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Snapchat Was Unternehmen über Snapchat wissen sollten

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Der weiße Geist auf gelbem Hintergrund symbolisiert die Besonderheit der App Snapchat: Wie von Geisterhand verschwinden Bilder und Texte nach kurzer Zeit wieder.

Der weiße Geist auf gelbem Hintergrund symbolisiert die Besonderheit der App Snapchat: Wie von Geisterhand verschwinden Bilder und Texte nach kurzer Zeit wieder.© Inga Kjer / dpa

Alle reden über Snapchat - doch hat die digitale Plattform auch für Unternehmen Potenzial? Und was ist überhaupt das Besondere an Snapchat? Ein Überblick für Einsteiger.

Was ist das Besondere an Snapchat?

Snapchat ist alles in einem: Foto- und Video-App, Messenger und digitales Netzwerk. Das Besondere daran: Verlässt ein Nutzer bei Snapchat die Unterhaltung mit einem seiner Kontakte, sieht er bei der Rückkehr in den Chat vor sich nur einen leeren Bildschirm. Diese Flüchtigkeit von Informationen ist eine der wichtigsten Merkmale der Social-Media-App Snapchat. Nicht ohne Grund zeigt ihr Logo einen weißen Geist auf gelbem Hintergrund – die Chats verschwinden wie von Geisterhand.

„Snapchat bedient das Bedürfnis des digitalen Radiergummis“, sagt Nina Wicke, die an der TU Braunschweig Online-Kommunikation erforscht. Der digitale Radiergummi zeigt sich bei Snapchat so: Videos oder Bilder aus Chats mit Bekannten werden einmal angezeigt und können danach noch einmal wiederholt werden. Dann sind sie weg. Mit anderen Nutzern ausgetauschte Textnachrichten verschwinden, wenn man den Chat verlässt.

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Bilder und Videos – bei Snapchat werden sie „Snaps“ genannt – können auch in der „Story“ geteilt werden, die ein bisschen mit der Timeline von Facebook vergleichbar ist. Nutzer können hier Snaps aneinanderreihen und auf diese Weise Geschichten erzählen – für 24 Stunden. Dann verschwinden die Filmchen wieder.

Lohnt sich Snapchat auch für Unternehmen?

Lange war Snapchat ein ausschließlich unmittelbares Medium: Aufgenommene Fotos oder Videos konnten nur direkt geteilt werden. „Die Inhalte waren damit nie so clean wie bei Instagram, sondern direkter und persönlicher“, sagt Kösterke. Anfangs war Snapchat vielerorts besonders zum Austausch eher freizügiger Bilder beliebt. Inzwischen hat Snapchat den Grundsatz von Unmittelbarkeit und Flüchtigkeit aufgeweicht: mit der Einführung der Funktion „Memories“. Damit können Nutzer Bilder und Videos von ihrem Gerät in die App laden, bearbeiten und dann in der Story teilen. Das war bisher nur im Chat mit anderen Nutzern möglich. Snapchat-Puristen kritisieren diese Entscheidung.

Wer Snapchat mit kommerziellen Interessen nutzt, etwa Unternehmen, profitiert dagegen von dieser Funktion. Inhalte lassen sich noch gezielter vorbereiten und streuen. „Viele Firmen nutzen Snapchat, um Einblicke hinter die Kulissen zu geben und Produkte zu promoten“, sagt Kösterke. Wie etwa der Ledertaschen-Hersteller Gusti Leder Snapchat in sein Marketingkonzept integriert – und was es wirklich bringt, erzählt Unternehmer und impulse-Blogger Christian Pietsch in dem Artikel „Snapchat-Strategie: Wie wir Snapchat fürs Marketing nutzen“.

Nina Wicke sagt, dass gerade für Unternehmen Snapchat noch interessanter werden wird – also im kommerziellen Bereich wachsen wird. Zahlreiche Medien sind bereits auf Snapchat aktiv und bieten maßgeschneiderte Geschichten an: Diese lassen sich über die „Discover“-Funktion erkunden, sind aber – wie Story-Inhalte auch – nur 24 Stunden verfügbar.

Welche Zielgruppe erreicht man über Snapchat?

Snapchat soll inzwischen rund 150 Millionen Nutzer haben. Damit hat die im Herbst 2011 veröffentliche App schon mehr Nutzer als Twitter. Vor allem junge Leute snappen. „Das liegt an ihrem Spaßfaktor, die unter anderem die Bildgestaltung bietet“, glaubt Kösterke. Der ständige Austausch des eigenen Lebens sei bei jungen Leuten Standard, sagt sie. Und Snapchat sei dafür die ideale Plattform.

Die App macht es Jugendlichen möglich, Freunde an ihrer Alltagswelt teilhaben zu lassen, sagt Forscherin Nina Wicke. „Auch an den ungeschönten Momenten.“ Dass Snapchat sich gerade unter jungen Menschen verbreitet, erklärt sie sich so: Jugendliche orientieren sich in ihrem Handeln sehr an ihrem Freundeskreis. Wenn viele ihrer Freunde einen Dienst nutzen, wollen sie eben auch daran teilhaben.

Strohfeuer oder Dauerbrenner – wie viel Potenzial hat Snapchat?

Gerade die Innovationen der App – wie etwa die flüchtige Story – und die vielfältigen Filter und Bearbeitungsmöglichkeiten von Bildern und für die maximal zehnsekündigen Videos machen Snapchat interessant. Bekannt ist zum Beispiel die Funktion „Lenses“: Diese Filter lassen aus einem Mund etwa einen Regenbogen fließen oder verwandeln das Gesicht in eine Honigbiene. Snapchat tauscht diese Filter regelmäßig und kreiert neue Varianten, damit die Funktion interessant bleibt. Das ist manchmal skurril, aber eigentlich immer lustig. Allerdings braucht man für die Gesichtsfilter mindestens Android 4.3 oder ein iPhone 4S. Auch wegen der stetigen neuen Features, die die Entwickler der App spendieren, glaubt Kösterke an eine längere Zukunft der App: „Snapchat wird bleiben.“

Was sollte man beim Einstieg auf Snapchat wissen?

Ein wirkliches Menü gibt es bei Snapchat nicht, man wischt zwischen den Anwendungen hin und her – einsteigerfreundlich ist anders. Ebenso haben Snapchatter kein eigenes Profil zum Durchsuchen, wie etwa bei Facebook oder Instagram. „Auch Hashtags und Markierungen fehlen“, sagt Kösterke. Im ersten Moment könne Snapchat daher ziemlich überfordernd sein, warnt Kösterke: „Man muss der App sicher erstmal eine Chance und etwas Zeit geben.“


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