Visitenkarten-Knigge Wie Ihre Visitenkarten bei Kunden und Geschäftspartnern punkten

"Die Visitenkarte ist ein Qualitätsdinosaurier", sagt Knigge-Experte Jan Schaumann. Der Visitenkarten-Knigge hilft, erfolgreich mit neuen Kunden und Geschäftspartnern zu kommunizieren.

"Die Visitenkarte ist ein Qualitätsdinosaurier", sagt Knigge-Experte Jan Schaumann. Der Visitenkarten-Knigge hilft, erfolgreich mit neuen Kunden und Geschäftspartnern zu kommunizieren.© www.moo.com

Welche Infos gehören auf Visitenkarten und worauf kommt es bei der Gestaltung an? Wie übergibt man sie stilvoll? Und warum darf man sie nicht in die Hosentasche stecken? Unser Visitenkarten-Knigge.

impulse: Herr Schaumann, braucht man heute noch Visitenkarten?

Knigge-Experte Jan Schaumann: Wenn wir ehrlich sind, gibt es keine Notwendigkeit mehr für eine Visitenkarte, genau wie es keine Notwendigkeit dafür gibt, einen Oldtimer zu fahren. Wir haben alle E-Mails mit einer Signatur, wir haben alle ständig unsere Smartphones in der Hand und Profile in den sozialen Netzwerken. Das ist viel unkomplizierter als eine Visitenkarte. Denn die macht dem Empfänger vor allem erst mal eines: Arbeit. Schließlich ist es Aufwand, die Daten abzutippen oder einzuscannen.

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Aber dennoch ist die Visitenkarte noch nicht ausgestorben.

Das stimmt. Und ich denke, aus drei Gründen: Erstens ist sie praktisch. Wenn ich mich abends auf einer Veranstaltung unterhalte, ist es komisch, wenn für den Austausch der Daten plötzlich beide Beteiligte das Smartphone zücken. Eine Visitenkarte ist da fixer: schnell übergeben, fertig. Zweitens erleichtert die Karte es sehr, sich den Namen neuer Kunden oder Geschäftspartner zu merken. Man legt sie in der Besprechung vor sich auf den Tisch und hat die Namen präsent. Der dritte Grund ist der Wichtigste: die Symbolkraft.

Was meinen Sie damit genau?

Die Übergabe der Visitenkarte steht symbolisch für Vertrauen. Wir vertrauen unserem Gegenüber Informationen an, die nicht jeder bekommt: zum Beispiel Durchwahl oder Adresse. Indirekt wird dem Empfänger vermittelt: „Ich traue Dir zu, respektvoll mit meinen Daten umzugehen, und freue mich, mit Dir in Kontakt zu sein.“ Vergleichbar ist diese Übergabe mit dem Band, das bei der Eröffnung eines Gebäudes durchgeschnitten wird. Auch hier ist die Symbolik wichtiger als der Nutzen.

Gibt es Regeln für die Gestaltung einer Visitenkarte?

Mit Visitenkarten wollen wir uns vor allem präsentieren, deshalb sollten sie einen hochwertigen Eindruck machen. Das ist wie mit der Kleidung: Wir ziehen uns im Job ja auch gut an, um akzeptiert zu werden. Bei der Visitenkarte sind deshalb Papier und Design wichtig. Standardpapier reicht völlig aus, es muss nicht der dreilagige Karton sein – aber es sollte angenehm in der Hand liegen, das Design durchdacht sein. Was gar nicht geht: Werbung auf der Rückseite der Karte, weil der Anbieter sie dann günstiger oder umsonst druckt.

Welche Daten sollten auf der Visitenkarte stehen?

Es gibt keine Standards, welche Daten auf die Karte gehören. Meist sind es Name und Vorname, Adresse, Firmenlogo, Webseite. Akademische Gerade und Jobbezeichnungen sind keine Pflicht. Zu den Basics gehören aber meist die persönliche Durchwahl und die persönliche E-Mail-Adresse. Aber es gibt viel Gestaltungsspielraum. Auf meiner Visitenkarte fehlt zum Beispiel die Mobilnummer.

Warum?

Das ist ein kleiner Trick, der sehr gut funktioniert. Eigentlich ist meine Mobilnummer kein großes Geheimnis. Dadurch, dass sie aber nicht auf der Visitenkarte steht, vermittele ich meinem Gegenüber ein besonderes Vertrauen, wenn ich sie noch während der Übergabe dazuschreibe. Es gibt ihm das Gefühl, jemand Besonderes zu sein.

Beim Format wird viel experimentiert. Was halten Sie davon?

