Management Mitarbeitermotivation: Worauf es tatsächlich ankommt

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Donuts, Berliner, guter Kaffee: Entscheidender für die Mitarbeitermotivation ist eine Aufgabe, die Mitarbeiter mit Herzblut machen, sagt Unternehmerin Annette Timm.

Donuts, Berliner, guter Kaffee: Entscheidender für die Mitarbeitermotivation ist eine Aufgabe, die Mitarbeiter mit Herzblut machen, sagt Unternehmerin Annette Timm.© merc67 - Fotolia.com

Tipps für die Mitarbeitermotivation gibt es zuhauf. Unternehmerin Annette Timm sagt: Wer Mitarbeitern eine Aufgabe gibt, die sie mit Herzblut machen, braucht keine kleinen oder großen Extras.

Immer wenn ich etwas über Mitarbeitermotivation lese, frage ich mich, ob mein Mitarbeiter wirklich ständig von mir erwartet, ihm einen Grund zu geben, morgens zur Arbeit zu erscheinen. Unterstelle ich ihm damit nicht automatisch, dass er ohne meine Motivationsversuche nicht gerne zur Arbeit kommt oder gar seine Aufgaben nur halbherzig erledigt?

Wenn ich davon ausgehe, dass mein Mitarbeiter sich seine Arbeitsstelle ausgesucht hat und nicht von irgendjemandem dazu überredet werden musste, hat er zumindest im Großen und Ganzen gewusst, was ihn erwartet. Meine Aufgabe sehe ich ab diesem Moment darin zu erkennen, wenn sich seine Erwartungshaltung nicht mit dem Arbeitsalltag in unserem Betrieb deckt. Eine Überforderung kann ebenso zur Unzufriedenheit führen wie eine Unterforderung.

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Lernen wir unseren neuen Mitarbeiter kennen und gehen auf die Suche nach verborgenen Talenten! So stellt sich nach einiger Zeit vielleicht heraus, dass der neue Mitarbeiter ein großes kreatives Potenzial hat. Jeder Grafiker unseres Betriebes hat seine Stärken und die gilt es gezielt einzusetzen. Aus diesem Grunde würden uns Stellenbeschreibungen nur einengen.

Es braucht Zeiten der An- und Entspannung!

Mitarbeitermotivation sehe ich als Schaffen von Rahmenbedingungen, die es ihm ermöglichen, sein Leistungspotenzial einerseits auszuschöpfen und gleichzeitig die Grenzen seiner Möglichkeiten zu erkennen. Es liegt mir nichts daran, einen Mitarbeiter ständig zu Höchstleistungen anzuspornen. Es braucht Zeiten der An- und der Entspannung.

Das leistungsgerechte Gehalt ist ebenso selbstverständlich wie die ergonomische Bestuhlung und ein respektvoller Umgang miteinander. Doch damit ist nicht nur der Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter gemeint, sondern auch der der Mitarbeiter untereinander. Wer es schafft, Konflikte als Möglichkeit des Interessenaustauschs zu sehen, hat bereits viel gewonnen.

Es ist das Miteinander, das die größte Herausforderung darstellt. Wie gehen wir miteinander um, wie nehmen wir einander wahr. Hier kommen Begriffe wie Empathie und Menschenbild zum Tragen.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern Aufgaben, die sie mit Herzblut machen!

Ich hätte heute fast den Fehler begangen und einer Mitarbeiterin einen Auftrag weggenommen, um ihm einem Kollegen zu übergeben. Die Gründe sind in diesem Zusammenhang nicht relevant. Nachdem mir die Mitarbeiterin erklärt hat, dass sie mit Herzblut bei genau dieser Aufgabe war und ich ebenfalls wusste, dass derjenige, der sie übernehmen sollte, eigentlich lieber etwas anderes machen würde (ebenfalls herzblutbesetzt), habe ich mich umentschieden. Es bleibt, bis auf einige Abweichungen, alles beim Alten. Die Konsequenzen, die durch die Zurücknahme meiner Entscheidung führen, sind überschaubar. Ich kann mir jedoch sicher sein, dass beide zukünftig gerne an die Arbeit gehen.

Bei der betroffenen Mitarbeiterin handelt es sich um diejenige, die heute Morgen zu mir kam und sich dafür bedankt hat, dass ich mich nach ihrem Urlaub erkundigt habe. Anteilnahme, Wertschätzung, ein respektvoller Umgang und die passenden Kombination von Mitarbeiterfähigkeiten und Aufgabenstellung, sind für mich wesentliche Teile, die zur Mitarbeiterzufriedenheit führen.

