Management Mompreneurs: Erfolgreich selbstständig als Mutter

Gründerin Esther-Eisenhardt mit Tochter: Das Netzwerk Mompreneurs unterstützt selbstständige Mütter, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familienleben zu finden.

Gründerin Esther-Eisenhardt mit Tochter: Das Netzwerk Mompreneurs unterstützt selbstständige Mütter, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familienleben zu finden.© Katja Harbi

Mit den Mompreneurs hat Esther Eisenhardt einen Wegweiser für selbstständige Mütter geschaffen. Was das Netzwerk Unternehmerinnen mit Kind bietet. Plus: Tipps von zehn Mompreneurs.

Von Berlin nach München, Zürich und Wien: Mompreneurs, das Netzwerk für selbstständige Mütter, wird im Juli erst ein Jahr alt – und hat schon jetzt rund 2000 Mitglieder und mehr als 4000 Facebook-Fans. In 15 deutschen Städten sowie in der Schweiz und Österreich finden regelmäßig Meetups statt. Die Themen reichen von rechtlichen Gründungsfragen über Webdesign und Suchmaschinenoptimierung bis hin zu Businessplänen, Crowdfunding und Kinderbetreuung.

„Es gibt viel Bedarf an Austausch und Tipps“, ist Esther Eisenhardt überzeugt. „Als Mutter und Unternehmerin war ich vor ein paar Jahren ein Novum in der Berliner Gründerszene, das wollte ich ändern“, sagt die Gründerin aus Berlin. Eisenhardts Töchter sind sieben und neun Jahre alt. „Jetzt ist Mompreneurs mein drittes Baby.“

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Mit Mompreneurs traf sie den Nerv der Zeit. Immer mehr Mütter sehen die Selbstständigkeit als Chance, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, als Alternative zur Teilzeit im Unternehmen. „Teilzeit ist oft ein Abstellgleis und bedeutet nicht selten das Karriere-Aus“, sagt Eisenhardt. „Viele Manager tun sich schwer, Verantwortung zu übertragen, wenn man an Meetings nach 16 Uhr nicht teilnehmen kann.“ Das liege an der noch immer weit verbreiteten Präsenzkultur und dem mangelndem Vertrauen oder Misstrauen vieler Manager.

Mit Mompreneurs den Sprung in die Selbstständigkeit schaffen

Die 44-jährige Betriebswirtin hatte selbst zwölf Jahre als Angestellte in der Start-up-Branche gearbeitet, unter anderem bei Ebay und dem Online-Shopping-Club Brands4Friends. Ein Gleichgewicht zwischen Arbeiten, Kindern und Familienleben sei in den Firmen nicht leicht gewesen, erzählt sie. 2011 kündigte sie ihren Job, um „etwas Eigenes zu machen“. Nach einer ersten GmbH gründete sie 2014 Mompreneurs. Kurz darauf wurde sie unter die „25 Frauen für die digitale Zukunft“ von der Business-Plattform Edition F gewählt.

Esther Eisenhardts Mission für Mompreneurs: Frauen ermutigen, ihren Weg zu gehen, ihnen eine Perspektive an die Hand zu geben und den Mut ihre Ideen umzusetzen. „Mütter sind in der Arbeitswelt eine Ressource, die extrem unterschätzt wird“, ist sie überzeugt. „Denn Soft Skills und Storytelling werden immer wichtiger. Die Kunden wollen nicht mehr nur Konsumgüter, sondern Werte hintern den Produkten erkennen.“ Wie zum Beispiel die Mompreneur Lisa Polk, die eine Modekollektion für Menschen mit Trisomie 21 entworfen hat. „Frauen sehen Themen und Produkte, auf die Männer eher nicht kommen würden“, sagt Esterhardt.

Häufig fehle es Müttern aber an Mut zur Gründung und Ideen für die konkrete Umsetzung. Hier setzt das Netzwerk an – mit Treffen, Workshops, Online-Seminaren und demnächst auch mehrwöchigen Coachings, erzählt Eisenhardt. Jede Mutter, mit kleinen oder erwachsenen Kindern, kann an den Treffen teilnehmen. Und jede könne auch einen Vortrag oder ein Seminar halten. „Das Netzwerk ist eine wahre Goldgrube an Frauen mit viel Wissen – und mit Erfahrung, die sie weitergeben möchten.“

Neue Einkommensquellen fürs Mompreneurs-Netzwerk

An den Ticketpreisen für die Angebote zum Austausch und Weiterbildung selbstständiger Frauen verdient Esther Eisenhardt, ebenso wie an den Mompreneurs-Porträts auf ihrer Homepage. Leben kann sie von Mompreneurs aber noch nicht. „Die Kosten sind gerade mal gedeckt“, sagt sie. Dabei sind die Ausgaben gering: „Ich arbeite von zu Hause aus und stemme das Netzwerk und die Website bisher so gut wie alleine.“ Mompreneurs wachse aber so schnell, dass sie wahrscheinlich bald Unterstützung brauche, um die vielen täglichen Anfragen zu beantworten.

