Management Neu aufgerollt: Wie eine Traditions-Weberei ihr Geschäft wiederbelebt

  • Aus dem Magazin
Die Teppiche von Habbishaw halten locker 30 Jahre.

Die Teppiche von Habbishaw halten locker 30 Jahre.© Dörthe Hagenguth für impulse

Die kleine Teppichweberei Habbishaw steht vor einer Herausforderung: Die Kunden der Ikea-Generation wissen kaum noch, was Handarbeit bedeutet. Der Juniorchef lässt sie nun im Internet eigene Teppiche kreieren. Ein Erfolg.

Wenn die Sache schiefgeht, kann man Dietrich Habbishaw keinen Vorwurf machen. Er hat einiges versucht, um seinen Sohn davon abzuhalten, den Familienbetrieb zu übernehmen. Schon als Teja noch klein war, schickte er den Jungen nicht in die Dorfschule im Nachbarort.

Jeden Morgen packte er ihn auf den Rücksitz seines Wagens und fuhr ihn 40 Kilometer in die Großstadt zur Schule. Er ermutigte ihn, ins Ausland zu gehen, in die USA, nach Afrika. Teja sollte etwas sehen, herausfinden, was das Leben für ihn bereithält. Und – bitte, bitte – nicht zurückkommen.

Anzeige

Zurück in die kleine, wenig profitable Teppichweberei nach Rückersfeld, einem Provinznest in Nordhessen. Der Ort zählt 40 Einwohner, ein Dutzend Fachwerkhäuser. Kein Bäcker, kein Arzt, kein Breitbandanschluss.

„Das ist verrückt“, sagt der Vater

Teja Habbishaw arbeitete als Entwicklungshelfer in Kenia und als Hotelmanager in Österreich. Er hat Fernseher verkauft und eine Marketingabteilung aufgebaut. Er ist jung, smart, gewandt. Ihm steht die Welt offen. Aber jetzt, mit 34, hat er sich für ein Büro in Rückersfeld entschieden.

Teja Habbishaw hat als Entwicklungshelfer gearbeitet - jetzt steht sein Schreibtisch in einer Scheune.

Teja Habbishaw hat als Entwicklungshelfer gearbeitet – jetzt steht sein Schreibtisch in einer Scheune.© Dörthe Hagenguth für impulse

Sein Schreibtisch steht in einer Scheune, es riecht nach Schafwolle. Vor eineinhalb Jahren hat er die winzige Teppichweberei seiner Familie übernommen. Sein Vater kann es nicht fassen. „Das ist verrückt“, sagt er.

Tatsächlich ist die Vision des Sohnes gewagt. Er will einen Betrieb retten, den es – so könnte man meinen – in Deutschland gar nicht mehr geben dürfte. Als Firmensitz dient ein alter Stall im Bauernhaus. Alle paar Sekunden rumst es. Dann schiebt der alte, halbmechanische Webstuhl die Schafwolle zusammen. Davor stehen Anja und Grazyna, die beiden Weberinnen.

Mass Customization in der Scheune

Eine Kunststudentin vernäht die Teppiche später, in der Scheune nebenan spinnt Habbishaw senior die Wolle. Das ist der ganze Betrieb, versteckt an einem Ort, der aus der Zeit gefallen scheint – schön wie im Märchen. Teja Hab­bishaw will, dass dieses Märchen gut ausgeht.

Deswegen ist er ausgezogen und hat in fernen Branchen nach Ideen gesucht. Er fand Mass Customization – ein Konzept, das bislang vor allem die Autoindustrie oder Internetfirmen nutzen. Es bedeutet, dass jeder Kunde genau das bekommt, was er will, die Produkte dennoch in großer Stückzahl hergestellt werden.
 
[…]
 
impulse 8/2014Den ganzen Artikel finden Sie im impulse-Magazin 08/14

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.