5 Kommentare
  • Timo Müller 3. März 2016 21:45

    Zitat aus dem Artikel: „Wer es schafft, Konflikte als Möglichkeit des Interessenaustauschs zu sehen, hat bereits viel gewonnen.“
    Dies erscheint so einfach, doch hat es nicht nur mit der Einstellung zu tun, sondern auch immer mit den erworbenen Kompetenzen/Kenntnissen der Führungskraft. Hier gibt es – positiv formuliert – bei Führungskräften Optimierungspotentiale. Es wird auf Alltagskenntnisse zurückgegriffen. Professionelles Konfliktmanagement-Wissen ist nicht weit verbreitet. Dies mag auch daran liegen, dass halbprofessionelle Trainer(innen) in diesem Feld Kurse geben, die sich nur oberflächlich mit dem Thema befasst haben.

    Lesen Sie zum Thema „Wirtschaftlche Bedeutung des Konfliktmanagements“ das Interview: „Konfliktmanagement: So besänftigen Chefs tobende Mitarbeiter“

    Kontraproduktiv ist auch, dass falsche Vorstellungen/Interpretationen im Umlauf sind.
    Der Video-Podcast „4 Irrtümer zum Konfliktmanagement im Unternehmen“ (Qielle: IKuF – Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation) klärt hier auf.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Timo Müller (IKuF)

  • Tschanz Theodor 29. September 2015 14:16

    Hallo Annette Timm! Bis in die Schweiz hat der Artikel seinen Weg gefunden. Das Wirkliche wurde in diesem Beitrag herausgeschält und ich sage aus meiner langjährigen Erfahrung der Personalführung (gegen 100 Mitarbeitende) der Nagel ist Kopfmitte getroffen. Châpeau! Tut gut diese Einstellung zu lesen und teilen zu dürfen, die Überzeugung des Geschriebenen gelebt zu sehen und die Herzenskraft aus diesen Zeilen aufzunehmen. Danke für diesen Beitrag in er heute unglaublich wirren Zeit. Ich werde diesen auch gern Freunden zum Lesen vorlegen. Weiterhin gutes Gelingen und eine glückliche Hand wünscht Theodor Tschanz aus Hünibach-Thun.

  • Jan Bieler 24. Juli 2015 11:36

    Aufgaben nach „Herzblut“ zu vergeben ist schon mal ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Doch wie oft trauen sich Mitarbeiter gar nicht zu sagen, dass sie die Aufgabe gar nicht gerne machen oder was sie lieber und besser machen könnten?

    Dass sich die Mitarbeiter das trauen und es gehört wird, zeigt schon, dass Frau Timm und ihr Mann eine Kultur geschaffen haben, die Offenheit fördert und damit Herzblut-Arbeit erst möglich macht.

    Heute wird sehr häufig die Generation Y „vorgeschoben“, doch ich denke, dass Herzblutarbeit jeden Menschen erreichen kann und die Unternehmen wie Mitarbeiter immer davon profitieren.

    Frohes Schaffen!

    Jan Bieler

  • Achim B 18. Juni 2015 10:56

    Inwieweit Sie es nun bewusst oder intuitiv macht und wie gut auch immer sie es ‚handwerklich‘ umsetzt: die Dame hat zumindest erkannt, dass Mitarbeiterführung eine emotionale Komponente hat, dass das Kennen der Mitarbeiter dazugehört und Gesprächsführung. Das sagen wir auf wirkt.de auch immer. Viele Manager ignorieren das… was die unter ‚Professionalität‘ verstehen, ist eher das ‚auf-sich-allein-gestellt-sein-lassen‘.

  • Dr. Timo Müller (IKuF) 18. Juni 2015 10:08

    Ich danke Ihnen für diesen Artikel. Die Bedeutung der Wertschätzung und der Umgang mit Konflikten hat direkten Einfluss auf die Mitarbeitermotivation. Dies wird bei manchen Führungskräften und Geschäftsführungen/Personalabteilungen noch nicht entsprechend gewürdigt.
    Es sind die speziellen Fähigkeiten der Kommunikation (insbesondere bei Führungskräften), die demotivieren können oder – wenn es gut läuft – motivieren. Dies zahlt sich auch wirtschaftlich für das Unternehmen aus.
    Die Generation Y fordert zudem – mehr als jede Generation zuvor – solche Arbeitsbedingungen: sonst ist sie nicht nur demotiviert, sondern sonst kehrt sie dem Unternehmen den Rücken – und kündigt. Dazu empfehle ich den kurzen Fach-Artikel: „Generation Y verändert den Umgang der Unternehmen mit Konflikten am Arbeitsplatz“.
    Insbesondere die jungen/neuen Führungskräfte sollten gut ausgestattet handeln/kommunizieren können. Lesen Sie hierzu den Beitrag: „Führungskompetenz fällt nicht einfach so vom Himmel“

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Timo Müller (IKuF)

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