„Es geht mir gar nicht darum, viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen“, sagt sie. Wer Kinder habe, wolle auch Zeit mit ihnen verbringen. „Erfolg bedeutet für mich eine Work-Life-Balance zu haben, Zeit für mich, Gesundheit, Flexibilität und finanzielle Unabhängigkeit“, sagt Esterhardt.

Trotzdem hat Eisenhardt bereits einige Ideen, wie sie Geld mit der bisher werbefreien Seite verdienen kann. Einen Verein mit Jahresmitgliedschaft zu gründen, ist nur eine davon. Auch sollen mehr kostenpflichtige Online-Formate entwickelt werden, etwa Beratungsvideos und Podcasts. Für Veranstaltungen will sie Sponsoren finden, für die Website Affiliate-Programme einrichten. „Diese Partner sollen aber einen wirklichen Mehrwert für selbstständige Mütter bieten“, sagt die Mompreneurs-Gründerin. Wie zum Beispiel das Unternehmen Fastbill, ein Online-Tool für Rechnungen und Kundenverwaltung für Selbstständige und kleine Unternehmer.

Esther Eisenhardt hat das Netzwerk Mompreneurs gegründet.

Esther Eisenhardt, Gründerin des Netzwerks Mompreneurs: „Auf das Wesentliche konzentrieren.“ © Jagna Zuzanna Birkhof© Jagna Zuzanna Birkhof

Zehn Tipps für selbstständige Mütter

Esther Eisenhardt interviewt jede Woche eine Mompreneur auf ihrer Homepage. Jeder Unternehmerin stellt sie die Frage, welche Tipps und Tools sie selbstständigen Müttern empfehlen würden. impulse hat zehn Tipps ausgewählt.

Constanze Buchheim, Gründerin von ipotentials: „Am Sonntagabend lege ich die Prioritäten für die folgende Woche fest. Das mache ich manuell, unterstützt durch Asana [ein Projektmanagement-Tool, Anm. der Redaktion]. Darüber hinaus nutze ich das Tages-Kartensystem: Für jeden Tag habe ich eine Karte mit priorisierten Aufgaben. Mit Hilfe dieser Karten kann ich jeden Tag vor- und auch nachbereiten. Auf der Rückseite lassen sich Erkenntnisse eintragen, die ich dann wiederum nutze, um mein Unternehmen weiterzuentwickeln. Mir gefällt es, eine richtige Karte in der Hand zu haben.“

Pia Blessing, Gründerin von Fabulinus: „Von Webinaren und Blogs kann man man jede Menge lernen. Ich mag sehr gerne die Webinare von Bloofusion zum Thema SEO oder den Blog von Sandra Holze zu Social Media. Außerdem nutze ich X-Mind: ein kostenloses Tool, um in Mind-Maps seine Gedanken zu strukturieren.“

Kerstin Hoffmann-Wagner, Gründerin von Hoffmann Eventberatung: „Mentoring-Programme gibt es inzwischen in vielen Städten. Neben einem Mentor oder einer Mentorin, die einen begleitet, können Gründerinnen viele hilfreiche und interessante Seminare und Beratungen nutzen.“

Esther Eisenhardt, Gründerin von Mompreneurs: „Ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das heißt, ich übe immer wieder, ‚Nein‘ zu unwichtigen Dingen zu sagen. Ich konzentriere mich auf das Jetzt und Hier und versuche mich beispielsweise nicht mit Dingen zu beschäftigen, die ich eh nicht (mehr) ändern kann.“

Stefanie Rosin, Gründerin von Das Rosinchen: „Nutze Gründercoachings, zum Beispiel vom Institut für Berufliche Bildung AG (IBB) oder der KfW-Bank.“

Natalie und Wanda, Gründerinnen von Meine Ernte: „Nimm dein Kind mit beziehungsweise binde es auch in deine Arbeit mit ein – so kannst du Zeit mit deinem Kind verbringen und dein Kind ist stolz, helfen zu können.“

Margit Sander, Freiberufliche Sprecherin: „Richtig Mittagessen!“

Rebecca Köhler, Gründerin von fitdankbaby: „Versuche, ganze Tage für die Arbeit zu reservieren. Ist viel effektiver als hier mal eine Stunde und da mal ein Vormittag.“

Michaela Seifer, Gründerin von Kaminia: „Regelmäßig Auszeiten nehmen – und seien sie auch noch so kurz. Wichtig dabei: Es sollte absolut nichts mit dem Business zu tun haben.“

Stefanie Bilen, Co-Gründerin und Geschäftsführende Redakteurin von SAAL ZWEI: „Denk an deine Partnerschaft: Wir haben eine „Zeit für uns“-Karte, die wir einander abwechselnd zustecken. Wer im Besitz der Karte ist, muss sich binnen eines Monats ein Programm für einen Abend oder einen Wochenendtag überlegen, mit dem er den anderen überrascht. Egal ob Picknick am Alsterlauf, Kat-Segeln an der Ostsee oder Sauna-Tag in der Therme: Es ist Zeit mit und Wertschätzung für den anderen. Natürlich obliegt die Organisation der Kinderbetreuung ebenfalls dem Karteninhaber.“

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