreibt, wie manche Unternehmen Blogger abspeisen wollen.

Blogger sind keine Billigschreiberlinge, die auf Ihre Pressetexte und Produkte warten

Wer davon ausgeht, dass die Blogger nur Hobbyschreiberlinge sind, die alles zum puren Spaß betreiben, hat die ganze Sache nicht verstanden. Blogger sind oft Kommunikationsprofis, meist selbst aus der PR- und/oder Journalismusbranche, die einfach die Freiheit und Individualisierung der digitalen Medien gezielt einsetzen, um eigene Gedanken, Meinungen und Rechercheergebnisse einem interessierten Publikum zu präsentieren. Frei von den Vorgaben eines Chefredakteurs oder den Werbetreibenden.

Wer glaubt, dass er ihnen mit Produkten, vorgefertigten Texten oder Werbegeschenken zu „Mehrwert“ verhilft, irrt gewaltig. Der einzige Mehrwert, den man ihnen bieten kann, ist zu verstehen, warum sie bloggen und was sie begeistert, und ihnen in diesem Sinne gute Deals anzubieten.

Mein Weg zu den Bloggern: selbst bloggen

Zum Schluss noch eine persönliche Erfahrung: Dadurch, dass ich selbst einen Blog betreibe, habe ich erst recht die Arbeit der BloggerInnen kennen und schätzen gelernt. Ich weiß, wie gut Wertschätzung für die eigene Thematik tut, wie wunderbar sich eingehende Kommentare und Verlinkungen anfühlen. Bloggen ist auch ein Austauschmittel – ich kann Sie nur ermuntern: Probieren Sie es aus! Mit den Bloggern haben Sie Meinungsmultiplikatoren an Ihrer Seite, die extrem authentisch ihre Zielgruppe mit präzisen Botschaften erreichen – wenn sie Bock darauf haben.

 

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Mehr zum Thema Influencer-Marketing in der impulse-Ausgabe 03/16: Wie die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bloggern gelingt, wie Sie gute Blogs erkennen und welche rechtlichen Rahmbedingungen gelten.

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impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
3 Kommentare
  • Eddy 2. März 2015 11:20

    Eine gute Aufstellung. Man sollte sie auf einer eigenen Webseite zusammenfassen, damit Firmen, die sich an das Thema Blogger-Relations wagen wollen, davon profitieren. Wir Blogger hätten ja auch was davon: Win-Win-Situation also 🙂

    Dass es aber durchaus auch sehr gelungene Kontakt-Aufnahmen gibt, habe ich erst kürzlich erlebt – und hier in einem Blogpost zusammengefasst.

    Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel? (Oder: so funktionieren Blogger-Relations!)

    http://www.eduard-andrae.de/wer-braucht-nahrungsergaenzungsmittel/

  • Christian Faltin 9. Dezember 2014 17:34

    Schöne Zusammenstellung. Wenn man das Ganze ins Positive umdreht, dann kommen 7 Tipps für erfolgreiche Beziehungen zwischen Bloggern und Unternehmen heraus: http://www.cocodibu.de/2014/12/7-tipps-fuer-erfolgreiche-blogger-relations/

    • Béa Beste 22. Dezember 2014 17:52

      Dankeschön! Ich habe aufgegriffen, was gerade herum schwebte…. und da mussten die Bloggerinnen etwas dampf ablassen. Wir machen dann eine Neuauflage mit richtig guten Tipps!

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