Das stimmt. Es gibt kleine schmale und große breite Karten. Aber ich denke, dass die Standardgröße 85 x 55 Millimeter am besten ist. Denn die meisten Visitenkarten werden noch immer in speziellen Ordnern gesammelt oder eingescannt. Bei den kreativen Sonderformaten wird das schwierig – genau wie der Transport. Kleine Karten verschwinden in den Tiefen der Jacketttasche, große passen nicht in die Geldbörse – und landen deshalb wahrscheinlich schneller im Müll.

Stimmt die Regel: Je auffälliger das Design der Visitenkarte, desto besser?

Nicht unbedingt. Aber natürlich kann eine auffällige Visitenkarte helfen, die Kontaktdauer mit einem neuen Kunden zu maximieren. Je öfter der Kunde die Karte anschaut, sie anfasst, über den ungewöhnlichen Glanzdruck streicht, umso besser wird er sich später an Sie erinnern. Es gibt durchaus Visitenkarten, die sogar auf dem Schreibtisch einen Platz finden. Die Mitarbeiter von Lego haben zum Beispiel Legomännchen, die ihnen so ähnlich wie möglich sehen. Auf das T-Shirt sind die Kontaktdaten aufgedruckt. Die sind vielleicht unpraktisch zu transportieren, aber so etwas wirft man nicht weg. Eine gute Strategie.

Worauf sollte man bei der Übergabe achten?

In der westlichen Welt gibt es nicht so strenge Regeln für die Übergabe wie in Asien. Jedoch sollte sie respektvoll sein und die Karte weder Fettspritzer noch Eselsohren haben. Meist wird die Karte zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten und sollte mit Augenkontakt übergeben werden. Die Schrift zeigt dabei in Richtung des Empfängers. Hat die Karte auf der Vorderseite nur ein Logo, drehen Sie die Karte vor der Übergabe, sodass der Empfänger direkt die wichtigsten Informationen vor Augen hat: Name und Firma.

Wie verhält man sich als Empfänger einer Visitenkarte?

Wichtig ist, dass man sich der Symbolik der Karte bewusst ist und wertschätzend einen Blick darauf wirft, auch wenn es nur ein oder zwei Sekunden sind. Bedanken Sie sich für das Vertrauen. Danach stecken Sie die Karte an einen Ort der Wertschätzung – in die Brieftasche, die Brusttasche am Jackett oder ein spezielles Etui. Auf keinen Fall unter die Gürtellinie in die Hosentasche. Und noch ein No-Go: Eine Visitenkarte ist kein Notizzettel. Solange die Person daneben steht, die Ihnen die Karte gegeben hat, sollten Sie auf keinen Fall Telefonnummer, Thema oder Ähnliches darauf kritzeln. Was Sie machen, wenn Sie später allein sind, ist dann wieder Ihre Sache. Aber in der Gegenwart schreibt nur der Kartengeber darauf.

Wie sehen Sie die Zukunft der Visitenkarte?

Ich denke, dass die Visitenkarte noch seltener werden wird. Oft hat man schon heute den ersten Kontakt zu einem neuen Kunden über Webseiten oder E-Mails. Wenn man sich digital schon ausgetauscht hat, macht es kaum Sinn, eine Visitenkarte zu übergeben, wenn man sich dann persönlich trifft. Aber die Symbolkraft der Visitenkarte bleibt; es ist wie bei einem gedruckten Buch. Die Visitenkarte ist ein Qualitätsdinosaurier, ein Symboldinosaurier.


Wie nutzen andere Unternehmer ihre Visitenkarten?

Wir haben uns bei unseren Lesern umgehört, wie sie mit ihren Visitenkarten umgehen – wenn sie überhaupt noch welche haben. Diese Beispiele aus dem Unternehmeralltag lesen Sie in Kürze auf impulse.de.

3 Kommentare
  • Udo Kummer 29. Oktober 2016 14:14

    Visitenkarte ist Qualität und Stil. Wer es nur bis zum Smartphone gebracht hat, nun ja, es ist eben sein Stil.

  • Sven Winterstein 25. Oktober 2016 23:18

    Wir produzieren sehr hochpreisige Visitenkarten in einem alten Druckverfahren ausschließlich mit sehr alten Maschinen, inzwischen in immer größerem Maßstab. Meine Beobachtung: unter anspruchsvollen Unternehmern wird immer mehr in erstklassige Visitenkarten investiert. Unter den Kunden sind auch erstaunlich viele Webagenturen und andere, die eigentlich für digitale Medien stehen. Undenkbar: Ein Vertriebler ohne Karte. Der kann gleich zu Hause bleiben.

  • R. Bauer 25. Oktober 2016 12:31

    Ich habe seit Jahren einen QR-Code auf meiner Visitenkarte. Dieser ermöglicht durch scannen mit dem Smartphone die Daten im Outlook Format sofort in die Datenbank zu übernehmen. Damit entfällt das Eintippen!

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